Mordfall Nelli Graf: Sechs Jahre ist es her, dass die Leiche der 46-Jährigen in Kölkebeck gefunden wurde. Der Täter wurde bis heute nicht ermittelt, doch die Profiler des Landeskriminalamtes werden sich jetzt erneut mit dem Gewaltverbrechen befassen. - © Nicole Donath
Mordfall Nelli Graf: Sechs Jahre ist es her, dass die Leiche der 46-Jährigen in Kölkebeck gefunden wurde. Der Täter wurde bis heute nicht ermittelt, doch die Profiler des Landeskriminalamtes werden sich jetzt erneut mit dem Gewaltverbrechen befassen. | © Nicole Donath

Altkreis Halle/Bielefeld Mord an Nelli Graf wird neu untersucht

Am 9. Februar 2012 entdeckte ein Landwirt in Kölkebeck ihre Leiche. Das Polizeipräsidium Bielefeld den Fall Nelli Graf an die neue Datenbank "Cold Cases" des Landeskriminalamtes (LKA) Düsseldorf gemeldet.

Nicole Donath

Altkreis Halle/Bielefeld/Düsseldorf. Diese Tat bewegt die Menschen in der Stadt noch immer: Es war am 14. Oktober 2011, als Nelli Graf als vermisst gemeldet wurde. Zwei Tage später fanden Pilzsucher ihr Fahrrad in einem Wäldchen an der Haller Hachhowe. Am 9. Februar 2012 entdeckte ein Landwirt in Kölkebeck schließlich ihre Leiche: Die sterblichen Überreste der damals 46-jährigen Mutter dreier Kinder lagen in einer Senke zwischen Feld und Waldstück am Kölkenweg versteckt. Augen und Mund waren mit Panzerband verklebt, die Hände mit Kabelbindern gefesselt, der Körper von zahlreichen Stichverletzungen übersät. Weiter Hoffnung darauf, dass die Tat noch geklärt wird Der Täter wurde bis heute nicht gefunden, obwohl Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann und seine Mordkommission »Ahorn« damals über Monate intensiv ermittelten und dabei Hunderte von Spuren verfolgten. Sogar ein Massengentest wurde initiiert und Rudi Cerne nahm den Fall in seiner Sendung »Aktenzeichen XY... ungelöst« auf – ohne Erfolg. Doch während die Akten zuletzt nicht mehr hervorgeholt wurden, weil es schlichtweg keine neuen Anhaltspunkte für weitere Untersuchungen gab, kommt jetzt wieder Bewegung in den Fall: Zusammen mit neun weiteren ungelösten Kapitalverbrechen im Kreis Gütersloh hat das Polizeipräsidium Bielefeld den Fall Nelli Graf an die neue Datenbank »Cold Cases« des Landeskriminalamtes (LKA) Düsseldorf gemeldet. Als »Cold Cases« werden Kapitalverbrechen bezeichnet, die auch nach einem Jahr nicht aufgeklärt werden konnten. Diese neue Datenbank befindet sich seit Anfang dieses Jahres im Aufbau. Frank Scheulen, Pressesprecher des LKA, erklärte im Gespräch mit dem HK, wie das funktioniert: „Die Kriminalhauptstellen des Landes, zu denen auch das Polizeipräsidium Bielefeld zählt, sind hierbei aufgerufen, ungeklärte Mordfälle nach Düsseldorf zu melden. Dabei können diese Fälle bis in die 1970er Jahre zurückreichen", sagt Scheulen. „Zurzeit gehen wir davon aus, dass wir etwa auf 900 Fälle kommen." Auch der Tod von Susanne Nieter ist ein ungelöster Fall Einer von ihnen ist der Mord an Nelli Graf. Ebenso wurde aber auch der gewaltsame Tod von Susanne Nieter weitergegeben: Die 38-Jährige war 2001 in Steinhagen von einem bislang unbekannten Täter mit zwei Dachziegeln erschlagen worden. Susanne Nieter, die in Herford als Lehrerin arbeitete, hatte sich von ihrem Mann getrennt und gemeinsam mit ihm ein abseits gelegenes Haus in Steinhagen-Amshauen ausgeräumt. Als der Mann von einer Fahrt zur Deponie zurückkam, fand er die Frau mit schwersten Kopfverletzungen vor dem Haus – vier Tage später starb sie, ohne zuvor das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Die schwierige Aufgabe der Ermittler hier: Obwohl sich Susanne Nieter gegen ihren Mörder zur Wehr gesetzt haben muss, fand man keine fremden DNA-Spuren. Aber auch der ungeklärte Mord an Ingrid Amtenbrink (67), deren Leiche 2009 in einem Getreidefeld nahe dem Meierhof Rassfeld in Gütersloh gefunden wurde, kommt noch einmal auf den Tisch der Ermittler. Zu diesem Zweck werden die Akten, die in den Schränken der jeweiligen Polizeipräsidien lagern, in der nächsten Zeit zunächst allesamt digitalisiert. Sind die Dokumente dann erfasst und in die Düsseldorfer Datenbank eingepflegt, nehmen sich die Profiler die Fälle neu vor. Die Kriminaltechnik entwickelt sich ständig weiter Was sich das LKA davon verspricht, obwohl sich mit den jeweiligen Gewaltverbrechen doch ganze Mordkommissionen befasst haben, die jeweils tief in die Fälle eingearbeitet waren? „Viel", stellt Frank Scheulen fest. Zum einen entwickele sich die Kriminaltechnik ständig weiter: „Nur ein Beispiel: Noch Ende der 90er Jahre musste ein Blutfleck etwa die Größe eines Ein- bis Zwei-Euro-Stücks haben, um eine DNA-Analyse durchführen zu können", sagt Scheulen. „Heute reichen wenige Körperzellen." Auch Kleidungsstücke, sogar Jahrzehnte alt, können mittlerweile mit Hilfe modernster Methoden noch erfolgreich auf Spuren hin untersucht werden. Aufgrund von DNA-Analysedateien hat das Landeskriminalamt die Möglichkeit, Tatortspuren abzugleichen. Vor allem vom Gesamtblick auf die Fälle erhoffen sich die Experten vom LKA eine Menge; von Querverbindungen, die sich hierbei auftun können. Diese Möglichkeit habe man einfach nicht, wenn einzelne Ermittler Akten aus Papier vor sich hätten. „Kein Täter, den wir bislang noch nicht entdeckt haben, sollte sich also sicher sein, dass das auch so bleibt", schloss Frank Scheulen.

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