Angelika W. schaltet sich in den Gutachterstreit um den Tod von Susanne F., eines der Opfer des Folterpaares, ein. - © Marc Köppelmann
Angelika W. schaltet sich in den Gutachterstreit um den Tod von Susanne F., eines der Opfer des Folterpaares, ein. | © Marc Köppelmann

Paderborn Bosseborn-Prozess: Angelika W. schrieb Brief an Richter Emminghaus

Während Nahlah Saimeh an der Begutachtung von Wilfried W. arbeitet, hält der Vorsitzende den Prozess mit der Verlesung von Aktenmaterial aufrecht. Das lässt am 42. Tag das perfide Vorgehen der Angeklagten offenbar werden

Jutta Steinmetz

Paderborn/Höxter. In den Sälen der Justiz soll eigentlich ohne längere Unterbrechungen verhandelt werden, über Gebühr soll sich kein Strafverfahren hinziehen. Dass das keine einfache Vorgabe ist, wird schon seit Monaten im Bosseborn-Prozess offenkundig. Während im Hintergrund die Gutachterin Nahlah Saimeh, die sich ursprünglich nur mit der Persönlichkeit der Angeklagte Angelika W. beschäftigen sollte, nun auch Wilfried W. zu untersuchen hat, muss der Vorsitzende des Paderborner Schwurgerichts die Verhandlung am Laufen halten – ohne zu viel vorwegzunehmen oder irgendwie in den Ruch einer Beeinflussung zu kommen. Bernd Emminghaus verliest deshalb bevorzugt Schriftstücke aus den Akten. Am 42. Verhandlungstag ist das die Mitschrift einer der Audiodateien, die Wilfried und Angelika W. während ihres Zusammenlebens anfertigten. Als Emminghaus das verschriftlichte Gespräch vom 21. Mai 2014 verliest, wird erneut auf bedrückende Weise deutlich, worum es hier in Saal 205 geht – nämlich darum, dass die Angeklagten im Verdacht stehen, vor allem Annika W. und Susanne F. so sehr seelisch gequält und körperlich misshandelt zu haben, dass diese starben. Zwei, die ihre Opfer in die Mangel nahmen Es muss nicht einmal Angelika W.s durchdringende Stimme erklingen. Es reicht der ruhige, ohne besondere Betonung vorgenommene Vortrag von Emminghaus, um zu erkennen, was sich da abspielte in Bosseborn. Dass da zwei zusammen agierten, den Schulterschluss pflegten, verbal ihr Opfer – bei diesem Mitschnitt ist es Annika W. – in die Mangel nahmen, es in die Enge trieben und ganz klein machten. Es wird auch offenbar, dass Angelika W. eine besondere Position innehatte mit ihrem großen Redeanteil, mit ihrer rüden, abfälligen, ins Ordinäre spielenden Ausdrucksweise. Dass die Angeklagte nicht nur das gesprochene Wort beherrscht, sondern auch das geschriebene, dazu hat Emminghaus zu Beginn dieses Prozesstages Beweise geliefert. Er verlas einen Brief, den Angelika W. ihm – an ihrem Verteidiger Peter Wüller vorbei – zukommen ließ. In diesem setzt sie sich mit den unterschiedlichen Expertenmeinungen zum Tod der Susanne F. auseinander. "Es darf nicht sein, dass Gutachter sich auf falsche Grundlagen stützen", schreibt sie und kündigt damit fast an, sich an der Auseinandersetzung der Mediziner beteiligen zu wollen. Am 29. Mai werden die beiden Experten im Gerichtssaal diskutieren, ob Susanne F. hätte gerettet werden können. Bei der nächsten Sitzung (27. März) aber geht es um die Vergangenheit von Wilfried W..

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