Bus und Bahn statt Auto: Die linke Ratsmehrheit strebt die Verkehrswende an, will den Anteil der Autofahrten zurückdrängen, Stadtbahn, Busse, Rad- und Fußwege dagegen stärken. Nur so ließen sich Schadstoffe senken und Stadträume lebenswerter machen. - © Mike-Dennis Müller
Bus und Bahn statt Auto: Die linke Ratsmehrheit strebt die Verkehrswende an, will den Anteil der Autofahrten zurückdrängen, Stadtbahn, Busse, Rad- und Fußwege dagegen stärken. Nur so ließen sich Schadstoffe senken und Stadträume lebenswerter machen. | © Mike-Dennis Müller

Bielefeld Entscheidung: Verkehrswende in Bielefeld ist beschlossene Sache

Stadtrat: Autoanteil soll bis 2030 halbiert, Umweltverbund aus ÖPNV, Rad- und Fußwegen gestärkt werden. Opposition wehrt sich gegen Einschränkungen bei Erreichbarkeit und Einschnitte in Infrastruktur

Bielefeld. Jetzt ist es beschlossen: Bielefeld strebt an, bis 2030 den Autoanteil am Verkehr zu halbieren und den Umweltverbund aus öffentlichem Nahverkehr, Rad- und Fußwegen auf 75 Prozent hochzuschrauben. Der Stadtrat stimmte mit der Mehrheit aus SPD, Grünen, Bürgernähe, Piraten und Linken der neuen Mobilitätsstrategie zu. Sie formuliert ehrgeizige Ziele für eine Verkehrswende - stößt aber weiter auf heftige Kritik der Opposition. "Das bedeutet, jeder zweite Bielefelder sollte sein Auto stehen lassen", warf Holger Nolte (CDU) der Paprika-Mehrheit vor: "Die Auswirkungen auf Pendler und Wirtschaft sind Ihnen egal." Das Konzept spiegele nicht den Willen der Bielefelder Bevölkerung wider: "Wir stellen uns einen intelligenteren und kooperativeren Umgang vor. Jeder soll selbst entscheiden, welches das beste Verkehrsmittel für ihn ist." 60 Prozent der zurückgelegten Wege in der Stadt seien kürzer als sechs bis sieben Kilometer Nolte wie Bielefelder Mitte und FDP befürchten zu viele Einschränkungen für Autofahrer: "Das wird der Flächengroßstadt und der nötigen Leistungsfähigkeit der Infrastruktur nicht gerecht." In einem Antrag forderte die Opposition ein langfristiges Konzept für ÖPNV, Rad- und Gehwege. Dazu zählten Grüne Welle, Park + Ride, Taktverbesserungen, Parkplätze und Abstellplätze für Fahrräder. Doch der Paprika geht das nicht weit genug. "Die Verkehrszahlen steigen weiter", sagte Hans-Jürgen Franz (SPD): "Die Infrastruktur ist aber begrenzt. Wenn wir nichts tun, wird das zum Stillstand, zu Staus führen und die Erreichbarkeit verschlechtern." Deshalb müssten die Angebote des Umweltverbunds dringend verbessert werden, um den Umstieg zu erleichtern. Franz: "Es geht nicht darum, Autos stillzulegen oder Verbote auszusprechen, sondern das Mobilitätsverhalten durch Angebote und Umdenken zu verändern." 60 Prozent der zurückgelegten Wege in der Stadt seien kürzer als sechs bis sieben Kilometer, betonte Jens Julkowski-Keppler (Grüne): "Die können besser mit Fahrrad oder ÖPNV zurückgelegt werden." Die sechs Leitziele der Verkehrswende würden helfen, Schadstoffe zu reduzieren ohne Fahrverbote, den Klimaschutz ernst zu nehmen und die Attraktivität der Stadt zu erhöhen: "Dazu reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus." Peter Ridder-Wilkens (Linke): "Andere Städte und Länder sind deutlich weiter." Die Leitziele, die der Rat beschlossen hat, sehen eine lebenswertere Gestaltung von Stadt- und Straßenräumen vor, einen vernetzten Umweltverbund, gleichberechtigte Teilhabe aller Verkehrsteilnehmer, die Erreichbarkeit der Stadt, mehr Verkehrssicherheit sowie die Verringerung der Risiken für Gesundheit und Umwelt. Julkowski-Keppler erinnerte auch daran, dass der Rat 2018 festgelegt habe, dass Bielefeld bis 2050 die Kohlendioxid-Emissionen um 80 bis 95 Prozent und den Energieverbrauch des Verkehrs um 40 Prozent reduzieren will: "Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir an den Verkehr ran." Denn er sei der einzige Bereich, der beim Kohlendioxid sogar noch ein Steigerung aufweise.

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