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Tierfreunde: Huib und Ewa Rutten retteten ihre Hunde Drago, Lupa und Mina vor dem sicheren Tod in Rumänien. Heute ermutigen sie Herrchen und Frauchen, es ihnen gleich zu tun. - © HUIB RUTTEN
Tierfreunde: Huib und Ewa Rutten retteten ihre Hunde Drago, Lupa und Mina vor dem sicheren Tod in Rumänien. Heute ermutigen sie Herrchen und Frauchen, es ihnen gleich zu tun. | © HUIB RUTTEN

Bielefeld Gerettet vor dem sicheren Tod: Straßenhunde finden neues Zuhause in Bielefeld

Ewa Rutten rettete drei Hunde aus Rumänien. Bei einem „Fest für Tiere“ will sie am Sonntag über katastrophale Zustände aufklären

Marleen Gesemann
14.09.2019 | Stand 15.09.2019, 11:54 Uhr

Bielefeld. Beruflich widmet sich Ewa Rutten ganz den Menschen, privat setzt sie sich für die Rettung von Hunden ein. Eine Reise ins weltgrößte Tierheim in Rumänien gab der selbstständigen Visagistin den Anstoß, aktiv zu werden. Zusammen mit ihrem Ehemann kam sie auf die Idee, rumänischen Straßenhunden in Bielefeld ein Fest zu widmen. Sie möchte Menschen mit Hundewunsch dazu bewegen, nicht direkt zum Züchter zu gehen, sondern auch Tierheimen eine Chance zu geben. Seit 1993 lebt Ewa Rutten in Bielefeld und hat schon vieles ausprobiert: eine eigene Hochzeitsagentur, ein eigenes Café und ein eigenes Naturkosmetikgeschäft, das „Sinnwerk" an der Neustädter Straße. Die Selbstständigkeit spielte dabei immer eine große Rolle. Heute berät die selbstständige Visagistin und Personality-Stylistin Frauen zum Thema Farben, die zur individuellen Persönlichkeit passen. Legale Tötungen von Straßenhunden sind oft qualvoll Beruflich prägt Ewa Rutten die Geschichte von Menschen, privat sind es die Geschichten von Tieren. Auf den Hund gekommen ist sie vor allem durch ihren Ehemann, den Fotografen Huib Rutten. Als die beiden sich 2010 kennenlernten, war Huib Rutten bereits Herrchen eines geretteten Straßenhundes. Mittlerweile beherbergt das Ehepaar drei flauschige Vierbeiner aus Rumänien: Drago, Lupa und Mina. Die erste gemeinsame Reise nach Rumänien hinterließ 2013 einen bleibenden Eindruck. Das Paar besuchte dort das größte Tierheim der Welt: Die „Smeura" beherbergt über 5.000 Hunde und steht damit sogar im Guinness-Buch-der-Rekorde. Die Tierschützer der „Smeura" versuchen, möglichst viele Vierbeiner zu retten und medizinisch zu versorgen. „Das Schlimme ist, dass die Hunde alle nicht kastriert sind und sich so immer weiter vermehren können. Deswegen setzt die Tierheim-Betreiberin „Tierhilfe Hoffnung" sogar Kastrationsmobile ein, die die Überpopulation einzudämmen versuchen", sagt Ewa Rutten. In Rumänen gesetzlich legalisiert Das Töten von Straßenhunden ist in Rumänien gesetzlich legalisiert – und geschieht häufig unter qualvollen Bedingungen. Die Tiere, die gerettet werden können, werden in der „Smeura" gechipt und geimpft, damit sie dann in verschiedene Tierheime in ganz Deutschland gebracht werden können. Seit ihrer ersten hautnahen Begegnung mit dem Leid der rumänischen Straßenhunde unterstützt das Ehepaar Rutten die „Smeura" und versucht, auch in der Heimat über die Umstände aufzuklären. So entstand noch im selben Jahr der ersten Reise nach Rumänien die Idee zum „Fest für Tiere". An diesem Wochenende wird es bereits zum siebten Mal im Bielefelder Bauernhausmuseum gefeiert. Ein besonderes Highlight ist für das Paar dieses Jahr die Vorstellung ihres ersten gemeinsamen Buches mit Fotografien von Huib Rutten und Geschichten ehemaliger Straßenhunde. Veröffentlicht wird es im Herbst. Bewusstsein für Missstände schaffen Trotz all der Aufmerksamkeit, die Ewa Rutten den rumänischen Hunden schenkt – als Vermittlerin sieht sie sich nicht. Ihre Mission sei es, ein Bewusstsein über die Missstände zu schaffen. Aufklären will sie: „Es gibt so viele tolle Hunde aus dem Tierschutz und jeder ist anders. Wer einen Hund möchte, sollte nicht immer direkt zum Züchter gehen, sondern sich zuerst im Tierheim umschauen. Welpen gibt es dort oft auch." Auch mit ihren eigenen Hunden Drago, Lupa und Mina habe sie nur gute Erfahrungen gemacht: „Sicher muss man den Tieren Zeit geben, anzukommen. Aber es ist toll zu beobachten, wie sie sich jeden Tag mehr öffnen und sich in ihrem neuen Zuhause einleben." Das neueste Familienmitglied war nicht geplant Probleme bei der Erziehung habe es nicht gegeben und auch mit anderen Hunden und Menschen kämen die Drei gut zurecht. „Unser kleines Rudel ist einfach toll, auch wenn es ursprünglich gar nicht so groß werden sollte", erzählt Ewa Rutten. Denn das neueste Familienmitglied, Hündin Mina, war alles andere als geplant. 2015 scheiterte das Ehepaar mit dem Versuch, eine Pflegestelle zu eröffnen – Pflegehund Mina durfte aber bleiben. Ihre Erfahrungen mit rumänischen Straßenhunden teilt Rutten gerne am Sonntag auf dem „Fest für Tiere" im Bauernhausmuseum. Von 11 bis 18 Uhr erwarten Besucher dort verschiedene Stände rund ums Thema Hund, Angebote für Kinder, vegetarische und vegane Speisen und einiges mehr. Erlös geht an die Tierhilfe Der Erlös und die Spenden des Festes gehen vollständig an die „Tierhilfe Hoffnung", Betreiber des weltgrößten Tierheims „Smeura".

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