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Souverän: Arminias Keeper Wolfgang Kneib pflückt den Ball vor Stürmer Klaus Fischer im Spiel 1981 gegen Köln. Foto: Hartmann - © Thomas Grundmann
Souverän: Arminias Keeper Wolfgang Kneib pflückt den Ball vor Stürmer Klaus Fischer im Spiel 1981 gegen Köln. Foto: Hartmann | © Thomas Grundmann

Arminia vor dem Gladbach-Spiel Als Wolfgang Kneib mit Arminia die Gladbacher von der Alm fegte

Eine ungewöhnliche Vorbereitung verhelfen dem DSC und Torwart Wolfgang Kneib zu einem denkwürdigen Sieg gegen dessen Ex-Klub Borussia Mönchengladbach.

Peter Burkamp
09.09.2021 | Stand 10.09.2021, 05:47 Uhr

Bielefeld. Am Sonntag spielt  Arminia Bielefeld  um 19.30 Uhr gegen Borussia Mönchengladbach. Ein Spiel, das wunderbare Erinnerungen an 1982 bei manchem Arminen-Fan weckt. Einer, der damals mit auf dem Rasen stand, ist Torwart Wolfgang Kneib.

Wenn Fabian Klos das Gesicht Arminia Bielefelds der vergangenen Dekade ist, dann steht Wolfgang Kneib (68) für die Bundesligazeit und das Jahrzehnt nach 1980. Gefühlt war der hochgewachsene Torwart in dieser Zeit die einzige Konstante. Mit Ausnahme der Saison 82/83 verteidigte er seinen Stammplatz auf den Mannschaftsfotos bis 1993 stets erfolgreich, während um ihn herum die Belegschaft munter wechselte. Kneib blieb dem DSC treu und ging sogar den bitteren Weg bis in die drittklassige Oberliga mit. Er ist mit 405 Pflichtspiel-Einsätzen DSC-Rekordspieler.

„Arminia hat mir 1980 die Möglichkeit gegeben, weiter in der 1. Bundesliga zu spielen. Über die Jahre ist dann eine Verbundenheit entstanden, die ich mit keinem anderen Verein erlebt habe", sagt Kneib – und das, obwohl er in Mönchengladbach tolle Erfolge feierte. Mit den Borussen wurde er 1977 Deutscher Meister, stand im gleichen Jahr im Finale des Europapokals der Landesmeister, das in Rom gegen den FC Liverpool mit 1:3 verloren ging. 1979 gewann er den UEFA-Pokal gegen Roter Stern Belgrad. Ein Jahr später scheiterten die Borussen im Finale an Eintracht Frankfurt.

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Trotz dieser Erfolge bangte Kneib 1980 um seine Zukunft bei der Borussia und in der ersten Liga. „Jupp Heynckes wurde neuer Trainer in Gladbach, und er holte seinen ehemaligen Mitspieler Wolfgang Kleff zurück. Da wusste ich, dass ich einen sehr schweren Stand haben würde." Dann kam das Angebot aus Bielefeld.  Arminia  suchte einen Nachfolger für Uli Stein und war bereit, die für damalige Verhältnisse hohe Ablösesumme von 650.000 Mark für einen Torwart zu zahlen. Der 27-Jährige griff zu.

Wolfgang Kneib 1979 mit dem UEFA-Pokal. Foto: imago - © imago images/Sportfoto Rudel
Wolfgang Kneib 1979 mit dem UEFA-Pokal. Foto: imago | © imago images/Sportfoto Rudel

Die Trainingswoche lief nicht hundertprozentig

Umstände und Ursache seines Abschieds aus Mönchengladbach hat Kneib auch ein Jahr nach seinem unfreiwilligen Wechsel nicht vergessen, als der Spielplan die Borussia am 8. Mai 1982 auf die Bielefelder Alm führte. Arminia hatte gerade einen wichtigen 3:2-Erfolg in Stuttgart gelandet. Von einem Befreiungsschlag gegen den VfB war die Rede, bei dem neben den Förster-Brüdern auch der damals 18-jährige, spätere Armine Günther Schäfer in der Defensive spielte. Ein weiterer Erfolg, und die nächste Saison in der ersten Liga wäre gebucht.

Doch Wolfgang Kneib hatte kein so ganz gutes Gefühl, als die Mannschaft am Freitag wie immer vor den Heimspielen ins Hoberger Landhaus zog. „Alles, was Horst Franz hinsichtlich Training und Vorbereitung versuchte, hat nicht hundertprozentig gefruchtet", erinnert sich Kneib.

»Das hat ein bisschen den Druck genommen«

So verließ er am Freitagabend ohne große Erwartungen gegen 22 Uhr sein Zimmer. Damals war es Usus, sich vor der Nachtruhe noch einmal an der Hotelbar zu treffen. Kneib: „Wer wollte, trank auch ein alkoholisches Getränk." Trainer, Betreuer und vor allem die älteren Spieler pflegten dieses Ritual. Ein Bierchen und  ab ins Bett. „Doch dieses Mal war es anders. Wir sind alle sitzengeblieben", erzählt Wolfgang Kneib. Ein zweites, ein drittes Bierchen wurde gezapft. Die Zeit verging. Irgendwie rückte das Spiel in den Hintergrund.

Auch Fußball-Anekdoten wurden zum Besten gegeben. „Aber wir haben uns einfach auch mal über andere Dinge unterhalten. Jeder merkte, dass man sich abseits des Fußballs austauschen kann. Das hat ein bisschen den Druck von unserer Situation genommen." Physiologisch mag der spontane Mannschaftsabend nicht die beste Vorbereitung auf ein wichtiges Bundesligaspiel gewesen sein.

Höchster Bundesligasieg in der Vereinsgeschichte

Psychologisch erwies sich das als Volltreffer. Arminia „fieselte" die favorisierten Gladbacher in einer starken zweiten Halbzeit mit 5:0 ab. Trainer, Mannschaft und 28.000 Zuschauer auf der Alm feierten den Klassenerhalt. Das Spiel – und ein Erfolg in gleicher Höhe gegen Darmstadt 98 – steht bis heute als höchster Bundesliga-Heimsieg in den Vereins-Annalen.

Wolfgang Kneib und die Arminen jubelten nach dem Sieg ausgelassen. Für den Torwart war es ein doppeltes Glücksgefühl und sein emotionalster Moment im Sport mit Arminia: „Einerseits, weil wir die hoch angesehene Gladbacher Mannschaft so klar schlagen konnten und andererseits, weil wir ein weiteres Jahr 1. Liga in Aussicht hatten." Den Verlierern begegnete Kneib mit gemischten Gefühlen. „Meine Kameraden, mit denen ich noch zusammengespielt hatte, taten mir schon ein wenig leid. 5:0 einen auf den Sack zu kriegen ist nicht lustig."

Es sei aber auch ein bisschen Schadenfreude gegenüber Jupp Heynckes dabei gewesen. „Er war letztlich ausschlaggebend, dass ich gegangen bin, weil er Kleff zurückgeholt hat. Für mich war da kein Platz mehr." Völlig überraschend für ihn selbst und die Fans verlängerte der damalige DSC-Manager Norbert Müller Kneibs Vertrag nach dem Klassenerhalt 1982 nicht. Um Geld einzusparen, versuchte Müller den Torwart zu verkaufen.

Kneib als arbeitsloser Künstler

Ein Wechsel scheiterte an zu hohen Ablöseforderungen. Kneib meldete sich als erster Fußballspieler in Deutschland beim Arbeitsamt. Er wurde als „arbeitsloser Künstler" kategorisiert und wartete vergeblich auf Jobangebote. Arminia setzte in dieser Saison im Tor auf den Finnen Olli Isoaho. Die Zeit Müllers währte zu Kneibs Glück nicht lang. Zur nächsten Spielzeit holten die Arminen ihren Torwart zurück. Prompt feierten sie mit ihm erneut den Klassenerhalt.

1985 setzte sich dann der Fahrstuhl nach unten in Bewegung, 1988 erneut. Wolfgang Kneib war dabei, als er in der Oberliga Halt machte. Erst 1993 beendete er seine Karriere. Vergessen waren da die Unstimmigkeiten gegen Ende seiner letzten Saison. „Ich habe mir erlaubt, dem damaligen Trainer Ingo Peter einige Sachen zu sagen. Das hat dem Verein nicht so gefallen." Kneib wurde kurzzeitig suspendiert, klagte sich jedoch erfolgreich ins Training zurück und spielte sogar wieder, als sich Peters Nummer eins, Alex Ogrinc, verletzte.

"Bielefeld ist meine Stadt"

Heute blickt Wolfgang Kneib mit sehr positiven Gedanken auf fast 13 Jahre mit Höhen und Tiefen und mehr als 400 Pflichtspielen für Arminia zurück. Auch zu den Gladbachern pflegt er gute Kontakte. Als jedoch die Borussen 2015 im Pokal auf der Alm antraten, hielt er mit dem DSC. Für Kneib gilt schon länger: „Bielefeld ist meine Stadt, hier bin ich zu Hause."

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