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Rund 2.000 radeln gegen B 61-Ausbau. - © Sarah Jonek
Rund 2.000 radeln gegen B 61-Ausbau. | © Sarah Jonek

Bielefeld Gütersloher Straße soll vierspurig werden: Riesen-Protest in Bielefeld

Fahrrad-Demo: Vom Kesselbrink aus starten einige Hundert Richtung Gütersloh. Auf dem Weg werden es immer mehr. Am Schenkenhof kommen Aktivisten aus Bielefeld und Gütersloh zusammen und beziehen Position gegen „den Irrsinn“

Ivonne Michel
24.09.2019 | Stand 23.09.2019, 20:15 Uhr |

Bielefeld/Gütersloh. „Wir sind grundsätzlich nicht gegen etwas, sondern für mehr Umweltbewusstsein und dafür, mehr Menschen aufs Fahrrad zu bekommen und umweltfreundlichen Verkehr zu fördern", sagt Michael Schlem vom Radentscheid Bielefeld. Der Verein hatte zusammen mit der Bürgerinitiative Energiewende Gütersloh am Sonntagnachmittag zur Fahrraddemo eingeladen. „Wie toll das funktionieren und wie wunderschön die Allee zwischen Bielefeld und Gütersloh sein kann, habe die Tour gezeigt. Unterschriften für den Radentscheid Bei schönstem Spätsommer-Sonnenschein geht’s mit Polizeieskorte und Schildern mit Sprüchen wie „Radeln statt rasen", „Lieber Fahrradkette statt Kettensäge" und „Zukunft wird aus Mut gemacht" vom Kesselbrink über Jahnplatz und Adenauerplatz die Artur-Ladebeck-Straße hoch. Die ersten kommen ins Schnaufen. Die Klimaengel, vier in weiß gekleidete, mit Flügeln ausgestattete Vertreter des Radentscheids, wirken aber noch ganz entspannt. Sie nutzen die Aktion, um Unterschriften für den Radentscheid (die NW berichtete mehrfach) zu sammeln. „Wir sind da schon auf einem guten Weg", sagen sie. „Man muss da heute anders denken" Weiter geht’s die Gütersloher Straße entlang. In Ummeln steht Familie Teichgräber startbereit am Straßenrand. „Wir wollen nicht nur schimpfen, sondern als Bürger Initiative zeigen und uns für unsere Anliegen einsetzen", sagt Annemarie Teichgräber. Die Töchter gehen auf die Grundschule Ummeln. Noch mehr Autoverkehr auf der B 61 sei nicht willkommen. „Man muss da heute anders denken, mehr für Fahrradfahrer tun, nicht nur in den Innenstädten", sagt Teichgräber. Barcelona oder Kopenhagen seien da Vorbilder, ergänzt ein älterer Herr. Auch Cornelius Hecht, Einzelhändler aus Bielefeld, hat sich aufs Fahrrad geschwungen und der Demo nach Gütersloh angeschlossen. Der angedachte vierspurige Ausbau der B 61 sei „einfach ein Irrsinn und überhaupt nicht mehr zeitgemäß". Innovativere Verkehrskonzepte seien gefragt, Fahrradmobilität müsse heutzutage gefördert werden. „Wer mehr Straßen baut, wird mehr Autoverkehr ernten" Auf dem letzten Teil der Strecke, ein ganzes Stück vor dem gemeinsame Ziel Schenkenhof, kommen die Radler aus Gütersloh der Bielefelder Demotruppe entgegen – und schließen sich ihr hinten an. Die Veranstalter zeigen sich begeistert von der hohen Teilnehmerzahl: jeweils etwa 1.000 Menschen, die aus Gütersloh und Bielefeld dabei sind. Am Schenkenhof gibt es eine etwa 30-minütige Kundgebung, die Gütersloher Straße ist so lange gesperrt. Widersprüchliche Aussagen von Politik und Straßen NRW Ein vierspuriger Ausbau der Allee gefährde zahlreiche alte Bäume, bringe 7.000 Autos pro Tag mehr mit sich. „Wer mehr Straßen baut, wird mehr Autoverkehr ernten", sagt Schlem. Das Geld solle besser in schöne Fahrradschnellwege investiert werden. „Wir wollen eine echte Verkehrswende", ergänzt Annette Klee von der Gütersloher Bürgerinitiative. Die Aussagen seien da sehr widersprüchlich. In einem Landtagsinterview vor zwei Tagen habe es geheißen, es gäbe keine aktuellen Pläne für den Ausbau. Straßen NRW hingegen habe von einer dringenden Notwendigkeit gesprochen.

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