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Die Zensurmaschine kommt: Peter Smits bei der #Saveyourinternet-Challange - © Screenshot Youtube
Die Zensurmaschine kommt: Peter Smits bei der #Saveyourinternet-Challange | © Screenshot Youtube

#Merkelfilter Youtuber: Wie sich PietSmiet, RobBubble und Co. gegen Artikel 13 wehren

Urheberrecht: Im Netz machen die Youtuber Stimmung gegen Uploadfilter und bringen Jugendliche dazu, sich an Demokratie zu beteiligen

Carina Schmihing
23.02.2019 | Stand 23.02.2019, 19:36 Uhr

"Wir müssen aus unserer Komfortzone herauskommen", sagt Peter Smits. In gut einem Monat steht die große Demo gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsrichtlinie an. Etliche Youtuber debattieren dazu aktuell auf Twitter mit Politikern und ihren zahlreichen Followern. Seit der französisch-deutsche Kompromiss zum Uploadfilter bekannt geworden sei, herrsche in seiner Community "richtig Stimmung". Smits ist einer der bekanntesten Let's Player Deutschlands. Gemeinsam mit Dennis Brammen, Christian Stachelhaus, Jonathan Apelt und Sebastian Lenßen bildet er das Team PietSmiet und betreibt den gleichnamigen Youtube-Kanal. Weit über 20.000 Videos haben die jungen Männer bereits auf der Videoplattform veröffentlicht. In vielen dieser Videos kann man ihnen dabei zuschauen, wie sie Computerspiele spielen. Mehr als zwei Millionen Menschen verfolgen den Kanal. Seit Monaten äußert sich besonders Smits immer häufiger auch politisch. Vor rund einem Jahr ging es um das Thema Rundfunklizenz. Heute diskutiert er mehrmals täglich auf Twitter über die Urheberrechtsrichtlinie und Uploadfilter. "Wenn Jugendliche über dieses trockene Thema sprechen, muss es wichtig sein" Die EU-Urheberrechtsrichtlinie hat direkte Auswirkungen auf die Arbeit der Youtuber und viel mehr noch - auf die Plattform, auf der sie ihre Werke hochladen. Besonders Artikel 13 steht in der Kritik. In diesem Artikel geht es um die Haftung von Content-Plattformen bei Urheberrechtsverstößen. Zwar taucht der Begriff "Uploadfilter" im aktuellen Richtlinienentwurf nicht auf, doch die vagen Vorgaben verpflichten Betreiber wie Youtube, Instagram und Co. faktisch dazu, jedes hochgeladene Video automatisch zu scannen. Der Artikel bedroht das Geschäftsmodell von Youtube - und damit auch die Arbeit von Peter Smits. Ende Oktober wandte sich Youtube-Chefin Susan Wojcicki mit einem Appell an Video-Ersteller in Europa. In ihrem offenen Brief rief sie die Kreativen dazu auf, sich gegen die EU-Richtlinie stark zu machen. Etliche Video-Ersteller sind ihrer Bitte gefolgt und haben Videos erstellt, in denen sie über das Ende des Internets spekuliert haben. "Wenn man darüber nachdenkt, dass sich junge Menschen zu einem so trockenen Thema wie Urheberrecht äußern, dann zeigt das doch, wie wichtig das Thema ist", sagt Robin Blase. Auch Blase ist Youtuber und macht sich gegen den drohenden Uploadfilter stark. Auf seinem Kanal RobBubble geht es um Politik, Journalismus und Debatten, über die die Gesellschaft spricht. Lobbyarbeit von Youtube wurde zum Bärendienst Lange vor dem Brief der Youtube-Chefin, nämlich vor acht Monaten, hat Smits das erste Mal Stellung zu Artikel 13 bezogen und seinen Abonnenten den Umfang und die möglichen Auswirkungen des Gesetzes erklärt. Seinerzeit hat er seinen Ansprechpartnern beim Videoportal geraten, sich gegen die Richtlinie stark zu machen. Die haben das Thema entweder nicht auf dem Schirm gehabt oder wollten es bewusst zurückhalten "um der Gegenpartei keine Munition zu liefern". Auch Blase, der mit "Lästerschwestern" einen der erfolgreichsten Podcasts in Deutschland betreibt, hat sich bereits einige Wochen vor dem Aufruf dem Thema gewidmet und den SPD-Europaabgeordneten Tiemo Wölken zur Diskussion eingeladen. Dass der Konzern erst später und dann eher übereilt Lobbyarbeit betrieb, erweise den beiden Männern und ihrem Vorhaben einen Bärendienst. "Viele der Kids waren einfach uninformiert. Die Infos einiger Youtuber waren hanebüchen und sie sind nicht differenziert an die Sache herangegangen", sagt Blase. Das sei jedoch von Kanälen, auf denen es hauptsächlich um Unterhaltung ginge, nicht zu erwarten gewesen. "Das Internet wird gelöscht", lautete der Titel einiger Videos. "Das war zu überspitzt", sagt der 27-Jährige. Das sieht Smits ähnlich: "Viele Kollegen haben diesen Brief genommen und Drama darüber gestreut." Die Communities entdecken "Tools der Demokratie" Nun wirke es auf die Politiker, mit denen sie auf Twitter debattieren, als hätten sie sich vom Konzern instrumentalisieren lassen. "Viele Politiker nutzen das Argument aber als Ausrede, um sich dem Thema nicht zu stellen", sagt Blase. Robin Blase war dabei, als die Petition mit 4,7 Millionen Unterschriften an Justizministerin Katarina Barley (SPD) übergeben wurde. "Das können nicht alles Bots gewesen sein, die unterzeichnet haben", sagt Blase. Er findet es toll, dass junge Menschen die "Tools der Demokratie" für sich entdecken: Petitionen unterzeichnen, den Kontakt zu Abgeordneten suchen, auf Demonstrationen gehen. Am 23. März sind europaweit Demonstrationen gegen Uploadfilter geplant. Peter Smits hält es für das richtige Mittel, um sich gegen Artikel 13 stark zu machen. "Die Politiker, die wir über Twitter erreichen, kennen sich mit dem Internet in der Regel aus und haben die Gefahr verstanden. Auf die anderen müssen wir zugehen", sagt der Let's Player. Er sucht bewusst das Gespräch mit Politikern. Sorge, dass Engagement in Frustration umschlägt Und viele seiner jungen Follower und Kollegen tun es ihm gleich. Zurück kommen manchmal Tweets, in denen die EU-Kommission die Artikel 13-Gegner als "Mob" bezeichnen. CDU-Europapolitiker Sven Schulze bezeichnet die jungen Bürger, die sich an ihn wenden hingegen als "Bots" und glaubt, dass die vielen Nachrichten Fakes von Google sind. Jetzt kommen wieder sekündlich Mails zum Thema #uploadfilter & #Artikel13 rein. Mal ganz davon abgesehen, dass diese inhaltlich nicht richtig sind, stammen ALLE von #Gmail Konten.🤔 Mensch #google, ich weiß doch das ihr sauer seid, aber habt ihr diese #fake Aktion wirklich nötig? — Sven Schulze (@schulzeeuropa) 15. Februar 2019 Wenn die EU-Kommission nicht feststellen kann, wer der Urheber ihres eigenen Blogposts ist, der #Artikel13-Gegner als Mob bezeichnet – aber von Plattformen verlangt, die Urheber aller User-Uploads zu kennen: Dann ist es Zeit für eine laute #Artikel13Demohttps://t.co/mQEwo2UPB8 — Julia Reda (@Senficon) 21. Februar 2019 Wenn die Politiker die Debatte auf diese Weise führten, "schlägt das schnell in Frustration um", sagt Tiemo Wölken. Wölken ist selbst auf Youtube aktiv, monetarisiert seine Videos jedoch nicht. Der Europaabgeordnete hat den Eindruck, dass sich die jungen Menschen erstaunlich gut informiert hätten. Das, was da im Trilog-Verfahren passiert sei, sei für viele Jugendliche jedoch nicht nachvollziehbar. "Da entscheiden Menschen über ihren Lebensmittelpunkt, die noch nie auf Plattformen wie Twitch oder Youtube unterwegs waren", sagt Wölken.

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