Von den Naturschutzverbänden wird die Senne auch gerne als Juwel bezeichnet. - © Annika Falk-Clausen
Von den Naturschutzverbänden wird die Senne auch gerne als Juwel bezeichnet. | © Annika Falk-Clausen

Bad Lippspringe Experten sprechen sich für Nationalpark Senne aus

Treffen: Auf Einladung des Fördervereins sprechen ehemalige Politiker und Experten von einer großen Chance für die Natur sowie für den Tourismus und die Wirtschaft in der Region

Tessa Rinkes

Bad Lippspringe. Als ein Juwel wird die Senne von Naturschutzverbänden bezeichnet. Um diese einzigartige Natur erhalten zu können, hat der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge zur Informationsveranstaltung „Heute Schießplatz – morgen Erlebnisraum" geladen. Auch der ehemalige Bundesminister Klaus Töpfer (CDU) setzt sich für einen Nationalpark ein. Die Vorsitzende des Fördervereins, Erdmute von Voithenberg, die in Kooperation mit der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL und der Natur- und Umweltschutz-Akademie die Veranstaltung organisiert, freut sich über die positive Resonanz: „Wir sind mit Kommunen und der Wirtschaft ins Gespräch gekommen." Man habe bereits positive Rückmeldungen der neuen Landesregierung zum Erhalt der Pflanzen- und Tierwelt in der Senne erhalten, berichtet von Voithenberg und erklärt: „Mit dem Ende des britischen Abzuges soll ein Modellprojekt im Rahmen der Meldung zum nationalen Naturerbe als erster Schritt zum Nationalpark angestoßen werden." Die Details müssen noch ausgearbeitet werden. Nationalpark ist ein Gewinn für die Region Rund 11.000 Hektar öffentliche Fläche soll das Gebiet der Heide- und Offenlandschaften – ein Alleinstellungsmerkmal der Senne – umfassen, das zum Erleben der Natur einladen soll. Eine vom Menschen kaum gelenkte Wildnis soll entstehen. Ein großer Fürsprecher des „Naturparks", so sein charmanter Versprecher, ist Töpfer. „Vielfalt bringt Stabilität", sagt der ehemalige Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, der einen Nationalpark Senne als Gewinn der regionalen Wirtschaft sieht. Diese wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Naturtourismus unterstreicht auch Hubert Job von der Universität Würzburg. Er untersucht im Auftrag des Bunds diese regionalwirtschaftlichen Effekte. „Das Prädikat Nationalpark ist ein Magnet, der den Tourismus fördert und Arbeitsplätze schafft", erklärt Job. Ohne den Status eines Nationalparks seien die Auswirkungen geringer und auch europäische Fördermittel seien schwieriger zu erhalten. Britischer Truppenübungsplatzes Zudem mahnen beide Professoren an, dass die Umwandlung des britischen Truppenübungsplatzes in einen Nationalpark ein langer Prozess ist: „Man müsse mit kleinen Erfolgen zufrieden sein", sagt Töpfer. Ein großes Hindernis sieht der Höxteraner in der derzeitigen politischen Lage: Nach dem Abzug der britischen Streitkräfte gehört das Land dem Bund, der in Zeiten der Krim oder der Nordkorea-Krise eine weitere militärische Nutzung der deutschen Bundeswehr in Betracht ziehen könnte. Auch würden einige angrenzende Kommunen und Organisation eine wirtschaftliche Nutzung der Naturfläche des Truppenübungsplatzes bevorzugen, weiß Karsten Otte von der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL. Gegen eine wirtschaftliche Nutzung sprechen allerdings die vielen Altlasten: „Etwa zehn Prozent der dort verwendeten Munition seien Blindgänger", vermutet Otte.

realisiert durch evolver group