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Die Universität Bielefeld ist in das Strategiekonzept eingebunden.
Die Universität Bielefeld ist in das Strategiekonzept eingebunden.

Mit diesen Ideen will Bielefeld den Ruf als "Wissenschaftsstadt" ausbauen

Abschlussbericht: Arbeitsgruppen zur „Wissenschaftsstadt Bielefeld“ erarbeiten fast 70 Vorschläge, die die Stadt voranbringen würden

Ansgar Mönter
13.12.2016 | Stand 13.12.2016, 19:46 Uhr

Bielefeld. Die alte Industriestadt Bielefeld soll ein neues Label erhalten: Wissenschaftsstadt. Das wünschen sich Oberbürgermeister Pit Clausen und die gut 65 Mitglieder aus fünf Arbeitsgruppen, die sich eineinhalb Jahre damit befasst haben. Jetzt liegt ihr 130 Seiten zählender Abschlussbericht vor. Darin sind fast 70 Anregungen und Empfehlungen zu finden, wie das Ziel erreicht werden könnte. „Es ist kein Masterplan, sondern ein erster Schritt", sagt Clausen. Dieter Timmermann und Hans-Jürgen Simm, ehemaliger Rektor und ehemaliger Kanzler der Universität Bielefeld, nennen das Werk eine Ideensammlung, unverbindlich, aber als Diskussionsgrundlage wichtig. Schließlich müsse sich Bielefeld auf den Wettbewerb vorbereiten mit anderen Städten. Den Autoren ist bewusst, dass nicht alle Vorschläge realisiert werden, schon gar nicht sofort. Aber der Prozess muss beginnen. Die Stadt handelt im Februar auf politischer Ebene, wie Clausen ankündigt. Das wird das Strategiekonzept im Rat eingebracht und und anschleißend an die Ausschüsse weiter geleitet. „Damit wir im Sommer einen Beschluss haben", sagt Clausen. Neben den strukturellen Vorschlägen für die Entwicklung des Hochschulstandortes Bielefeld hier einige markante Beispiele aus der Sammlung, die sich auch auf das Stadtbild auswirken würden: NEUE 
STUDENTENWOHNHEIME Bis zu 1.800 neue Plätze in Studentenunterkünften sollen entstehen, innerhalb von drei Jahren zunächst 300, in den folgenden drei Jahren nochmal bis zu 500 und anschließend möglichst weitere 1.000 Plätze – und zwar Campusnah und in der Stadt. Ein möglicher Ort für studentisches Wohnen wäre das alte Fachhochschulgelände an der Kurt-Schumacher-Straße. Anstoßen müssen das die Institutionen Studierendenwerk und Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB). FORSCHUNGSEINRICHTUNGEN ANLOCKEN Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Institute oder ähnliches sollten angelockt werden, indem für sie frühzeitig Flächen erschlossen werden, und zwar möglichst in der Nähe des Campus. Die kommenden fünf Jahre sollte das geschehen. Hier wäre vor allem die Stadt Bielefeld gefordert, aktiv zu werden. FORSCHUNGS- UND TAGUNGSGEBÄUDE Auf dem Campus Nord könnte ein Erweiterungsbau für die Fachhochschule als Forschungs- und Tagungszentrum genutzt werden, mit eigener Gastronomie. Fakt ist: Bedarf besteht schon heute. Die Planung sollte sofort beginnen, die Umsetzung zeitnah. Vorantreiben müsste diesen Prozess die FH, die bei einer Realisierung auch keine weiteren Gebäude im Stadtgebiet mehr anmieten müsste. Weiteren Bedarf für Neubauten für die Forschung sollte auch die Uni in den kommenden zwei Jahren ausloten, so dass in etwa sieben Jahren mit einem eventuellen Bau begonnen werden kann. FH DER ÖFFENTLICHEN VERWALTUNG Die Fachhochschule der öffentlichen Verwaltung mit ihren derzeit etwa 950 Studenten soll auf den Campus ziehen. Derzeit befindet sie sich an der Kurt-Schumacher-Straße auf dem ehemaligen Gelände der FH. Das Ganze sollte bis 2028 passieren. STADTRAUM „CAMPUS / GROSSDORNBERG" Kontrovers diskutiert wurde bereits diese Idee, die Flächen zwischen Campus und Babenhausen entlang der Straße Wittebreite zu erschließen. Tatsächlich soll in den kommenden zwei Jahren geprüft werden, welche Flächen in Frage kämen und was für Bebauungen sinnvoll wären. Ein aufgeführter Schritt bei diesem Prozess, den die Stadt verantworten müsste, ist die Bürgerbeteiligung. HAUS DER 
WISSENSCHAFT Auch diese Idee ist bekannt und diskutiert. Stadtmarketing-Geschäftsführer Martin Knabenreich stuft sie als besonders wichtig ein. Im Gebäude an der Wilhelmstraße, früher Stadtbibliothek, führt diese Einrichtung Stadtgesellschaft und Hochschulen zusammen, so das Ideal. Überhaupt wird empfohlen, die Hochschulen sichtbarer zu machen in der Stadt, durch Kampagnen im Internet, auf Facebook, durch Wissenschafts-Events und eine App. INTERNATIONALE 
SCHULE Die Gründung einer internationalen Schule für die Kinder von ausländischen Wissenschaftlern in Campusnähe soll zumindest bis 2020 geprüft werden. VERBINDUNG VON 
STADTBAHNLINIE 3 UND 4 Entlastung der Stadtbahnlinie 4 – das steckt hinter dieser Handlungsempfehlung. Mit der 4 fahren fast alle Studenten zum Campus. Könnten sie auch über die Linie 3, die derzeit in Babenhausen-Süd endet, zur Uni kommen, wäre dem Abhilfe geschaffen. So etwas braucht Zeit. Bis 2025 ist als „Umsetzungshorizont" angegeben. RADSCHNELLWEG UND RADFAHRNETZ Eine Radfahrerautobahn zwischen Innenstadt und Campus bis 2025, getrennt von Fußgängern und Autofahren – das steckt hinter dieser Empfehlung. Eng verknüpft ist der Vorschlag mit dem Umbau der Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße/Voltmannstraße. Ein Radschnellweg Richtung Schildesche steht ebenso drin, zugleich ein neues Radfahrnetz auf und am Campus.

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