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Vater J.R. Storment (v. l.), Sohn Oliver, Mutter Jessica und Wiley. Unter dem Bild schreibt Storment, er habe es bei Wileys erstem Konzert wenige Wochen zuvor aufgenommen. - © J.R. Storment
Vater J.R. Storment (v. l.), Sohn Oliver, Mutter Jessica und Wiley. Unter dem Bild schreibt Storment, er habe es bei Wileys erstem Konzert wenige Wochen zuvor aufgenommen. | © J.R. Storment

Nach Tod seines Sohnes Workaholic appelliert an andere Eltern: "Arbeitet nicht so lang!"

Kristina Grube
12.09.2019 | Stand 12.09.2019, 20:32 Uhr

Portland. Als J.R. Storment die für Eltern wohl schrecklichste Nachricht erhielt, war der Unternehmensgründer - wie die meiste Zeit der vergangenen acht Jahre - bei der Arbeit. Auf seinen Fleiß war er bis zu diesem Tag stolz. Nur wenige Minuten vorher habe er in einer Konferenz noch geprahlt, dass er in den vergangenen acht Jahren nie länger als eine Woche am Stück Urlaub genommen habe. Dann klingelte sein Telefon. "J.R., Wiley ist tot", habe seine Frau Jessica ihn unmittelbar und kühl über den plötzlichen Tod ihres achtjährigen Sohnes informiert. Dieses Ereignis veränderte sein Leben mit einem Schlag, seine Einstellung zur Arbeit ebenfalls. Heute bereue er es, nicht mehr Zeit mit Wiley und der Familie verbracht zu haben. In einem Essay für das Karriere-Portal "LinkedIn" richtet Storment sein Wort an alle Eltern: "Umarmt eure Kinder und arbeitet nicht zu lange." Der Sohn starb unerwartet im Schlaf Eine Devise, nach der er viel zu lange selbst nicht gelebt hatte. Um sein Startup-Unternehmen Cloudability zum Erfolg zu führen, stellte er die Arbeit an erste Stelle. Sie hatte noch vor der Familie erste Priorität. "Es ist später als du denkst", lautet darum auch der Titel seines berührenden Textes, sprich: die verlorene Zeit mit den eigenen Kindern kann nicht zurückgebracht werden. Und im Falle von seinem Sohn Wiley auch nicht mehr nachgeholt werden. Sein Sohn hatte eine leichte Form von Epilepsie und starb unerwartet im Schlaf. Den Tag zuvor hatte der Vater eine Auseinandersetzung mit Wiley, bei der der Sohn sogar zu weinen begann. Dies sei eine der letzten Wortwechsel mit seinem Sohn gewesen, seine strenge Ansage würde er im Nachhinein bitter bereuen. "Ich kann noch immer seine Tränen sein Gesicht herunterrollen sehen", schreibt Storment. Sein Sohn habe protestiert: "Aber du hörst mir nicht zu. Niemand hört mir zu." Schöne Erlebnisse, große Versäumnisse Danach folgten aber auch schöne Erinnerungen. Die Familie bestellte ihr Lieblingsessen, vor dem Zubettbringen habe er ein süßes Gespräch mit ihm geführt, in dem sich der Vater für den Streit entschuldigte und seinen Sohn noch einmal innig umarmte. Am darauffolgenden Tag habe er das Haus früh verlassen, ohne noch einmal nach Söhnen zu sehen. Auch dieses Versäumnis bereue Storment zutiefst. Alles, was ihn damals umtrieb, scheine ihm heute unwichtig. Damit anderen Eltern nicht derselbe Fehler wie ihm unterläuft, will er sie in seinem Text warnen. "Wenn ich aus dieser Sache etwas lernen kann, dann, dass ich mich und andere daran erinnere, nicht die Dinge zu verpassen, die wirklich wichtig sind", schreibt Storment. Nicht noch einmal denselben Fehler Der Unternehmer lasse seine Arbeit derzeit ruhen. Er wisse nicht, wann und in welcher Art er sie wieder aufnehmen werde - er beschäftige sich dabei vor allem mit der Frage, wie er es schaffen könne, nicht noch einmal in das alte Arbeitsmuster zu verfallen. Zuliebe seines zweiten Sohnes Oliver, dem Zwillingsbruder von Wiley.

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