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Großer Rückhalt: Die Fans stehen zu ihrem SC Paderborn, wie hier bei der Aufstiegsfeier auf dem Rathausplatz. - © Besim Mazhiqi
Großer Rückhalt: Die Fans stehen zu ihrem SC Paderborn, wie hier bei der Aufstiegsfeier auf dem Rathausplatz. | © Besim Mazhiqi

SC Paderborn Absage der RB-Kooperation kittet Risse in der Paderborner Fanszene

Besonders in der Kritik der Fans steht die Kommunikationspolitik des Vereins rund um die ursprünglich angedachte Kooperation mit dem Bundesliga-Konkurrenten

Uwe Müller
21.06.2019 | Stand 21.06.2019, 17:47 Uhr

Paderborn. Es gab viele Proteste als der SC Paderborn und RB Leipzig verkündeten, dass sie eine Kooperation planen. Erst drohte die aktive Fanszene mit Boykott, dann gab es eine Online-Petition und zuletzt die über 30.000 Wurfblätter gegen die Kooperation. Als nun die geplante Zusammenarbeit des SCP mit RB Leipzig vorzeitig abgeblasen wurde, begründeten es die Verantwortlichen des Erstliga-Aufsteigers damit, dass ein zielgerichteter fachlicher Austausch auf Grund unterschiedlicher Ansichten nicht wie geplant umsetzbar ist. Von einem Hinweis auf die Fan-Proteste keine Spur. Der SCP verwies sogar deutlich darauf, dass es keine weiteren Beweggründe gab. So sehr sich die Anhänger des SCP über das Nichtzustandekommen der Kooperation freuen, so sind sie auch verärgert, dass ihre ganzen Aktionen aus Sicht der Verantwortlichen ihres Herzensclubs nichts dazu beigetragen haben sollen. „Das ärgert mich sehr. Das ist sehr schwach von der Vereinsführung", sagt Jan Fischer, der die Online-Petition ins Leben gerufen hatte. Deutschlandweite Wahrnehmung des SCP über Nacht gedreht „Ganz Deutschland berichtet über die Fanaktionen gegen diese Kooperation und der Vorstand des SCP ignoriert sie? Das ist ein ganz schwaches Bild und eine grottenschlechte Öffentlichkeitsarbeit", legt Fischer nach. Der in Arnsberg praktizierende Zahnarzt, der nach eigenen Angaben kein Heimspiel des SCP verpasst, hatte sich mit einem offenen Brief an die Geschäftsführung und das Präsidium des SC Paderborn gewandt – stellvertretend für viele seiner Freunde aus Block P. Der SCP sei über Nacht von einem sympathischen Underdog, dem viele in Deutschland den Aufstieg gegönnt haben, zu einem der drei unbeliebtesten Vereine des Landes geworden. Dies könne und dürfe der Führung des Vereins nicht verborgen bleiben, beschreibt Fischer unter anderem in seiner Online-Petition, die über 2.500 Unterstützer hat. Darin wird auch der „sofortige Stopp" der Zusammenarbeit mit den Leipzigern gefordert. Ansonsten drohe die tiefe Spaltung des Vereins und ein kaum wieder zu korrigierender gravierender Imageverlust. Gesprächstermin mit Vereinsführung bleibt bestehen „Über die Resonanz auf mein Schreiben bin ich sehr zufrieden", sagt Jan Fischer, der in Paderborn seine Assistenzarztzeit verbrachte und dabei den SCP kennen und lieben lernte. „Ich bin total glücklich, dass von einer Kooperation nun Abstand genommen wird. Das ist sehr, sehr wichtig, denn es gab schon einen Riss in der Fanszene. Jetzt haben wir die Chance, wieder zusammenzuwachsen", so Jan Fischer. Mit dem Boykott-Aufruf und der Flyer-Aktion hatte er nichts zu tun, dankt aber den Fans, dass auch sie etwas unternommen haben. „Ich will auf alle Fans zugehen. Ich habe auch die akzeptiert, die in der Kooperation etwas Gutes gesehen haben", meint der Zahnarzt, der betont, sich nicht als Sieger zu fühlen. Jan Fischer gehört auch zu den Fans, die von der Geschäftsführung des SC Paderborn zum Austauschgespräch Ende Juni eingeladen wurde. Fischer sagt: „Ich werde natürlich da hingehen und mir alles anhören. Das Problem liegt nun beim Verein, nicht mehr bei den Fans." Die Vereinsführung des SC Paderborn hatte der Fanszene schon nach der ersten Protestwelle angeboten, sich zu einem Austauschgespräch zu treffen. „Das Angebot wurde von den Fans angenommen und wird in der letzten Juniwoche stattfinden. Bis dahin werden wir das Thema nicht kommentieren", sagte Martin Hornberger, Geschäftsführer vom SC Paderborn.

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