Ein Politiker hat auf Twitter für Empörung bei Pflegekräften gesorgt. - © picture alliance / NurPhoto
Ein Politiker hat auf Twitter für Empörung bei Pflegekräften gesorgt. | © picture alliance / NurPhoto

Netzwelt #twitternwierueddel: Politiker wegen Tweet im Shitstorm der Pfleger

Björn Vahle

Berlin. Erwin Rüddel ist CDU-Abgeordneter für die Region Rhein-Westerwald-Sieg. Er ist auch Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag. Und er hat in einem Gespräch auf Twitter Pflegekräfte aufgefordert, positiver über ihren Beruf zu sprechen, um den Mangel an Fachkräften in ihrem Beruf zu bekämpfen. #Deal: Politik handelt konsequent und #Pflegende fangen an, gut über die #Pflege zu reden. Dann kommen viele wieder in die Pflege zurück und es beginnen #gutezeitenfürgutepflege — Erwin Rüddel (@Erwin_Rueddel) 3. Februar 2018 Daraufhin haben ihm Pflegekräfte unter #twitternwierueddel geantwortet, wie "toll" ihr Beruf wirklich ist. Dabei kommen Anekdoten ans Tageslicht, die die Missstände teilweise humorig, teilweise bedrückend schildern. Von irrsinnigen Beschränkungen bei der Arbeit... Der weinenden Mutter, deren Kind gerade Leukämie diagnostiziert bekommen hat, im Vorbeirennen, den Arm zu tätscheln, weil du allein für 12 andere schwer kranke Kinder zuständig bist. Aber hey: ich habe sie getröstet! So erfüllend!#twitternwierueddel — Tschudith (@Chaosundich) 5. Februar 2018 Wie ich zur Geburt meines 1. Sohnes den Arbeitgeber gekündigt habe, weil man mir zwecks Personalmangel nicht freigeben wollte/konnte. #twitternwierueddel — Sebastian Eckhardt (@BastHardt) 5. Februar 2018 ... über lebensgefährliche Minimalbesetzungen... Phase F Einrichtung, 12 Plätze, 6tracheotomiert, 4beatmet. Eine Fachkraft, ein Helfer, der nicht absaugen darf. Mehr als zwei Alarme: Ene mene miste, wer springt jetzt in die Kiste? Nochmal gut gegangen, nur blau angelaufen. Lerne Abzählreime! #Pflege#twitternwierueddel — Flunderperformer (@FIngendahl) 6. Februar 2018 ... bis zu Kollegen, die trotz allem ungern ihren Job verlieren möchten: Und dann war da noch die Ü60-Kollegin mit Hautkrebs, die ihre ambulante Chemotherapie im Urlaub durchführte und sich nicht krankschreiben ließ, aus Angst vor Repression, weil sie zuvor wegen eines Bandscheibenvorfalls coram publico von der PDL angebrüllt wurde #twitternwierueddel — Dominik Wolf (@heinricius) 5. Februar 2018 Der Mangel an gut ausgebildeten Pflegekräften verschlimmert sich seit Jahren. Schätzungen zufolge fehlen in den kommenden Jahren deutschlandweit, je nach Zeitraum, zwischen 200.000 und 500.000 Vollzeitkräften in der Pflege.

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