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Immer cool bleiben: Schwimmmeister Louis Schröter, Betriebsleiter des Wiesenbades (Mitte) kann sich auch an heißen Tagen auf die Unterstützung von Marat Hakopian (l.) und Zoran Giekulovic vom Sicherheitsdienst verlassen. Zusammen haben sie im größten der acht Freibäder der Stadt alles im Griff. - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Immer cool bleiben: Schwimmmeister Louis Schröter, Betriebsleiter des Wiesenbades (Mitte) kann sich auch an heißen Tagen auf die Unterstützung von Marat Hakopian (l.) und Zoran Giekulovic vom Sicherheitsdienst verlassen. Zusammen haben sie im größten der acht Freibäder der Stadt alles im Griff. | © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo

Bielefeld Die Bielefelder Hitze-Helden vom Beckenrand

35 Grad, Hochsommer: Womit Schwimmmeister wie Katrin Günther und Louis Schröter zu kämpfen haben und warum sie aktuell so gefragt sind

Ivonne Michel
01.07.2019 | Stand 01.07.2019, 08:42 Uhr

Bielefeld. Mit ihnen möchte man sich nicht anlegen: "Allein dass sie da sind, reicht oft schon aus", sagt Louis Schröter. Der Schwimmmeister und Chef des Wiesenbads selbst ist schon recht muskulös, Marat Hakopian und Zoran Giekulovic toppen das aber nochmal. Sie gehören zum Team des Sicherheitsdienstes, das im größten der acht Freibäder der Stadt die Crew unterstützt. Handgreiflichkeiten gegenüber Badepersonal oder Gästen, so wie kürzlich in Essen, gebe es allein deshalb eigentlich nicht. "Aber es gibt natürlich trotzdem immer ein paar Experten, die über die Stränge schlagen", sagt Schröter. Seit 19 Jahren arbeitet der 37-Jährige bei der Betreibergesellschaft, den Bielefelder Bäder- und Freizeiteinrichtungen (BBF) - im Sommer als Betriebsleiter im Wiesenbad, im Winter als Leiter der Oetker-Eisbahn. Und hat schon so einiges erlebt. Es habe schon Zeiten gegeben, "da hat man den Bademeistern die Autoreifen zerstochen", berichtet Schröter. Das sei allerdings in den 1990er Jahren gewesen. Da sei's oft richtig rund gegangen. Auch heute müssen die Hitze-Helden vom Beckenrand ab und an die Polizei rufen. "Wenn jemand betrunken ist oder unter Drogen steht, fliegt er sofort 'raus", sagt Hakopian. Schlechter Tag, schlechte Laune: gepöbelt werde öfter mal. "Bei der Hitze sind viele viel aufgedrehter", sagt Schröter, die Jugendlichen heutzutage insgesamt respektloser. "Bei uns musste der Badenmeister früher nur einmal pfeifen, dann haben wir sofort gespurt", sagt Schröter. Seine Devise heute: Bloß nicht auf eine Diskussion einlassen, immer ruhig bleiben. Aber nicht nur randalierende Jugendliche werden im Zweifelsfall des Bades verwiesen. Auch Eltern, die zum wiederholten Mal ihre Aufsichtspflicht verletzen. Das habe leider sehr zugenommen. "Etliche Eltern lassen ihre kleinen Kinder, die teilweise nicht schwimmen können und noch nicht einmal Schwimmflügel tragen, unbeaufsichtigt, legen sich selbst auf die Wiese in die Sonne, Blick aufs Handy", sagt Schröter. Fotografieren sei zwar in allen Bädern der Stadt seit etwa zwei Jahren verboten, aber trotzdem seien viele ständig mit ihren Geräten beschäftigt. Das beklagt auch Kathrin Günter, Betriebsleiterin des Dornberger Freibads. Aggressionen und Handgreiflichkeiten gebe es eigentlich nicht. "Die meisten wollen wirklich einfach nur ihren Spaß haben und hören auch gut, wenn wir eine Ansage machen", sagt sie. Das Problem seien wirklich eher die Eltern, die ihre Kinder einfach im Bad absetzten. Offiziell dürfen Kinder erst ab acht Jahren allein ins Freibad. Vorausgesetzt, sie können schwimmen. "Und das lernen immer weniger heute frühzeitig", ergänzt die 33-Jährige, die als 16-Jährige nach der zehnten Klasse ihre Ausbildung zur Fachangestellten für Bäderbetriebe gestartet hat, sich dann mit verschiedene Kursen weiterqualifiziert und 2014 ihre Schwimmmeisterprüfung gemacht hat. Zudem seien die Mädchen und Jungen heute motorisch längst nicht mehr so geschickt. Insgesamt sei in Dornberg aber die Welt noch ziemlich in Ordnung. Trotzdem ist viel zu tun. Mit zwei Rettungsschwimmern, die als Saisonkräfte in den Bädern der Stadt arbeiten, ist sie an guten Tagen für über 2.000 Badegäste zuständig. Neben der Aufsicht muss sie die Wasserqualität prüfen, Chlor nachsteuern, trösten, Pflaster kleben, Wespenstiche versorgen, Schwimmnudeln, Tauchringe und Wasserbälle ausgeben - und vieles mehr. Auch die Sorgen und Nöte der Stammgäste hört sie sich an. Einige kämen mit ganz persönlichen Fragen zu ihr, suchten Rat. Genau diese Vielseitigkeit, der Kontakt mit den Menschen, mache ihren Job aus. Er sei für sie zur Berufung geworden. Das sagt auch Kollege Louis Schröter. Auch wenn jetzt in der Hauptsaison etliche Mehrstunden und Wochenenddienste dazu gehören. Fachkräfte wie Günter und Schröter sind aktuell sehr gefragt: In der Branche herrscht Fachkräftemangel, "schon seit Längerem", sagt Schröter. Obwohl die Bezahlung nicht schlecht ist: 2.600 Anfangsgehalt inklusive Schicht- und Zeitzuschlägen, später rund 3.200 Euro pro Monat. Als Badleiter seien erheblich höhere Gehälter realisierbar, so die BBF. Und auch Saisonkräfte sucht die BBF immer. Die Bezahlung, etwa 15 Euro pro Stunde, sei gut, sagt Dennis Miller (21). Für ihn ist es bereits die vierte Saison im Freibad. Je nach Wetterlage werde er auch im Ishara Dienst machen. Er studiert Wirtschaftsingenieurwesen. "Damit bin ich unter den Rettungsschwimmern Exot", sagt er. "Die meisten studieren Sport." Den ganzen Tag draußen im Sonnenschein, das sei schon nett. Aber man trage auch eine große Verantwortung. "Damit muss man zurecht kommen", sagt Miller.

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