Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts) hat die Band "Feine Sahne Fischfilet" (links) kritisiert.  - © picture alliance/Bernd von Jutrczenka/Sebastian Kahnert/dpa,
Annegret Kramp-Karrenbauer (rechts) hat die Band "Feine Sahne Fischfilet" (links) kritisiert.  | © picture alliance/Bernd von Jutrczenka/Sebastian Kahnert/dpa,

Netzwelt Kramp-Karrenbauer war schon selbst auf einem Festival mit "Feine Sahne Fischfilet"

Die CDU-Generalsekretärin hatte sich kritisch über die Rostocker Rockband geäußert. Nun stellt sich heraus: In der Vergangenheit hatte sie damit offenbar kein Problem.

Matthias Schwarzer

Chemnitz. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilt auf Facebook das "Wir sind mehr"-Konzert in Chemnitz - und Annegret Kramp-Karrenbauer findet das "sehr kritisch". Der Grund: Bei dem Konzert gegen Rechts trat am Montagabend auch die Band "Feine Sahne Fischfilet" auf. Die CDU-Generalsekretärin wirft der Band linksextremes Gedankengut vor und ergänzt: "Ich kenne Amtsvorgänger Steinmeiers, bei denen ich sicher bin, dass sie das so unkritisch nicht unterstützt hätten". Nun stellt sich heraus: Kramp-Karrenbauer war schon selbst auf einem Festival mit der Band "Feine Sahne Fischfilet". Und im August 2016 fand sie das - ganz unkritisch: "Einfach nur wow". SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil teilte in der Nacht zum Dienstag einen Facebook-Eintrag der CDU-Spitzenfrau in den sozialen Netzwerken. Darauf zu sehen: Annegret Kramp-Karrenbauer, wie sie sich über das "Rocco del Schlacko Festival" im Saarland freut. "18 Jahre Rocco del Schlacko Festival. Einfach nur wow!", schrieb die Politikerin und zeigte ein Video des Konzerts. Finde gut, dass @_A_K_K_ auch gerne auf Festivals geht. Bei dem Rocco del Schlacko 2016 haben übrigens auch Feine Sahne Fischfilet gespielt. „Einfach nur wow!" pic.twitter.com/XeJjzclq48 — Lars Klingbeil 🇪🇺 (@larsklingbeil) 3. September 2018 Interessant: Auf dem Festival spielte an besagtem Tag neben "Jennifer Rostock" und den "Fantastischen Vier" auch die Band "Feine Sahne Fischfilet". Kramp-Karrenbauer sagte der Süddeutschen Zeitung zu ihrem Facebook-Eintrag von 2016, das „Rocco del Schlacko" sei ein Rockfestival in ihrer Heimatstadt, das sie seit vielen Jahren unabhängig von ihren politischen Funktionen als Privatperson besuche. Ihr Facebook-Eintrag von damals zeige „ihre Reaktion auf die im Bild abgebildete Atmosphäre an diesem Abend". Den Auftritt von Feine Sahne Fischfilet am Nachmittag dieses Tages habe sie nicht verfolgt, weil sie „Texte, wie die zitierten von Feine Sahne Fischfilet kritisch sah und sehe". Denn die Texte brächten „eine klare Verachtung von staatlichen Institutionen zum Ausdruck". Deutliche Kritik an Kamp-Karrenbauer Auf Twitter sorgte der Fall dennoch für jede Menge Erheiterung: "Ich fühle mich nicht mehr sicher, wenn die Generalsekretärin einer Regierungspartei mich zum Linksextremismus drängt", schreibt beispielsweise @HatinJuce ironisch. Das Statement von Kramp-Karrenbauer war schon am Tag zuvor heftig auf Twitter kritisiert worden. "Tausende Nazis, die Gewalt und Mord für eine legitime Form der Auseinandersetzung sehen. Könnte man ja problematisch finden. Oder man analysiert das Zeitgeschehen so messerscharf wie Kamp-Karrenbauer: Und erklärt eine sechsköpfige Punkband zum Problem", hatte beispielsweise der Satiriker Nico Semsrott geschrieben. Die Band aus Rostock war zeitweise vom Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet worden. Hintergrund waren Textzeilen der Gruppe, in denen es unter anderem um Gewalt gegen die Polizei ging. Am Montag waren auch die teilnehmenden Musiker des "Wir sind mehr"-Konzerts auf die Kritik eingegangen. Die Band sei keineswegs linksradikal, so "Tote Hosen"-Sänger Campino in einem Interview. Die Überwachung des Sängers Monchi durch den Verfassungsschutz bezeichnete er als "Zeitverschwendung". "Wenn Menschen wie Monchi vom Verfassungsschutz beobachtet werden, gehört die Behörde abgeschafft", so Campino.

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