Lara Croft kämpft diesmal im Dschungel gegen die Finsterlinge von "Trinity". - © Crystal Dynamics/Square Enix
Lara Croft kämpft diesmal im Dschungel gegen die Finsterlinge von "Trinity". | © Crystal Dynamics/Square Enix

Games "Shadow of the Tomb Raider" im Test: Das Beste kommt zum Schluss

Wer das Ende der Trilogie um Lara Croft gespielt hat, der will eigentlich nicht, dass es das Ende ist

Björn Vahle

Erst war sie heulsusige Schiffbrüchige, dann taffe Abenteurerin - doch die Lara Croft die wir im neuesten Serienteil treffen, ist uns mit Abstand die Liebste. Im Dschungel von Peru ist sie getriebener, aber auch verletzlicher als in allen Abenteuern zuvor. Ist "Shadow of the Tomb Raider" also der erhofft würdige Abschluss der Reboot-Trilogie? Lara hat, seit man ihr vor fünf Jahren einen Neustart spendierte, einiges hinter sich. Zunächst musste sie sich in "Tomb Raider" auf einer mysteriösen Insel der untoten Königin Himiko und ihrer Sturmwache erwehren, fand dabei erste Hinweise auf den Geheimbund "Trinity", dem sie in "Rise of the Tomb Raider" (hier geht's zum Test) nachjagte, nur um in den machthungrigen Artefaktsammlern die Mörder ihres Vaters zu finden. Zu Beginn von "Shadow of the Tomb Raider" hat sie, von Rachedurst getrieben, bereits etliche Zellen von "Trinity" ausgehoben und sucht nun nach dem Anführer. In Mexiko begegnet sie ihm, will ihm ein Artefakt, das beide suchen, nicht überlassen und nimmt es an sich. Macht ja nichts, das dadurch die Apokalypse ausgelöst wird. Schönen Dank auch, Frau Croft. Lara, die Besessene Das klingt etwas arg dick aufgetragen, und so erleben wir den Anfang auch. Denn die Bedrohung - mehrere Naturkatastrophen sollen die Menschheit vernichten - verzieht sich erst einmal, sobald wir den Prolog hinter uns gelassen haben. Dafür rücken Lara und ihre Beweggründe in den Fokus - und das tut dem Spiel und der deutlich düstereren Story richtig gut. Lara hat der Kampf gegen Trinity offenbar zur Besessenen gemacht. Sie hat nur ihr Ziel vor Augen, geht buchstäblich über (vor allem unschuldige) Leichen. Kumpel Jonah, der sie begleitet, muss sie immer wieder daran erinnern, dass Rache für ihren ermordeten Vater nicht ihr einziges Motiv sein sollte. Für diesen Konflikt nimmt sich das Spiel reichlich Zeit und das ist gut so. Wir dürfen sogar den Tag erleben, als Laras Vater ermordet wird - samt vorheriger Erkundungstour durch das Anwesen der Crofts und anrührender Erinnerungen an Laras bereits zuvor gestorbene Mutter. So wird nachvollziehbar, woher die Verbitterung unserer Heldin rührt. Das Spielgefühl gleicht den Vorgängern - zum Glück Und was machen wir nun die ganze Zeit? Nun, das was wir in den vergangenen Serienteilen auch getan haben. Lara erkundet den Dschungel nach Artefakten, Überbleibseln verlorener Zivilisationen und allerlei Sammelbarem, erlegt Tiere, craftet Rüstung, verbessert Waffen, kämpft mit finsteren Widersachern - wahlweise heimlich oder im offenen Schusswechsel - und darf wie im Vorgänger herrlich weitläufigen "Tombs" ihre Geheimnisse entreißen. Obendrauf gibt's neuerdings spannende Unterwasserpassagen - und ein paar neue Schleichmechaniken (Lara kann sich mit Matsch einschmieren oder sich in dichtem Wandbewuchs verstecken). Das Spiel wird also sanft erweitert. Und das Gesamtpaket macht auch diesmal viel Spaß, weil das Konzept bereits im ersten Teil praktisch perfekt funktionierte. Was früher ein reines Action-Abenteuer war, bekommt diesmal sogar einen Touch Rollenspiel mit. Die Entwickler von Crystal Dynamics haben Lara erstmals einen Talentbaum spendiert, der diesen Namen auch verdient. Darin dürfen wir unsere Such-, Kampf- und Abenteurer-Fähigkeiten nach und nach ausbauen. Uns hat die heimliche Herangehensweise mehr Spaß gemacht als jeden Gegner plump über den Haufen zu schießen. Wirklich schlau: Wir dürfen den Schwierigkeitsgrad sehr individuell anpassen, Kämpfe, Rätsel und Hilfen in der Umgebung separat schwer oder leichter stellen. Eine super Idee, die gern Schule machen darf. Glaubwürdiger Dschungel mit Hardware-Hunger Grafisch ist das Spiel ein Hochgenuss, einen entsprechend potenten Rechner, den wir im Test zur Verfügung hatten, vorausgesetzt. Der Dschungel ist so glaubwürdig entworfen, dass man ständig meint, man könnte ihn noch weiter erkunden, auch wenn die Levelgrenzen längst erreicht sind. Die Animationen, insbesondere der Charaktere, gehören mit zum schönsten, was man heute in Spielen zu sehen bekommt. Die Soundkulisse gibt sich ähnlich dicht. Mit Kopfhörern meint man regelmäßig, den Urwald atmen zu hören. Dafür hat das Spiel mit Performance-Schwierigkeiten zu kämpfen. Selbst, wenn es sonst duchgehend flüssig läuft, kommt es - zumindest auf dem PC - immer wieder zu unerklärlichen Rucklern. Da muss Crystal Dynamics nochmal ran. Fazit: Doch das ist Kritik auf geradezu albern hohem Niveau. "Shadow of the Tomb Raider" ist in jeder Hinsicht ein herausragend durchkomponiertes Erlebnis. Zwar haben wir ehrlicherweise das Ende der Story noch nicht gesehen - doch wir können nur hoffen, dass es nicht das letzte Mal war, dass wir mit Lara in ein Abenteuer aufgebrochen sind.

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