Nicht mehr Geschäftsführer der Alm KG: Gerrit Meinke. - © Christian Weische
Nicht mehr Geschäftsführer der Alm KG: Gerrit Meinke. | © Christian Weische

Arminia Bielefeld Arminia wirft Geschäftsführer raus - wie geht es mit der ALM KG weiter?

Bereits am 19. Dezember ist Gerrit Meinke entlassen worden. Präsident Laufer betont, die Entscheidung habe nichts mit der Finanzlage zu tun. Großsponsoren erörtern Hilfspaket. Rettungsschirm ist geplant

Jörg Fritz

Bielefeld. Mit diesem vorweihnachtlichen Geschenk hatte Gerrit Meinke wahrlich nicht gerechnet. Der Geschäftsführer der 2011 gegründeten Arminia Bielefeld Arena- und Liegenschafs-Management Verwaltungs KG (ALM) erhielt vom Aufsichtsrat bereits am 19. Dezember 2017 die Nachricht, als Funktionsträger bei der ALM GmbH & Co. KG abberufen worden zu sein. Eine Eintragung ins Handelsregister beim Amtsgericht Bielefeld dokumentierte diese Entscheidung und machte sie amtlich. Dass dieser Beschluss nicht umgehend den Mitgliedern und der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde, lässt Transparenz vermissen und viele Fragen aufkommen, die die Entscheidungsträger bis heute noch nicht zufriedenstellend beantwortet haben. Erst am Donnerstagmittag (28.12.) veröffentlichte die Presseabteilung eine dürre Mitteilung über den Fall Meinke auf der DSC-Homepage. Kein Kommentar von Meinke Der 50 Jahre alte Meinke wurde im August 2013 als Geschäftsführer der Stadiongesellschaft eingestellt. Im September 2015 übernahm der Bielefelder Ex-Profi auch die Aufgaben des ausgeschiedenen Geschäftsführers Marcus Uhlig. Zum 1. Oktober 2017 kehrte Gerrit Meinke wieder auf seine Position als Geschäftsführer der ALM KG zurück, da durch die Verpflichtung von Marcus Rejek, der als neuer Geschäftsführer für die Bereiche Marketing und Finanzen zuständig ist, die Verantwortung auf mehrere Schultern übertragen werden sollte. Zur aktuellen Situation nahm Gerrit Meinke, der einen Arbeitsvertrag bis zum 30. Juni 2018 bei Arminia Bielefeld besitzt, gegenüber dieser Zeitung schriftlich wie folgt Stellung: „Ich bitte um Verständnis, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt für ein Gespräch nicht zur Verfügung stehe." Stadiongesellschaft hat Ziele nicht erfüllt Arminias Präsident Hans-Jürgen Laufer machte deutlich, dass die Trennung von Gerrit Meinke „rein gar nichts mit der aktuellen Finanzlage des Vereins zu tun" habe. „Mit der ALM KG hatten wir große Erwartungen. Sie sind nicht erfüllt worden. Deshalb mussten wir das Rad zurückdrehen. Es war die logische Konsequenz. Die ALM KG hat mehr gekostet als sie einbrachte. Der Zeitpunkt dieser Entscheidung zum Ende des Kalenderjahres war daher der richtige Zeitpunkt." Ziel der ALM KG war und ist es, dass Geldgeber ihre Darlehen in Stadionanteile wandeln sollten. Dieses Geschäftsmodell entwickelte sich als Flop. Nur zwei Darlehensgeber nahmen die Offerte an. Nach Ansicht der DSC-Führung zu wenig: Gerrit Meinke hatte seinen Job offenbar nicht wunschgemäß verrichtet – das könnte ein wesentlicher Trennungsgrund sein. "Unsere Liquidität ist nicht gefährdet. 
Wir haben bisher unsere Gehälter 
zahlen können" Kurzfristig wird Marcus Rejek, der seit seinem Amtsantritt im Oktober 2017 öffentlich kaum in Erscheinung getreten ist, die Aufgaben Meinkes übernehmen. Laufer erklärte, dass in naher Zukunft die ALM KG neu strukturiert werden könnte. „Es gibt Überlegungen, die aber noch nicht spruchreif sind." Arminias Präsident erwartet als Reaktion auf die Amtsenthebung von Gerrit Meinke „Verständnis" bei den Mitgliedern und Fans: „Wir mussten reagieren, da dieses Konstrukt nicht funktionierte." Entschieden wendet sich der Präsident des mit 22,4 Millionen Euro verschuldeten Zweitligaklubs gegen Mutmaßungen, Arminia habe derzeit gravierende Finanzprobleme. „Unsere Liquidität ist nicht gefährdet. Wir haben bisher unsere Gehälter zahlen können", sagte Laufer. In den vergangenen Wochen wurde allerdings in höchsten Bielefelder Wirtschaftskreisen über Arminias Finanzprobleme getuschelt. Dem Verein nahestehende Personen befürchten sogar eine Wiederholung der Verhältnisse vom 16. März 2010, als der damalige Zweitligist wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen der Lizenzierungsordnung von der Deutschen Fußballliga (DFL) mit dem Abzug von vier Punkten und einer Geldbuße von 50.000 Euro bestraft wurde. Der Traum von einer direkten Rückkehr in die Bundesliga war damit dahin und das dann folgende sportliche und finanzielle Desaster eingeleitet. "An allen Gerüchten ist nichts dran." Die Verlegung der Jahreshauptversammlung vom 11. Dezember 2017 auf den 28. Januar 2018 ließ ebenfalls Spekulationen über Ungereimtheiten aufkommen. Zu diesen Spekulationen hat Laufer eine klare Antwort: „Ich kenne dieses Gerede. An allen Gerüchten ist nichts dran." Gleichwohl räumte der Präsident ein, dass die Finanzlage immer ein gravierendes Thema bei Arminia sei. „Uns fehlen Sponsoreneinnahmen. Unser Vermarktungspartner Lagardère Sports ist gefordert. Sie müssen absprachegemäß Geld besorgen", erklärte Laufer. „Spielerverkäufe zur kurzfristigen Liquiditätsverbesserung sind allerdings kein Thema", fügte Laufer hinzu. Rettungsschirm wird geplant Tatsächlich steht der Zweitligist unter Zeitdruck. Am 15. Januar 2018 ist der Stichtag bei der DFL für die Abgabe der Unterlagen zur Erfüllung der Auflagen für das Lizenzierungsverfahren II. Die gesicherte finanzielle Durchführung der laufenden Zweitligasaison, so der momentane Eindruck, scheint nicht in trockenen Tüchern zu sein. Nach Informationen von nw.de kam es Donnerstagabend zu einem Treffen zweier Großsponsoren, um über einen geplanten Rettungsschirm in zweistelliger Millionenhöhe zu sprechen. Die Furcht bei den Vereinsgönnern über einen möglichen Punktabzug von sieben bis sogar zehn Zählern sei derart groß, dass ein Hilfspaket umgehend geschnürt werden soll. Auch am Donnerstag war aus Bielefelder Wirtschaftskreisen zu hören, dass die momentane Unterdeckung sogar bei rund 5,8 Millionen Euro liegen könnte. Bedingung für die Hilfe von außen soll nach Einschätzung von Insidern die Insolvenz der ALM KG sein. Es bleibt zu hoffen, dass Arminias Finanzexperten diese Probleme in den Griff bekommen. Die heile Welt, bedingt durch die guten Leistungen der Profimannschaft um Trainer Jeff Saibene, gehört jedoch der Vergangenheit an. Arminia hat nach dem vorgezogenen Silvesterböller ein leichtes Knalltrauma.

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