0
Gründer: Kerstin Naumann (v.l.), Johann Brauer, Kathrin Teschke, René Keber, Stephan Röcken, Birgit Indiesteln und Thomas Kursawe - © Barbara Franke
Gründer: Kerstin Naumann (v.l.), Johann Brauer, Kathrin Teschke, René Keber, Stephan Röcken, Birgit Indiesteln und Thomas Kursawe | © Barbara Franke

Gründer Unternehmer berichten, wie es mit der Existenzgründung klappt

Beim ostwestfälischen Gründungstag berichten ein Fotograf, ein Zahntechniker und Marktforscher von ihren Erfahrungen auf dem Weg zur Existenz - mit besonderen Geschäftsideen.

Lukas Brekenkamp
30.10.2019 | Stand 30.10.2019, 11:23 Uhr

Bielefeld. Das Foto auf dem Pappkarton der Tiefkühlpizza lässt vielen schon beim Anblick das Wasser im Munde zusammenlaufen. Eine Pizza perfekt in Szene gesetzt. Stephan Röcken weiß ganz genau, wie das funktioniert. Der 46-Jährige ist Fotograf und leitet das Fotostudio Toelle. Einige seiner Kunden sind Hersteller von Lebensmittel. Vergangenes Jahr hat er das Fotostudio übernommen. Beim Ostwestfälischen Gründungstag am 7. November in der IHK in Bielefeld berichtet er von seiner Erfahrung beim Aufbau einer Existenz. Der Gründungstag beginnt um 8.30 Uhr. Auf dem Programm stehen unter anderem Vorträge, wie von Stephan Röcken sowie weiteren Existenzgründern und Experten. Enden soll die Veranstaltung um 16.30 Uhr. Seit 2012 war Stephan Röcken in dem Fotostudio bereits berufstätig. „Das war damals wie noch mal in die Lehre zu gehen", sagt er. Denn schon damals zählten Unternehmen aus dem Lebensmittelbereich zu den Kunden des Studios. Etwas Neuland für den Fotografen, der 1997 seine Lehre abgeschlossen hatte. „Mit Auszeichnungen", wie er sagt. Pizzen, Kuchen oder die passenden Fotos für Grill-Rezepte. „Dabei ist so ziemlich alles essbar, was wir verwenden", betont der Fotograf. Synthetische Mittel würden er und sein Team nicht einsetzen. Dafür lägen aber Tupfer, Schere und Pinzette immer bereit. „Ein bisschen, wie bei einer OP", sagt Röcken. Werbespot läuft im TV Ein weiteres Steckenpferd von Stephan Röcken: 3D-Visualisierung. Möglichkeiten, die zum Beispiel dann zum Einsatz kämen, wenn etwa ein Produkt noch nicht auf dem Markt ist. Digital werden die Entwürfe der Produkte in eine realistische Umgebung „eingebaut". Ein Beispiel nennt Röcken: Für einen Hersteller von Gardinenstangen im hochwertigen Sektor habe man die neuen Produkte in ein besonderes Ambiente gefügt. „Zum Beispiel eine Wohnung in Paris oder eine Villa am Genfer See", berichtet er. Dass er mal selbstständig sein würde, war für ihn eigentlich schon lange klar. Trotzdem kann er auch von so mancher Hürde berichten, die der Existenzaufbau mit sich bringen kann. So etwa das Schreiben eines Businessplans oder Leasingverträge für Firmenautos. Und auch, ob der Kundenstamm nach der Übernahme treu bliebe. „Das war ein Blick in die Glaskugel:" Heute sagt er aber: „Ich habe da einen Haken drangemacht – läuft!" Dass er und sein Team ihren Kunden auch Videos liefern, soll jedoch nicht unerwähnt bleiben. Immerhin, so sagt es Stephan Röcken, laufe aktuell der erste Werbespot im Fernsehen. Für wen der dr siebensekündige Spot produziert wurde, dürfe er nicht verraten. „Es ist aber im Food-Bereich." Dass der Bereich Fotografie aufgrund der Digitalisierung aussterben könnte, denkt Röcken nicht. „Der Bedarf an guten Fotos wird immer größer", sagt er. „Und die muss auch jemand machen." Die Nachfrage bleibt also – und auch gegessen wird bekanntlich immer. Mit Zahntechnik Handwerk und Digitales verbingen Auc für Thomas Kursawe hat sich mit 15 Jahren die Frage gestellt: „Werde ich Goldschmied oder Zahntechniker?" Schnell stand für ihn fest, dass er sich den Zähnen widmen will. Und mindestens genau so schnell stand fest, dass der 53-Jährige sich selbstständig macht. „Verantwortung übernehmen – das ist mein Ding", sagt der Meister. Als sich für den ehemaligen Geschäftsführer die Chance ergab, zu gründen und das Unternehmen „Les Dents" zu übernehmen, zögerte er nicht lange. „Ich bin in einer Einzelhandels-Familie groß geworden. Ich bin da reingewachsen, sein eigenes Geschäft zu führen", sagt er. Im Dezember fiel der Entschluss – im Februar dieses Jahres erfolgte dann die Gründung. In seinem zahntechnischen Geschäft verknüpfe er handwerkliches Geschick mit der digitalen Welt, sagt er. Immerhin sei es mit Zahnersatz wie mit der passenden Kleidung. „Es ist schon ein Unterschied, ob man sein Jackett von der Stange kauft, oder auf den Körper schneidern lässt", sagt er. Allerdings habe er „natürlich" auch bedenken gehabt, was mögliche Risiken angeht – trotz 37-jähriger Berufserfahrung. Die Nischen immer im Blick René Keber (41) und Johann Brauer (35) haben mit ihrem Unternehmen „Global Scope Solutions" die Nischenmärkte im Blick. Die Gründer betreiben Marktforschung – vor allem für das Handwerk und die Industrie. „Die Idee war, für kleine und mittelständische Unternehmen die passenden Methoden entwickeln und regionale Forschung zu betreiben", erklären sie. Mittlerweile sei der Kundenstamm jedoch gewachsen – auch auf internationaler Ebene. Gegründet haben der Jurist und der Betriebswirt im Frühjahr 2018. Auch sie standen vor so mancher Hürde während der Gründung. „Viele konnten wir aber nicht beeinflussen", sagt Keber. So kam es beispielsweise zu Verzögerungen, bis es letztendlich zur Geschäftsaufnahme kam. Dabei berichten beide auch, dass es am Anfang viel Überzeugungsarbeit gekostet habe, den Kundenstamm aufzubauen. „Wir haben komplett bei Null angefangen", sind sie sich einig. Doch weil die beiden schon zuvor in einem Marktforschungsinstitut gearbeitet haben, seien einige ehemalige Kunden, die sie betreut hätten, letztendlich zu ihnen gekommen.

realisiert durch evolver group