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Die große Freifläche hinter dem Campus Nord mit der Fachhochschule in Richtung Babenhausen könnte das größte Baugebiet Bielefelds werden. - © Wittig
Die große Freifläche hinter dem Campus Nord mit der Fachhochschule in Richtung Babenhausen könnte das größte Baugebiet Bielefelds werden. | © Wittig

Bielefeld 4.000 neue Wohnungen in Bielefeld möglich - aber Umweltschützer machen Front

Neue Kalkulation im Rathaus sorgt in Dornberg und bei Umweltverbänden für Unruhe. Suche nach Wohnbauflächen gestaltet sich schwierig

Joachim Uthmann
17.05.2019 | Stand 17.05.2019, 07:13 Uhr

Bielefeld. Die Stadt sucht händeringend Wohnbauflächen. Mit einer Baulandstrategie will sie selbst in den Markt eingreifen und Grundstücke ankaufen. Außerdem fahndet sie nach bebaubaren Freiräumen. Stark im Blick ist das Areal zwischen dem Hochschulcampus Nord und Babenhausen. Eine neue Kalkulation, nach der hier mehr als 4.000 neue Wohneinheiten entstehen könnten, sorgt für Wirbel. Vor vier Jahren hatte die CDU bereits für ein neues Viertel dort auf rund 50 Hektar Fläche geworben. Es schließt sich an den Campus Nord mit der Fachhochschule an und ist nicht weit von der Universität, die jetzt auch noch um die Medizinische Fakultät erweitert wird. Auch die Hochschulen drängen auf Entwicklungsfläche in ihrer Nähe. Sorge vor zu forschem Vorgehen Das Gelände ist zudem über Verlängerungen der Stadtbahnlinien 4 (bereits in Planung) und 3 erschließbar und im Gebietsentwicklungsplan als potenzielle Baufläche ausgewiesen. Aber es liegt im Außenbereich und wird vom Babenhauser Bach mit schützenswerter Natur durchzogen. Deshalb ist der Widerstand vor Ort, aber auch bei Umweltschützern groß. Politiker der linken Mehrheit im Rat mahnen denn auch zur Zurückhaltung. SPD-Ratsfraktionschef Georg Fortmeier sagte 2015: "Ich habe die Sorge, dass wir mehr kaputtmachen als bewegen, wenn wir zu forsch vorgehen." Entsprechend schwierig ist auch der Meinungsbildungsprozess. In Dornberg sucht eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe nicht öffentlich nach Auswegen. Einmalige Größenordnung Umso größer war offenbar auch dort das Erstaunen über die neuesten Zahlen und Szenarien, die das Bauamt jetzt nach Berechnungen eines Planungsbüros vorlegt. Danach könnte zwischen Dürerstraße und Babenhauser Straße eine größere Bebauung mit bis zu viergeschossigen Mehrfamilienhäusern und Studentenwohnheimen und mehr als 4.000 Wohneinheiten geplant werden. Das wäre eine Größenordnung, die weit über den aktuell geplanten Wohngebieten liegt. Das größte davon an der Grünewaldstraße mit immerhin schon 700 Wohneinheiten geht jetzt gerade an den Start und schließt sich an den Campus Nord an. Bis dahin soll auch die Stadtbahnlinie 4 verlängert werden. Aber auch die FDP hatte vor Kurzem erst für ein Baugebiet für 10.000 Menschen im Anschluss an den Campus vorgeschlagen. Wohnungsnot und Wissenschaftsstadt Babenhausen sieht die Stadt seit Längerem als attraktiv für neue Wohngebiete an. Am Hollensiek wachsen 100 Wohneinheiten gerade aus dem Boden. Auch die Dornberger Politiker sind trotz der Skepsis, dass zu viel Landschaft verbraucht wird, bereit, Flächen für Bebauung freizugeben, vor allem entlang der Babenhauser Straße an Leihkamp, Puntheide und Thomashof. Doch die Dimension wäre deutlich kleiner. Der Druck, mehr zu entwickeln, wächst auch von den Hochschulen aus. Auf dem Weg Bielefelds zur "Wissenschaftsstadt" wird nicht nur Platz für neue Forschungseinrichtungen und Start-up-Unternehmen gesucht, sondern auch für ein lebendiges urbanes Umfeld mit innovativen und modernen Stadtraum für Wohnen, Kultur, Sport und Infrastruktur, heißt es in einem Strategiekonzept, das mit der Stadt erarbeit wurde. Und Baudezernent Gregor Moss (CDU) hält angesichts zunehmender Einwohnerzahlen, wachsender Hochschulen und der älter werdenden Gesellschaft in kurzer Zeit mindestens 5.000 neue Wohneinheiten in Bielefeld für erforderlich. Die Stadt will deshalb jährlich Baurecht für 2.500 Wohnungen schaffen.

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