Nähe: In "Moonlight" erlebt Chiron in der Pubertät mit seinem Jugendfreund Kevin eine ungekannte körperliche Intimität. - © DCM/dpa
Nähe: In "Moonlight" erlebt Chiron in der Pubertät mit seinem Jugendfreund Kevin eine ungekannte körperliche Intimität. | © DCM/dpa

Coming-Out-Day Schwules Kino: Die 9 besten LGBT-Filme und -Serien

Am 11. Oktober ist "Coming-Out-Day". nw.de hat die neun schönsten LGBT-Filme zusammengestellt.

Christian Geisler

Bielefeld. Was in Filmen und Serien lange Zeit tabu war, ist heute Mainstream: Das ehemalige Reizthema Homosexualität. Der filmische Spaziergang entlang des anderen Ufers ist in Hollywood und Co. schon lange nicht mehr verpönt. Immer öfter spielen lesbische, schwule, bi- und transsexuelle Charaktere sogar die Hauptrolle - ganz ohne abgedroschene Klischees. Stattdessen sind die Geschichten in queeren Filmen und Serien facettenreich und tiefgründig. Doch welche LGBT-Filme und -Serien eignen sich besonders für einen entspannten Couchabend? Wir haben neun Tipps zusammengestellt: 1. Jongens/ Boys Den Anfang macht der niederländische Film "Jongens" von Regisseurin Mischa Kamp. Ursprünglich wurde der LGBT-Film fürs TV produziert, schaffte es aufgrund seiner vielschichtigen Story schließlich aber doch noch ins Kino. Hier ein Trailer zum Film: In "Jongens" (zu deutsch "Jungen") geht es um den zurückhaltenden Schüler namens Sieger, der ins Athletikteam seiner Schule berufen wird. Dort soll er zusammen mit anderen Jungs an der Leichtathletik-Meisterschaft teilnehmen. Er freundet sich mit seinen Mannschaftskameraden an - besonders mit Marc versteht sich Sieger gut. Eines Abends kommt es beim Schwimmen schließlich zu einem Kuss zwischen den beiden Jungen, woraufhin Sieger vorgibt, nicht schwul zu sein. Das Verhältnis der beiden Freunde wird kompliziert. Zu sehr kämpft Sieger mit sich selbst und der gesellschaftlichen Akzeptanz. 2. Lindenstraße Zugegeben: Die Lindenstraße ist streng genommen nicht zur Kategorie der LGBT-Serien zuzuordnen. In Folge 224 "Das Horoskop" wird es dafür zum ersten Mal in der deutschen Fernsehgeschichte so richtig intim zwischen zwei Männern. Die Figuren Carsten Flöter und Robert Engel (sollen die Nachnamen eine Anspielung sein?) küssen sich, nehmen sich zärtlich in den Arm. Diese Szene zog einen Aufschrei der Empörung nach sich. Die Schauspieler erhielten wüste Beschimpfungen und sogar Morddrohungen. Auch gegen die Produktionsfirma ging eine Bombendrohung ein. Die Drehbuchautoren gaben schließlich nach und schickten die Figur Carsten jahrelang ins Exil nach Australien. Sein Partner Robert wurde heterosexuell umgeschrieben. Erst fünf Jahre später kam die Figur Carsten Flöter in die Lindenstraße zurück und hatte seitdem mehrere Partner. Später vollzog er sogar die erste symbolische Homo-Ehe im TV. Seitdem gab es in der Serie immer wieder mal Annäherungen zwischen gleichen Geschlechtern. Die Lindenstraße mit einer Revolte für die gleichgeschlechtliche Liebe - besonders für Nostalgiker ein Hingucker in Sachen LGBT. Hier ein Potpourri der besten Küsse der Lindenstraße: 3. Cracks Eines Vorweg: Die Kritiken zum LGBT-Film "Cracks" sind durchwachsen. Bei der Rezensions-Seite Rotten Tomatoes erreicht der Film lediglich eine Bewertung von 45 Prozent (100 Prozent sind gut). Nichtsdestotrotz hat die Geschichte von "Cracks" Potenzial und ist sehenswert. Entfernt erinnert sie an das Buch "Der Vorleser" von Bernhard Schlink - nur in homo. In den 30er Jahren verehrt eine Mädchenclique eines Mädcheninternats die neue Tauchlehrerin Miss G. Die Lehrerin fühlt sich zu den Mächen hingezogen, besonders zu Fiamma, ein adliges Mädchen aus Spanien. Daraufhin entbrennt ein Eifersuchtsdrama unter den Freundinnen und Miss G. fürchtet ihren Job zu verlieren. "Cracks" - ein LGBT-Film mit dramatischem Ende. 4. Moonlight Identitätsfindung. Wer bin ich? Diese Frage stellt sich der junge Afroamerikaner Chiron in "Moonlight" immer wieder. Er wächst im Armenviertel auf, hat nicht viel und handelt mit Drogen. Sein Leben ist geprägt von Kriminalität und Gewalt. Dazu ist er schwarz. In seiner Pubertät erlebt Chiron schließlich eine ungekannte körperliche Identität. Intimität mit einem Mann. Der Zuschauer muss sich mit Chirons Einzelschicksal beschäftigen. Ein persönliches Drama, ohne Klischees. Erzählt in drei Akten. Es geht um das Bild des Mannes. Um in der Welt überleben zu können, muss er trainieren, seinen Körper stählen und unnahbar sein. Chiron verkörpert einen Gegenpol dazu. Er ist zwiegespalten: Härte zeigen, um irgendwie durchs Leben zu kommen und gleichzeitig fühlt er in seinem Innern, dass er anders ist - feinfühlig und sensibel. "Moonlight" regt zum Nachdenken an. Das ist "Moonlight": Folgerichtig wurde das LGBT-Drama mit drei Oscars ausgezeichnet. Bester Film. Bester Nebendarsteller. Bestes adaptiertes Drehbuch. Moonlight ist sehenswert. Und womöglich ein absolutes MUSS für jeden LGBT-Fan. 5. Blau ist eine warme Farbe Frauen gehen mit Männern aus. Das stellt Adèle nicht in Frage. Zumindest solange, bis die 15-Jährige auf Emma trifft - eine Künstlerin mit babyblauen Haaren. Die beiden flirten miteinander, treffen sich in einer Lesbenbar. Es knistert zwischen den Mädchen. Die Frauen ziehen zusammen. Adèle wird zu Emmas Muse. Doch hat sich die 15-Jährige das Leben mit Emma anders vorgestellt und vereinsamt zunehmend. Irgendwann wird es Adèle zu viel - sie geht mit einem Mann fremd. Ein Fehltritt mit negativen Folgen für die Beziehung mit Emma. "Blau ist eine warme Farbe" ist ein lesbischer Liebesfilm, in dem die Suche nach der sexuellen Identität im Fordergrund steht. Höhen und Tiefen einer Beziehung werden darin anschaulich inszeniert. Die Sexszenen zwischen Adèle und Emma sorgten für Diskussion. Zwei Lesben auf der Leinwand zusammen im Bett - das war bis dahin neu. Den Trailer gibt es hier: 6. Buffy - im Bann der Dämonen Im März 1997 wurde "Buffy - Im Bann der Dämonen" zum ersten Mal ausgestrahlt. Die Serie handelt von der Vampirjägerin Buffy, die sich dunklen Mächten entgegen stellt. Vampire und Dämonen sind ihr Alltag - genau wie die Probleme mit dem Erwachsen werden. Die Serie ist eine Aufforderung zum Anderssein. Lesbische Hexen, reformierte Vampire und buddhistische Werwölfe leben friedlich zusammen. Das ganze sogar in der Hölle. Ist die Unterwelt also der Ort, an dem gesellschaftliche Vorurteile keine Rolle spielen? Kritik klingt durch. Wäre ein solches Leben etwa außerhalb der Hölle nicht möglich? "Buffy - Im Bann der Dämonen" unterhält. Außerdem macht die Serie Ernst, wenn es um weibliche Rollenklischees und Diversität geht. Auch, wenn die Serie in die Jahre gekommen ist: LGBT-Fans sollten auf jeden Fall reinschauen. Lang ist's her: 7. Milk Harvey Bernard Milk war der erste offen schwule Politiker in den USA, der auch in ein Amt gewählt wurde. "Milk" erzählt seine Geschichte. In den 70er Jahren zieht Milk nach San Francisco und eröffnet mit einem homosexuellen Freund einen Shop. Ihre Beziehung wird von vielen Menschen nicht akzeptiert - immer wieder erfahren Milk und sein Freund Scott Anfeindungen. Irgendwann wird es Milk zu viel. Er beschließt sich politisch zu engagieren und für die Schwulen- und Lesbenrechte einzustehen. Das ist der Beginn seiner politischen Karriere. "Milk" war für acht Oscars ausgezeichnet. In zwei Kategorien gewann der Film sogar: Der LGBT-Streifen bekam den Preis für den besten Darsteller und das beste Drehbuch. Hier ein Auszug aus "Milk": 8. Please Like Me "Bitte mag mich" - ein Hilferuf nach Liebe und Anerkennung. Gleich am Anfang der Serie wird der 20-jährige Josh von seiner Freundin abserviert. Er sei sowieso schwul, was bringt also eine Beziehung mit ihm? Kurz darauf versucht sich auch noch seine Mutter umzubringen. Josh muss zu ihrer Sicherheit wieder bei ihr einziehen. Drama. Depressionen. Identitätsfindung. Schon der Anfang der australischen Serie hat es in sich. Er offenbart zahlreiche Gefühle - Trauer, Enttäuschung und Angst. Und das macht Spaß. "Please Like Me" erzählt gefühlt aus dem wahren Leben. Freude und Leid liegen dicht beieinander. Wenn es kommt, dann knüppeldick. Dazu das innere Chaos. Ist Josh wirklich schwul? Sein Arbeitskollege bekundet zumindest Interesse an seiner Person. Ganz schön kompliziert. Wer LGBT mag, kommt bei der Netflix--Comedy-Serie voll auf seine Kosten. "Please Like Me" ist lustig und traurig zugleich. Bewegtbild zum Nachdenken und Mitfühlen - eines der absoluten LGBT-Highlights. Der Trailer zur Netflix-Serie: 9. The L Word - Wenn Frauen Frauen lieben "The L Word" ist eine Fernsehserie des amerikanischen Pay-TV-Senders Showtime. Darin geht es um eine Clique von heterosexueller, bisexueller, lesbischer und transsexueller Freunde in Hollywood. Coming-Outs und homosexuelle Elternschaften sind genau so Thema, wie künstliche Befruchtung. Hauptcharakter ist die Autorin Jenny, die mit ihrem Freund nach Los Angeles zieht. Dort angekommen wird ihr Leben auf den Kopf gestellt. Sie erhält Einblicke in andere sexuelle Orientierungen und fühlt sich plötzlich selbst von einer anderen Neigung angezogen. "The L Word" ist eine Soap, die für ihre faszinierende Erotik-Szenen bekannt ist. Diese fesseln sowohl homosexuelle als auch heterosexuelle Zuschauer. Es prickelt. Hier der Beweis:

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