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Karsten Stolle realisiert kurz vor dem Einlauf an der Promenade, dass er sein gestecktes Ziel erreichen wird. Ein großer Glücksmoment für ihn. - © NW
Karsten Stolle realisiert kurz vor dem Einlauf an der Promenade, dass er sein gestecktes Ziel erreichen wird. Ein großer Glücksmoment für ihn. | © NW

Hermannslauf 2015 Experiment: Mann macht ohne Lauftraining beim Hermannslauf mit

Karsten Stolle bereitete sich auf besondere Weise auf Wettkampf vor

Matthias Foede
28.04.2015 | Stand 28.04.2015, 09:37 Uhr

Bielefeld. Es ist wohl die süßeste Versuchung, seit es den passenden Werbeslogan dazu gibt. Laufe den Hermannslauf, ohne dafür wie gewohnt zu trainieren. Ohne sich im Winter durch Wälder und über Berge zu quälen. Ohne sich mindestens dreimal die Woche aufzuraffen und 60 bis 90 Minuten zu joggen. Stattdessen offeriert der etwas andere Vorbereitungsplan Ruhezeiten, ein spezielles Fitnessprogramm und eine veränderte Ernährung. Mehr nicht. "Ja nee, is klar", würde Comedian Atze Schröder sagen und mit dem Finger an seine Schläfe tippen.

Doch der Bielefelder Physiotherapeut Karsten Stolle hat es probiert. Er hat sich seine ganz persönliche Mixtur für die Vorbereitung zubereitet - komplett ohne Lauftraining. "Was soll ich sagen, es hat tatsächlich funktioniert", freut sich der 52-Jährige. Der Mann, der unter anderem die Beine der Ex-Hermannslaufsieger Ingmar Lundström und Marcus Biehl knetet, lief mit dieser ungewöhnlichen Methode am Sonntag nach exakt 2:57:18 Stunden ins Ziel. Drei Stunden hatte sich der 1,69 Meter große und 58,5 Kilogramm leichte Athlet mit einer Hermannslaufbestzeit von 2:41 Stunden (2013) als Obergrenze gesetzt.

Eckpfeiler der Vorbereitung

Gemessen an dem läuferischen Trainingsaufwand ist seine Zeit bärenstark. "Viele meinten, das ginge nicht. Das sei Quatsch", gesteht Stolle im Nachhinein und weiß, dass sich die Geschichte ein bisschen so anhört, als würde man einem Übergewichtigen dazu raten, möglichst viel Schokolade zu essen, um abzunehmen. Doch es ist entschieden anders. Stolles Vorbereitung basierte auf drei Eckpfeilern: Work-out nach Mark Lauren, Ernährung und Regeneration.

Das Fitnesstraining, bei dem der Sportler mittels Kraft- und Koordinationsübungen hauptsächlich die sogenannte "schnelle Muskulatur" stählt, zog Stolle drei Monate lang durch. In 90 Tagen absolvierte er 44 Einheiten, die zwischen 30 und 60 Minuten Zeit in Anspruch nahmen.

Dazwischen war Pause und Erholung - gerne auch mal auf dem Sofa. Während dieser drei Monate stellte Karsten Stolle seine Ernährung um und reduzierte den Konsum von Kohlenhydraten extrem. "Keine Nudeln, keine Pizza, kein Brot und keine Kartoffeln", bestätigt er. Dieser Ansatz ist bei Ausdauersportlern absolut ungewöhnlich, denn in der Regel schwören diese auf eine kohlenhydratreiche Ernährung, um genügend Energie im Tank zu haben.

Wissenschaftler segneten Projekt ab

Stolle ließ sich sein Experiment von Dr. Elmar Wienecke (Saluto, Halle) und Prof. Elke Zimmermann (Universität Bielefeld) absegnen. "Sie haben nicht sofort die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen", erzählt Versuchskaninchen Stolle. Der Körper könne, so die Theorie, Energie auch durch die Fettverbrennung im Körper bereit stellen. "Da sind selbst bei mir noch drei, vier Marathons drin", sagt der hagere Stolle. Erst am Wettkampftag pumpte er sich mit Kohlenhydraten in Form von Gels voll. "Das hatte den Effekt, als hätte ich Kerosin im Blut", berichtet der 52-Jährige von einem "entspannten Wettkampf ohne jegliche Atemnot".

Lediglich ab dem Schopketal seien die Beine etwas schwer geworden. Dennoch stand nie zur Diskussion, dass Stolle sein Experiment hätte abbrechen müssen. Sein vorsorglich eingestecktes Taxigeld benötigte er unterwegs nicht, er investierte es vielmehr am späten Nachmittag bei einer Frittenschmiede seiner Wahl. "Gyros, Pommes, Mayonnaise. Und weil ich meine Medaille noch um den Hals hängen hatte, hat mir der Wirt einen Liter Cola geschenkt", sagt Stolle. Experiment beendet.

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Fitness nach Mark Lauren

Seit Jahren bereitet Mark Lauren, der mittlerweile Bestsellerautor ist, Elitesoldaten physisch auf ihren Einsatz vor. Dabei hat er ein extrem effizientes Trainingskonzept entwickelt, das ganz ohne Hilfsmittel auskommt und nur das eigene Körpergewicht als Widerstand nutzt. Die Übungen sind auf kleinstem Raum durchführbar und erfordern ein Minimum an Zeit: Viermal pro Woche 30 Minuten trainieren, genügt, um in Rekordzeit schlank, stark und topfit zu werden.
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