Für viele Eltern ist die Suche nach einem Kita-Platz purer Stress. - © picture alliance / dpa
Für viele Eltern ist die Suche nach einem Kita-Platz purer Stress. | © picture alliance / dpa

Bielefeld Service: Was tun, wenn das Kind keinen Kita-Platz bekommen hat

Das Jugendamt Bielefeld kennt die Sorgen von Eltern auf der Suche nach Betreuung für ihre Kinder

Björn Vahle

Bielefeld. Die Sorge vieler Eltern, keinen Kita-Platz zu bekommen, hat sich zwischen Rechtsanspruch und Wartelisten so weit hochgeschaukelt, dass mancher sein Kind sogar schon vor der Geburt anmeldet. Auch unser Autor hat so seine (rein subjektiven) Erfahrungen mit dem System gemacht. So mancher macht sich selbst am meisten Stress- und das muss gar nicht sein, sagt Barbara Busch-Viet vom Jugendamt Bielefeld. Sie gibt Tipps, was Eltern schon bei der Anmeldung, aber auch nach Absagen tun können, um einen Kita-Platz zu bekommen. Regel Nummer 1: Ruhe bewahren. Muss ich mein Kind am besten so früh wie möglich anmelden? "Nein", sagt Busch-Viet. Zumindest erhöht das nicht die Chance, einen Platz zu bekommen. Gesetzlich festgeschrieben ist nur, dass in der Regel bis spätestens sechs Monate vor gewünschtem Betreuungsbeginn, der auch im laufenden Kita-Jahr liegen kann, die Anmeldung da sein muss. Die Kitas beraten erst im November und Dezember, welche Anmeldungen für das kommende Kita-Jahr zu ihren Plätzen passen. Eine Anmeldung im September oder Oktober hat also dieselben Chancen wie eine frühere. Busch-Viet: "Es gibt dann immer diese doofe Phase der Unsicherheit, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber man kann sie verkürzen, wenn man weiß, dass die Entscheidung erst zu einem bestimmten Zeitpunkt fällt." Wie teile ich den Kitas am besten mit, welche von ihnen mir besonders wichtig ist? Bei der Online-Plattform "Little Bird" können Eltern maximal fünf Anmeldungen gleichzeitig hinterlegen. Dabei können sie Prioritäten von 1 bis 5 optional vergeben, auf diese Priorisierung aber auch verzichten. Busch-Viet zufolge sei das aber nicht allen Eltern klar. "Das müssen wir nochmal anders und besser kommunizieren." Viele Eltern sähen die Priorisierung eher als Nummerierung, nicht als Bewertung. Eine Empfehlung für die beste Art der Priorisierung mag Busch-Viet nicht geben, dafür seien die Möglichkeiten zu verschieden. "Man muss sich klar machen, was man mit den Prioritäten als Eltern aussagt. Bei drei Anfragen mit Priorität 1 und einer mit Priorität 5 spricht für die Kitas vieles dafür, erst die mit Priorität zu nehmen." Wann werden die Plätze überhaupt vergeben? Vergeben werden die Plätze nach dem Bedarf der Kinder und den verfügbaren Plätzen, aber in jedem Fall nicht nach dem Eingangsdatum der Anmeldung. Und vor November/Dezember vor Beginn des nächsten Kita-Jahres entscheidet sich auch das nicht. Dann erst besprechen Kitas und Jugendamt den Bedarf und die Zahl der verfügbaren Plätze. So kann das Jugendamt auch abschätzen, wo es voraussichtlich zu Engpässen kommt. Die Zusagen für Kita-Plätze gehen dann größtenteils im Januar an die Eltern. Die müssen sich innerhalb von meist 14 Tagen zurückmelden, ob sie den Platz annehmen. Auch Absagen sollten in dieser Zeit rausgehen. In meiner Wunsch-Kita sind noch Ü3-Plätze frei, ich brauche aber einen U3-Platz. Kann mein Kind nicht einfach einen der freien Plätze haben? Nein, sagt Barbara Busch-Viet. Und zwar aus pädagogischen Gründen. Für U3-Gruppen müsse beispielsweise zwingend ein Schlafraum zusätzlich zum Gruppen- und einem Nebenraum vorhanden sein, der für eine Ü3-Gruppe nicht vorgehalten werden muss. Außerdem muss in der U3-Betreuung mehr und besonders qualifiziertes Personal vor Ort sein. Würden Plätze umgewandelt, würde darunter die Betreuung aller Kinder leiden, so die These. Daher gibt es diese Möglichkeit laut Gesetz nicht. Zwar lässt das Gesetz bei hoher Nachfrage eine Überbelegung der Gruppen mit bis zu zwei Kindern zu, allerdings nur mit Kindern aus derselben Altersgruppe. "Diese Möglichkeit schöpfen wir nach Möglichkeit aber nicht voll aus", sagt Busch-Viet. Im laufenden Kita-Jahr seien die Gruppen wenn überhaupt überwiegend nur mit einem zusätzlichen Kind belegt. Ich habe bisher gar nichts gehört oder nur Absagen bekommen: Was kann ich tun? Barbara Busch-Viet beruhigt zunächst einmal. "Wir haben es in den vergangenen Jahren immer geschafft, allen Kindern einen Platz anzubieten." Dass die ersten Anfragen abgelehnt würden, könne vorkommen. Und es werde nicht vorkommen, dass ein Kind aus Jöllenbeck (Norden Bielefelds) in eine Kita nach Sennestadt (Süden Bielefelds) geschickt werde, nur um alle unterzubringen. In jedem Fall lohnen sich dann Anrufe oder persönliche Gespräche mit den angefragten Kitas oder den Mitarbeitern des Jugendamtes (Ansprechpartner hier). Zusätzlich zu den 12.620 Plätzen, die im kommenden Kita-Jahr zur Verfügung stehen, gibt es für U3-Kinder auch die Möglichkeit der Kindertagespflege. 865 Plätze bieten 200 Tagespflegepersonen an. Die Vermittlung übernehmen die Von-Laer-Stiftung und die AWO für die verschiedenen Bereiche der Stadt. Was nicht mehr vorkommen sollte, sind Anfragen, die gar nicht beantwortet werden. Im vergangenen Jahr hätten einzelne Kitas Anfragen in "Little Bird" nicht abgelehnt, obwohl alle Plätze belegt waren. Die Daten der Kinder abgelehnten Kinder sollten nicht verloren gehen für den Fall, dass noch Plätze frei werden. Viele Eltern waren verunsichert, warteten auf Antwort und konnten keine weiteren Anfragen losschicken, weil die maximale Anzahl aktiver Vormerkungen schon erreicht war. Um sich zu helfen, deaktivierten Eltern Vormerkungen vereinzelt selbst, mit der Folge, dass diese den Vermerk "kein Interesse der Eltern" bekamen. "Wir schulen seitdem alle Kitas dahingehend, dass diese Daten auch auffindbar sind, wenn die Anfragen schon abgelehnt sind", sagt Busch-Viet. Falls es dennoch keine Rückmeldung gebe, sollten Eltern die Kitas anrufen und den Fall klären. Auch das Jugendamt kann dann helfen. Busch-Viet weist darauf hin, dass Little Bird allen Beteiligten bei der Suche und Vermittlung der Plätze hilft, bei Fragen oder Unsicherheiten aber nicht den persönlichen Kontakt zum Jugendamt oder der Kita ersetzt.

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