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Wie groß ist die Masturbation Gap zwischen Frauen und Männern? - © Deon Black/Pexels (Symbolfoto)
Wie groß ist die Masturbation Gap zwischen Frauen und Männern? | © Deon Black/Pexels (Symbolfoto)

Lust & Liebe Liebt Euch selbst: Der Wonnemonat Mai ist der Monat der Masturbation

Der Mai gilt als internationaler Masturbationsmonat. Wir erklären, wie es dazu kam, wer als Erfinder gilt und was wir alle tun können, um die Masturbationslücke zwischen Mann und Frau zu schließen.

Christian Lund
08.05.2021 | Stand 09.05.2021, 14:21 Uhr

Am 7. Mai ist das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Sängerin Bebe Rexha erschienen. Mit Hits wie "Hey Mama", "Meant to Be" oder "Say My Name" hat sich die geborene New Yorkerin in den vergangenen Jahren bereits einen Namen gemacht. In ihrem neuen Album singt sie offen über psychische Probleme, darunter das schwierige Verhältnis zu ihrem eigenen Körper.

In einem Interview mit der Agentur "spot on news" sagt sie: "Außerdem habe ich gemerkt, dass viele Menschen Schwierigkeiten damit haben, ihren Körper zu lieben. Das wurde uns nie beigebracht. Wir haben gelernt, wie wir anderen Komplimente machen und ihnen zu sagen, wenn sie gut aussehen. Aber ich habe nie gelernt, diese Dinge mir selbst zu sagen." Und weiter: "Alles, was du machen kannst, ist, an dir selbst zu arbeiten, dich selbst zu lieben und Entscheidungen zu treffen, die für dich am besten sind."

Immer noch mit Scham und Negativität verbunden

Doch fragen wir uns mal selbst: wie "normal" ist es für uns, den eigenen Körper zu lieben? Janina Rüb schreibt bei zeitjung.de, dass die weibliche Masturbation immer noch mit Scham und Negativität verbunden sei, die männliche Masturbation jedoch als normal empfunden werde. Es bestehe also immer noch eine ungleiche Aufteilung zwischen den Geschlechtern. Rüb schreibt: "Es verwundert daher nicht sonderlich, dass Männer häufiger als Frauen masturbieren und Masturbation bei Frauen oftmals ein Tabuthema bleibt."

Dass dem so ist und die sogenannte "Masturbation Gap" weltweit existiert, hat die Sextoy-Marke Womanizer im vergangenen Jahr durch eine Umfrage bestätigt. Um herauszufinden, wie groß die Masturbation Gap tatsächlich ist, wurden 7.000 Menschen aus 14 verschiedenen Ländern befragt. Das Ergebnis: Während Männer durchschnittlich 154 Mal im Jahr masturbieren, machen Frauen es sich nur 49 Mal selbst. Damit liegt die internationale Masturbation Gap bei 68 Prozent.

Männer haben einen stärkeren Sexualtrieb - really?

In Deutschland sehen die Zahlen ähnlich aus: Männer befriedigen sich durchschnittlich 143 Mal im Jahr selbst, Frauen hingegen nur 45 Mal, woraus sich eine deutsche Masturbation Gap von 69 Prozent ergibt. Die weibliche Masturbation ist nach wie vor ein Tabuthema, oft wird Frauen eine geringere Libido unterstellt. Dass Männer öfter masturbieren, wird häufig mit veralteten, stereotypischen oder vermeintlich biologischen Argumenten begründet, etwa dass Männer einen stärkeren Sexualtrieb hätten.

Die Womanizer-Umfrage stellt jedoch klar: Das stimmt so nicht. Die TeilnehmerInnen sollten ihre eigene Libido auf einer Skala von 1 (gering) bis 10 (hoch) einschätzen. Das Ergebnis: Der Unterschied ist wesentlich geringer als die meisten vermuten würden. Männer ordnen sich durchschnittlich bei 6,6 ein, Frauen bei 5,5 (Deutschland: Männer: 6,8; Frauen: 6,0).

"Wir sind überzeugt, dass jeder Mensch ein sexuell erfülltes und selbstbestimmtes Leben verdient hat – unabhängig von Geschlecht, Alter, Sexualität oder Herkunft. Laut Umfrage ist das leider noch nicht für alle, vor allem nicht für Frauen, der Fall", erklärt Johanna Rief, Head of Sexual Empowerment bei Womanizer.

Ein Synonym für "selbstbefriedigen"... lass ma' überlegen

Einen weiteren Hinweis auf die Masturbation Gap gibt Lisa Tracy Michalik im Missy Magazine. Sie schreibt: "Die Liste der Masturbationssynonyme ist lang, und alle Ausdrücke haben neben ihrer Albernheit noch etwas gemein: Sie beziehen sich auf die Masturbation bei Menschen mit Penissen." Die zahlreichen flachen Synonyme, die sogar im Duden-Synonymwörterbuch zu finden sind, bestätigten einmal mehr, dass Selbstbefriedigung für Männer als sehr viel selbstverständlicher gelte und was für Frauen viel stärker mit Scham und Stigma beladen sei.

Frauen haben es - im wahrsten Sinne - selbst in der Hand, den Masturbation Gap zu schließen. Leider hält Scham, soziales Stigma und fehlende Aufklärung immer noch viele Frauen davon ab, ihre eigene Sexualität zu erkunden. Fehlende Aufklärung war auch der Grund für die Etablierung des internationalen Tags der Masturbation. Begründerin ist übrigens Dr. Joycelyn Elders - und nicht etwa Bill Clinton, wie in vielen Publikationen vermeintlich witzelnd erklärt wird.

Ausgerechnet Bill Clinton

Joycelyn Elders war die erste Schwarze Frau auf dem Posten der Gesundheitsministerin und die erste zweite Frau. 1994 wurde sie bei einer öffentlichen Veranstaltung der Vereinten Nationen gefragt, ob es angemessen sei, Masturbation zu fördern, um junge Menschen daran zu hindern, sich auf riskantere Formen sexueller Aktivität einzulassen. Sie antwortete: "Ich denke, dass dies Teil der menschlichen Sexualität ist und vielleicht gelehrt werden sollte." Das sorgte in den USA für große Kontroversen, und US-Präsident Bill Clinton zwang sie im Dezember 1994, von ihren Ämtern zurückzutreten.

Als Reaktion riefen die Gründerinnen des queeren, sexpositiven Sex-Shops "Good Vibrations" (Verkauf von Sexspielzeug, Vibratoren und erotischer Literatur) in San Francisco den 28. Mai 1995 zum internationalen Masturbationstag aus, um das Bewusstsein für Masturbation und sexuelle Gesundheit im ganzen Land zu schärfen. Später wurde daraus ein ganzer Monat.

"Das grundlegendste Element unserer Sexualität"

Carol Queen, eine Mitbegründerin von "Good Vibrations" und dem Masturbationsmonat, wurde 2014 von dem US-amerikanischen Web-Magazin Salon nach ihren besonderen Ratschlägen zur Masturbation gefragt. Sie antwortete: "Gleitmittel! Sammeln Sie alle Dinge um sich, die Sie brauchen, ob Spielzeug oder Pornos oder eine Wasserflasche und Snacks, und machen Sie es sich einen bequemen Ort gemütlich, an dem Sie wahrscheinlich nicht unterbrochen werden. Und dann legen Sie los - oder erkunden Sie es, wenn Sie nicht wirklich an Selbstvergnügen gewöhnt sind - und denken Sie daran, dass auf der ganzen Welt viele andere Menschen auch Solo-Sex betreiben, vielleicht das grundlegendste Element unserer Sexualität. Nehmen Sie sich Zeit und versuchen Sie, die Erfahrung zu einer Erfahrung zu machen, die Ihr Vergnügen und Ihre Selbstbefriedigung selbst ehrt."

Laut Studien baut Selbstbefriedigung nicht nur Stress ab, sondern sie hilft auch bei Schlafproblemen, macht selbstbewusster und verringert sogar das Diabetes-Risiko. Mal abgesehen von den gesundheitlichen Vorteilen kann der Solo-Sex auch das Liebesleben aufpeppen: Durch das Masturbieren lernt man sich und die erogenen Zonen viel besser kennen – und man kann den Partnern leichter zeigen, was antörnt.

Für Refinery 29 haben Autorin Haley MacMillen und Psychotherapeutin Vanessa Marin eine Masturbations-Anleitung in Bildern erstellt, die wirklich detailliert zeigt, wie Frauen es sich am besten selbst machen können. Die Autorin habe es frustriert, dass – obwohl Selbstbefriedigung schon lange nicht mehr als "böse" gelte – es keine genauen Anleitung für den Spaß mit sich selbst gebe.

Wir wollen vor allem die Frauen, aber auch die Männer dazu auffordern, den Wonnemonat Mai zu nutzen und sich mit ihrem Körper und ihrer Sexualität zu beschäftigen. Nur so können wir es schaffen, die Masturbation Gap zu verkleinern und die Selbstbefriedigung zu entstigmatisieren. Und, um noch mal Lisa Tracy Michalik zu zitieren: damit es endlich socially acceptable wird zu sagen: "Sorry für die Verspätung, ich habe noch masturbiert."

Information

Mehr externe Linktipps:

Die Cosmopolitan gibt 3 Tipps für genussvollere Orgasmen und die Mindful Masturbation. Raissa Maas empfiehlt derweil in ihrer Kolumne, sich mehr Zeit für Orgasmen zu nehmen. Paula Lambert ("Paula kommt") erklärt, warum Pornos für ergebnisorientierte Menschen das richtige Hilfsmittel sind. Der Sexshop "Amorelie" gibt bei YouTube jeweils fünf Tipps für das Solo von Frauen und Männern. Und das Kunstprojekt "Hysterical Literature" des US-amerikanischen Fotografen Clayton Cubitt zeigt in acht Video-Sequenzen, wie Frauen aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen, während sie, unsichtbar für den Zuschauer, sexuell stimuliert werden.
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