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2018 demonstrierten Avaaz-Aktivisten vor dem britischen Parlament dafür, Facebook sicher gegen Manipulation zu machen. Die Organisation ist umstritten.  - © picture alliance / ZUMAPRESS.com
2018 demonstrierten Avaaz-Aktivisten vor dem britischen Parlament dafür, Facebook sicher gegen Manipulation zu machen. Die Organisation ist umstritten.  | © picture alliance / ZUMAPRESS.com

Avaaz-Studie Facebook sperrt Fake-Seiten mit AfD-Werbung vor Europawahl

Die umstrittene niederländische Organisation Avaaz hat hunderte Konten identifiziert, die Falschmeldungen verbreiten. Entgegen Beteuerungen von Facebook waren diese auch aus dem Ausland für Zielgruppen in Deutschland programmierbar

Björn Vahle
22.05.2019 | Stand 22.05.2019, 14:42 Uhr

Paris. Facebook hat nach Angaben von Online-Aktivisten aus den USA mehrere Seiten und Profile mit Fake News gesperrt, die vor der Europawahl Werbung für die AfD machten. Das Kampagnen-Netzwerk Avaaz erklärte, es handele sich um "gefälschte Accounts und Seiten", die dazu gedient hätten, die Reichweite der AfD zu erhöhen und "Desinformationen auf Facebook zu verbreiten". Avaaz veröffentlichte eine Studie zu "rechtsextremen Netzwerken der Täuschung", die in den Monaten vor der Europawahl gezielt Fake News verbreitet hätten. In Deutschland beanstandeten die Online-Aktivisten demnach mehr als 131 missbräuchliche Profile und Seiten, von denen acht von Facebook gesperrt worden seien. "Wir haben einen AfD-Politiker entdeckt, der offenbar falsche Profile führte, um die Botschaft der AfD aufzublasen", heißt es in der Avaaz-Studie. Rechtspopulisten legen Umfragen zufolge vor der Europawahl aktuell an Zustimmung zu. Zudem seien illegale Inhalte aufgetaucht, "darunter Hakenkreuze und Posts, in denen Holocaust-Leugner unterstützt werden". Insgesamt hat Avaaz im Zug der Kampagne nach eigenen Angaben mehr als 500 Facebook-Seiten, -profile oder -gruppen in der EU beanstandet. Davon habe Facebook 77 gesperrt, hieß es. Diese gesperrten Gruppen und Seiten hätten insgesamt 5,9 Millionen Abonnenten gehabt. Das seien drei Mal so viele wie die größten rechtsextremen oder EU-feindlichen Parteien in Europa zusammen hätten. Avaaz lobte zwar die schnelle Reaktion Facebooks, das die Netzwerke und Seiten umgehend geschlossen hätte. Das reiche aber nicht. Facebook müsse "sicherstellen, dass jeder, der diese Desinformation gesehen hat, unverzüglich eine Richtigstellung erhält, und verhindern, dass seine Algorithmen dieses Gift aktiv verbreiten", heißt es in der Mitteilung der Organisation. Die Mehrheit der Deutschen befürchtet laut einer Studie von Pricewaterhouse Cooper bereits, dass die Europawahl durch Falschinformation beeinflusst wird. Digitalcourage: Wahlbeeinflussung aus dem Ausland möglich Die Bielefelder Datenschützer von Digitalcourage veröffentlichten außerdem einen Bericht ihrer ebenfalls niederländischen Partnerorganisation Bits of Freedom, der es gelungen sei, mit einem ausländischen Profil auf Facebook gezielt Wahlwerbung für ein Zielpublikum in Deutschland zu schalten. Der PR-Chef von Facebook in den Niederlanden, Edo Haveman, hatte vor dem niederländischen Parlament gesagt, diese Möglichkeit politischer Werbung habe Facebook in 27 Ländern der EU unterbunden. "An diesem Punkt sind die Parlamentarier belogen worden", sagte Evelyn Austin von Bits of Freedom. Die Organisation erklärt in einem Video, wie die Werbung aus den Niederlanden für Bielefeld geschaltet und wie mit ihr interagiert wurde. Sie soll 2.000 Menschen erreicht haben. Facebook reagierte in niederländischen Medien: "Wir haben es mit intelligenten, kreativen und gut finanzierten Gegnern zu tun, die ihre Taktik ändern, sobald wir Missbrauch entdecken". Digitalcourage fordert Konsequenzen, Facebook sei "keine vertrauenswürdige Plattform für den demokratischen Diskurs", heißt es in einer Mitteilung. Deshalb sollten Kommunen, Behörden und öffentlich-rechtliche Medien nicht auf Facebook präsent sein. Auch dürften keine öffentlichen Gelder an Facebook fließen. Am Morgen vor Veröffentlichung der Studie hatte EU-Justizkommissarin Vera Jourová die Gefahr von Wahlmanipulation durch großangelegte Fake-News-Kampagnen als "nicht gebannt" bezeichnet. "Die Tatsache, dass wir zu diesem Zeitpunkt nichts von einem großen Desinformations-Angriff wissen, heißt nicht, dass es ihn nicht gibt." BSI-Chef Arne Schönbohm hatte tags zuvor gesagt, große Cyber-Attacken habe es bisher nicht gegeben. Avaaz ist ein Netzwerk aus den USA, das nach eigenen Angaben mehr als 50 Millionen Mitglieder weltweit hat. Wegen der Zielrichtung seiner politischen Kampagnen und Online-Petitionen ist es umstritten. Mit Material von AFP und dpa.

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