In der Kunstsammlung von Dr. Oetker befindet sich mögliche NS-Raubkunst. - © Sarah Jonek (Symbolfoto, Archiv)
In der Kunstsammlung von Dr. Oetker befindet sich mögliche NS-Raubkunst. | © Sarah Jonek (Symbolfoto, Archiv)

Bielefeld Vier Werke in Oetkers Sammlung womöglich Raubkunst

Rückgabe eines Spitzweg-Bildes 2006 verweigert

Stefan Brams

Bielefeld. Dr. Oetker hat in seiner Kunstsammlung vier Werke als mögliche NS-Raubkunst ermittelt und Kontakt mit Nachkommen der ehemaligen Besitzer aufgenommen. Darunter soll nach Informationen der Neuen Westfälischen auch das Bild „Der Hexenmeister" von Carl Spitzweg sein. 2006 hatte seine Erben noch vergeblich versucht, das Werk zurückzuerhalten. Die Kunstsammlung gehe davon aus, dass „in den kommenden Wochen einvernehmliche Lösungen mit den Erben der vier Werke vereinbart werden können", teilte das Unternehmen mit. Die Recherchen einer unabhängigen Provenienzforscherin werden noch bis Ende 2017 dauern, so Unternehmenssprecher Jörg Schillinger. Sollten Kunstwerke identifiziert werden, die von den Nazis geraubt oder von ihren rechtmäßigen Besitzern zwischen 1933 und 1945 unter Zwang verkauft werden mussten, werde sich die Kunstsammlung mit den Erben der Besitzer in Verbindung setzen. Angestrebt werden „faire Übereinkünfte" entsprechend den Washingtoner Prinzipien. Das könne etwa die Rückgabe eines Kunstwerkes oder eine finanzielle Entschädigung sein. Geheimnisvolle Kunstsammlung Wie viele Werke die Oetker-Kunstsammlung umfasst, ist nicht bekannt. Das Haus macht ein großes Geheimnis darum. Annähernd tausend Gemälde soll sie allein umfassen. Dazu Porzellan und Silber. Rudolf-August Oetker hat die Sammlung seit den 50er Jahren zusammengetragen. 2003 wurden unter dem Titel „Sammlerlust" erstmals 250 Werke aus der Sammlung gezeigt, ohne den Namen Oetkers zu nennen. Lediglich von einem Privatsammler war damals die Rede. Gezeigt wurde die Schau nicht etwa in der Heimatstadt des Konzerns, Bielefeld, sondern im Landesmuseum Münster. Werke von Cranach, Rubens, van Ruisdael, Canaletto, Caspar David Friedrich, Waldmüller und Corinth waren zu sehen. Zudem Bilder der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts wie Max Beckmanns „Tulpenstillleben" und die „Russische Tänzerin" von Ernst Ludwig Kirchner. Letztere Bilder hatte Rudolf-August Oetker 1998 neben weiteren Dauerleihgaben von der Kunsthalle Bielefeld zurückgefordert. Vorausgegangen war eine Entscheidung des Rats der Stadt Bielefeld, die seit Eröffnung der Kunsthalle umstrittene Bezeichnung „Richard-Kaselowsky-Haus" endgültig zu streichen. Museumsstifter Rudolf-August Oetker hatte die Kunsthalle 1968 nach seinem im „Dritten Reich" verstrickten Stiefvater benannt. 2009 wurde dann erstmals bekannt, dass sich in der Sammlung offenbar auch ein Bild befand, das der NS-Raukunst zuzurechnen ist. Der Jude Leo Bendel, der vor den Nazis fliehen musste, hat 1937 mehrere seiner Werke, darunter „Der Hexenmeister" von Carl Spitzweg verkauft, um seine Ausreise finanzieren zu können. Karoline Oetker, die Ehefrau des Firmengründers, hat es am 12. August 1937 für 28.000 Reichsmark erworben gehabt. Seitdem verblieb das Bild im Eigentum der Sammlung Oetkers. Die Berliner Historikerin Monika Tatzkow hat in ihrem Buch „Verlorene Bilder, verlorene Leben" aufgedeckt, dass sich die Erben Leo Bendels im Juni 2006 an die „Kunstsammlung Rudolf-August Oetker GmbH" gewandt und angeregt hatten, eine „faire und gerechte" Lösung für das Gemälde von Spitzweg zu diskutieren. Sie hätten sich dabei auf die Berliner Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts vom Dezember 1999 bezogen. Den Erben sei jedoch damals mit vornehmer Zurückhaltung mitgeteilt worden, dass die Kunstsammlung GmbH diese Anregung nicht aufgreifen möchte. Nun scheint das Bild (entstanden um 1875) nach Informationen dieser Zeitung unter den vier NS-Raubkunstwerken zu sein, die die Kunstsammlung Oetker nun an die Erben zurückgeben will. Die Gespräche laufen.

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