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Johannes Pöhlandt im Ziel. - © FOTO: STEFAN GEROLD
Johannes Pöhlandt im Ziel. | © FOTO: STEFAN GEROLD

Musik, Melone, Muskelkater

Wie Sportvolontär Johannes Pöhlandt (25) seinen ersten Hermann erlebt

27.04.2009 | Stand 26.04.2009, 23:28 Uhr

Bielefeld. Beim Hermann ist nichts normal. Im Gymnasium am Waldhof, wo am Morgen die Startnummern ausgegeben werden, ist die Schlange vor der Herrentoilette länger als die vor dem Damen-WC. "Hermann hat sich vor der Schlacht am Teutoburger Wald bestimmt auch noch erleichtert", witzelt ein Läuferkollege hinter mir.

Ich werde es vor meiner ersten Hermann-Schlacht genauso machen. Allerdings habe ich keine Lust, 15 Minuten zu warten, und steige in den Bus nach Detmold. Beim Gespräch mit meinem Sitznachbar Dirk Mittermüller (43) aus Bünde kommen zahlreiche Gemeinsamkeiten ans Licht. Wir beide wollen in diesem Jahr unseren ersten Marathon laufen, geben heute unser Hermann-Debüt und haben uns drei Stunden als Richtzeit gesetzt. "Das Wichtigste ist, dass man gut vorbereitet ist", sagt Dirk.

Ich bilde mir ein, genügend Kilometer in den Beinen zu haben. Aber das beste Training nützt nichts, wenn man nicht mit möglichst geringer Masse an den Start geht. Zum Glück sind die Schlangen vor den Dixie-Klos am Hermannsdenkmal noch kurz. Trotzdem dauert es lange, bis ich an die Reihe komme. "Wenn die so langsam laufen, wie sie ihr Geschäft verrichten, wird das heute nix", meckert ein Kollege neben mir. Harndrang und Durst sind wohl Zeichen von Nervosität. Soll ich noch einen Schluck trinken? Oder führt das nur zu Magenkrämpfen? Verdammt, es wird Zeit, dass es losgeht.

Um 11.15 Uhr fällt für mich der Startschuss. Der Hermann kehrt uns Läufern seinen Rücken zu. Eine Frechheit. Dafür entschädigt das Gefälle auf den ersten drei Kilometern. So könnte es bleiben. Doch schon bald fällt mir das Atmen schwer. "Das gibt heute wieder Staub ohne Ende", hatte jemand im Bus gesagt – fürwahr. Ich halte mir die Hände vor Augen und Mund, um mich zu schützen. Wegen des Staubs wird mein Mund trocken, die erste Verpflegung an der Panzerbrücke kommt gerade recht.

Den Tönsberg erklimme ich erstaunlicherweise problemlos, das Volksfest in Oerlinghausen ist der Lohn. Krachende Musik erfüllt die Straße. "Gemma Bier trinken" – gerne, aber erst am Abend. Beim Laufen bevorzuge ich Wasser, um die Schmerzen in den Beinen zu lindern. Auf T-Shirts von Zuschauern lese ich den Spruch "Wo Schmerzen sind, da ist noch Leben".

Und wie ich lebe! Obwohl mir Anwohner des Wandweges ein Stück Wassermelone gereicht und eine Dusche aus dem Gartenschlauch verpasst haben, zieht es mir auf den Lämershagener Treppen die Schuhe aus. Ich brauche einige Minuten, um danach wieder in Schwung zu kommen. Und siehe da – es sind sogar noch Körner übrig. Ich verschärfe das Tempo, Freunde unter den Zuschauern an der Promenade geben mir den letzten Kick. Die Uhr stoppt bei 2:58:39 Stunden.

Erst als mich im Ziel hinhocke, nehme ich das Ausmaß der Erschöpfung wahr. Die Beine versagen fast ihren Dienst. Der Muskelkater in den Oberschenkeln wird mich wohl noch einige Tage begleiten. Der Hermann ist eben alles – nur nicht normal.

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