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Gemeinsam für den Klimaschutz am Start: Turnierdirektor Ralf Weber (l.) und Noventi-Geschäftsführer Sven Jansen. - © Sarah Jonek
Gemeinsam für den Klimaschutz am Start: Turnierdirektor Ralf Weber (l.) und Noventi-Geschäftsführer Sven Jansen. | © Sarah Jonek

Tennis in Halle So umweltfreundlich sind die Noventi Open

Neuer Titelsponsor des Haller Rasenturniers hat sich den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Erste Maßnahmen sind schon umgesetzt

Stephanie Fust
22.06.2019 | Stand 22.06.2019, 20:49 Uhr

Halle. Noch verspricht die Werbung mehr, als tatsächlich dahinter steckt. Aber die Haltung ist es, die zählt. "Advantage Earth - Willkommen beim schönsten klimaneutralen Tennisturnier der Welt - auf den Noventi Open", heißt es auf der Rückseite der Turnierzeitung "Matchpoint". Hintergrund ist, dass sich das Haller Rasentennisturnier auf Anregung des neuen Titelsponsors Noventi den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben hat und Umweltbelastungen während des Turniers weitestgehend reduzieren will. "Unsere Mission ist es, die Noventi Open zum klimaneutralsten Tennisturnier der Welt zu machen", erklärt Dr. Hermann Sommer, Vorstandsvorsitzender der Noventi Health SE. "In all unseren Entscheidungen berücksichtigen wir ökonomische, ökologische und soziale Gesichtspunkte - und sind als einer der wenigen Branchenvertreter im Gesundheitsmarkt bereits als klimaneutrales Unternehmen zertifiziert." Konkret bedeutet das, dass das Handeln der Unternehmensgruppe keinen CO2-Fußabdruck hinterlässt. Dieses Prinzip will der Gesundheitsdienstleister nun unbedingt auf Deutschlands größtes Tennisturnier übertragen. Auf nachhaltige Verpackungslösungen wird Wert gelegt Ein Blick auf die Verkaufsstände rund um das Gerry-Weber-Stadion verrät, dass sich bereits einiges getan hat. Neben dem üblichen Porzellan- und Glasgeschirr werden nun recycelbare Plastikbecher für Kaltgetränke verwendet. Den Coffee to go gibt es in kompostierbaren Behältern und so manches Essen wird auf umweltfreundlichen Palmblättern serviert. "Der Veranstalter hat uns vor dem Turnierstart darüber informiert, dass in Zukunft auf klimafreundliche Verpackungslösungen Wert gelegt werde", bestätigt Marcel Rossel vom Rosendahl Catering in Bielefeld. Das Unternehmen lege aber ohnehin Wert auf eine umweltgerechte Entsorgung, ergänzt Rossel und bezeichnet die in der Auslage noch vorhandenen Strohhalme und Becher aus Plastik als Altbestände, die man nicht wegwerfen wolle und deshalb aufbrauche. E-Mobilität und E-Tickets Auch an anderen Ständen ist durchaus noch Plastik zu finden, in Besteckform zum Beispiel. "Wir sind noch am Anfang", erklärt Sven Jansen, geschäftsführendes Vorstandsmitglied bei Noventi. In diesem Jahr habe man in einer Art Übernachtaktion alle Plastikbecher verbannt und Mehrwegbecher eingeführt. Für die Zukunft denke man über weitere Maßnahmen nach. "Wir könnten Richtung E-Mobilität gehen, das heißt, dass die Verkaufsstände mit Elektro-Autos ausgestattet werden. Zudem könnten wir die Tickets verkleinern oder in E-Tickets umwandeln", erzählt Jansen. Ein Shuttle-Service sowie eine Nutzungsberechtigung des Öffentlichen Nahverkehrs für alle Ticketbesitzer ist bereits vor Jahren eingeführt worden, auch um das Verkehrschaos während der Turniertage klein zu halten. "Die Zahlen darüber, wie effektiv das genutzt wird, habe ich noch nicht", sagt Turnierdirektor Ralf Weber. "Aber auch diesen Bereich müssen wir uns noch einmal genau anschauen." 13.600 Tonnen an CO2-Ausstoß während der Turnierwoche Aber wie umweltbelastend ist denn das Haller Rasenturnier überhaupt? Die Nachhaltigkeitsexperten von "Fokus Zukunft" haben im Auftrag von Noventi die Menge an CO2 sowie die während der Turnierwoche konsumierten Speisen und Getränke und andere für die CO2-Menge wesentlichen Faktoren berechnet und sind dabei auf eine Gesamtmenge von 13.600 Tonnen CO2 gekommen. Laut Jansen sei dies circa ein Drittel von dem, was in dem vergleichbaren Zeitraum bei einer Fußball-Weltmeisterschaft ausgestoßen werde. Ein 120igstel vom Bier- und Fleischkonsum auf dem Münchner Oktoberfest Durch die angedachten Maßnahmen in der Zukunft, "glauben wir, diesen Wert noch einmal dritteln zu können", erklärt Jansen. Angesprochen auf den ebenfalls klimabelastenden Fleischkonsum hat der wortgewandte 44-Jährige gleich weitere Vergleichszahlen parat. Die dürften aber kaum wissenschaftlich belastbar sein. "Ich habe mal eine Überschlagskalkulation im Vergleich zum Münchner Oktoberfest gemacht. Da sind wir hier in Halle so etwas von harmlos. Nicht nur beim Bier- sondern auch beim Fleischkonsum", meint der Noventi-Geschäftsführer. "In Halle wird ein 120igstel von dem umgesetzt, was auf "der Wiesn" umgesetzt wird. Aber wir werden auch in Richtung des ökologischen Anbaus denken. Wir sind noch am Anfang." Turnierdirektor Ralf Weber will das Thema Umweltschutz sogar beim Treffen aller Turnierdirektoren in Wimbledon auf die Agenda bringen. "Das muss doch auch andere Veranstalter interessieren. Aber vielleicht müssen wir den Anfang machen und dann ziehen andere nach."

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