Starke Kooperation: Schüler und Azubis mit ihren Lehrern und Ausbildern. Links: Techniklehrerin Christiane Holtmann-Dehne. - © GERALD DUNKEL
Starke Kooperation: Schüler und Azubis mit ihren Lehrern und Ausbildern. Links: Techniklehrerin Christiane Holtmann-Dehne. | © GERALD DUNKEL

Bünde/Kirchlengern Berufsprojekt: Von der Schul-AG zur Lehre

Kooperation zwischen Schule und Unternehmen: Aus der Hettich-AG an der Realschule Bünde-Nord sind schon so manche Azubis hervorgegangen

Gerald Dunkel

Bünde/Kirchlengern. Seit 14 Jahren kooperiert die Firma Hettich in Kirchlengern mit der Realschule Bünde-Nord. "Hettich-AG" nennt sich dieses Projekt, das sehr erfolgreich ist, denn ein Teil der Schüler, die sich in dieser Arbeitsgemeinschaft engagieren, haben in dem Unternehmen eine Ausbildung absolviert, sind aktuell Azubi, oder gehören mittlerweile zum festen Mitarbeiterstamm. Schüler des 9. Jahrgangs der Realschule Bünde-Nord haben in den vergangenen Jahren verschiedene filigrane und komplexe Stücke hergestellt. Unterstützt wurden sie dabei von den Auszubildenden in den Bereichen Elektronik und Metallverarbeitung. Das Projekt in diesem Jahr war ein Rennwagen, dessen Karosseriebleche die Neuntklässler komplett selbst zuschneiden mussten. Auszubildende lernen Schüler an Dirk Bartz, Leiter Technische Aus- und Weiterbildung bei Hettich, erläutert das Projekt: "Die Schüler melden sich für die AG in der Schule und kommen dann an sieben Nachmittagen für jeweils zwei Stunden zu uns in den Betrieb." Und hier arbeiten sie zusammen mit den Hettich-Auszubildenden an ihren Projekten, die immer zwischen Firma und Schule abgestimmt werden. Bei dem metallenen Rennwagen, der in diesem Jahr auf dem Programm stand, handelte es sich um ein anspruchsvolleres Praktikantenstück. "Das ist schon recht komplex, was unsere Schüler hier an den sieben Nachmittagen gebaut haben", sagt Guido Broziewski Blomenkamp, Leiter der Realschule Bünde-Nord. Kunst- und Techniklehrerin Christiane Holtmann-Dehne, die die Schüler an den Nachmittagen begleitet und betreut hat, freut sich über das Engagement ihrer Schüler und vor allem darüber, dass einige von ihnen ein solches Interesse an den Tag legen, dass sie schon ein Jahr später nach ihrem Schulabschluss bei Hettich in die Ausbildung gehen. Zertifikat der Hettich-AG macht sich auch gut auf dem Zeugnis "Für die Teilnahme an der AG bekommen die Schüler ein Zertifikat, das sich auch in Bewerbungen gut macht, denn die Zeit, in der sie hier bei Hettich in der Ausbildungswerkstatt sind, ist eigentlich ihre Freizeit nach der Schule", so Christiane Holtmann-Dehne. Und mit dem Zeugnis, dass die Neuntklässler in diesem Sommer bekommen, müssen sie sich für eine Ausbildung bewerben. Die Schüler sind mit Eifer bei der Sache und halten so auch Kontakt zu früheren Mitschülern, die heute bei Hettich in der Lehre sind und die sie in der Aubildungswerkstatt wiedersehen. "Ich habe früher schon oft meinem Vater bei der Arbeit geholfen", erzählt der 14-jährige Arne Gross. Zuhause hat er den Dachboden über der Garage selbst verkabelt, wie er sagt. Arbeit wie diese ist "sein Ding". Und sein Vater habe später alles kontrolliert und für gut befunden. Er könnte sich eine Ausbildung bei Hettich ab nächstem Jahr gut vorstellen. "Besser ein Praktikum abbrechen, als später eine Ausbildung." Geschickt stellte sich auch Jan Dobrick (15) an. Büroarbeit komme später für ihn nicht infrage, "da sitze ich zuviel". Allerdings fühlt er sich auch eher zum Kunststoffbereich hingezogen. "Deshalb wäre Hettich jetzt nicht meine Branche", sagt er und fügt an, dass ihn besonders elektrisch leitfähige Kunststoffe interessieren würden. Wer beim Bau des elektrisch betriebenen Rennwagens schnell gewesen ist, bekam Zusatzaufgaben. Für die Teilnehmer der Realschule Bünde-Nord war "alles gut zu schaffen", wie einer der Neuntklässler Schulleiter Guido Broziewski Blomenkamp erklärt. Dirk Bartz erläutert, dass über dieses Projekt hinaus auch Kurzpraktika von einigen Tagen möglich seien, die bei der Festigung des Berufswunsches helfen sollen. "Wenn einer der Teilnehmer jetzt hier oder in einem Praktikum merkt, dass der Beruf nichts für ihn ist, ist es besser, er oder sie brechen dann das Praktikum ab als später eine Ausbildung." Aber das kommt selten vor, denn wer seine Ausbildung dort absolviert, habe gute Chancen auf eine Übernahme.

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