Über den Stadionverkauf informieren Präsident Hans-Jürgen Laufer (l.), Geschäftsführer Markus Rejek, Maurice Eschweiler (DMG Mori) und Cristoph Borchard (Borchard GmbH und Co. Bau KG) . - © Dennis Rother
Über den Stadionverkauf informieren Präsident Hans-Jürgen Laufer (l.), Geschäftsführer Markus Rejek, Maurice Eschweiler (DMG Mori) und Cristoph Borchard (Borchard GmbH und Co. Bau KG) . | © Dennis Rother

Arminia Bielefeld Historischer Tag für Arminia Bielefeld: Stadionverkauf ist besiegelt

Der DSC informierte am Mittwoch ausführlich über Stadionverkauf und Sanierung

Dennis Rother
Philipp Kreutzer

Bielefeld. Arminia Bielefelds Führungsriege hat am Montagmittag, also wenige Stunden vor der Hauptversammlung, in einer Pressekonferenz die mit dem Stadionverkauf abgeschlossene Sanierung bekanntgegeben. "Wir sind jetzt netto-finanzschuldenfrei", sagte Geschäftsführer Markus Rejek. Die Schüco-Arena wird an Bielefelder Immobilien-Experten und sechs Unternehmen aus dem Bündnis OWL verkauft. Das Prozedere soll Mitte Dezember abgeschlossen sein. 26,5 Millionen Euro Schulden wurden binnen eines Jahres abgebaut. Im letzten Winter hatte sich die finanzielle Krise des DSC zugespitzt und war existenziell. Neben einer bilanziellen Überschuldung mit knapp 30 Millionen Euro Verbindlichkeiten drohte dem DSC zum Ende des Jahres im Dezember 2017 Zahlungsunfähigkeit. Die Nachlizenzierung der DFL zur Saison 2017/2018 wies zudem eine Lücke von 4,6 Millionen Euro aus, die bis Mitte Januar 2018 geschlossen werden musste. Einigung im Winter Unter diesem Druck erstellte der DSC gemeinsam mit Beratern sowie der Prüfungsgesellschaft Deloitte ein Sanierungsgutachten, berichtete Markus Rejek. Zentrale Ankerpunkte der Sanierung seien der Schuldenschnitt durch die institutionellen und privaten Gläubiger, die Zufuhr von frischem Kapital in Millionenhöhe sowie der Verkauf der SchücoArena gewesen. In Verhandlungen mit allen Gläubigern war es im letzten Winter gelungen eine Einigung über die Sanierung der Arminia Gruppe zu erzielen, berichtete der DSC. Private Gläubiger, allen voran das Haus Weber aus Halle, die Unternehmen JAB Anstoetz, Schüco International und weitere private Firmen sowie die Sparkasse Bielefeld und die Volksbank Gütersloh-Bielefeld waren bereit, auf Teile ihrer Forderungen zu verzichten unter der aufschiebenden Bedingung, dass mit den Erlösen aus dem Stadionverkauf alle Restschulden getilgt werden. Kapitalerhöhung im März Darüber hinaus konnte das sogenannte „Bündnis OWL" gegründet werden, mit zehn Unternehmen aus Bielefeld und der Region Ostwestfalen-Lippe: Dr. August Oetker KG, Gauselmann AG, JAB Josef Anstoetz KG, Möller-Group, Schüco International KG, Goldbeck GmbH, DMG Mori AG, Stockmeier Holding GmbH, Böllhoff Gruppe sowie der Melitta Gruppe. Das Bündnis OWL stellte gemeinsam frisches Kapital in Höhe von 4 Millionen Euro zur Verfügung, davon allein 3,2 Millionen als Kapitalerhöhung im März dieses Jahres in Form gezeichneter Gesellschaftsanteile an der Spielbetriebs GmbH & Co. KGaA. Unmittelbar nach Einigung mit allen Gläubigern startete der DSC den Verkaufsprozess des Stadions. Vor einigen Wochen konnte Arminia Bielefeld nunmehr eine Vereinbarung zum Verkauf des Stadions treffen. Neuer Eigentümer der SchücoArena auf der Bielefelder Alm wird die „Bündnis Alm GmbH", deren Gesellschafter zu je 50 Prozent die „3BO GmbH" und die „STBO GmbH" sind. DSC behält alle Rechte am Stadion Gesellschafter der „3BO GmbH" sind die Unternehmer und Immobilienexperten Franz-Christoph Borchard, Christoph Buse, Jürgen Budde und Hartmut Ostrowski. Gesellschafter der „STBO GmbH" sind die Dr. August Oetker AG, die Gauselmann AG, die DMG Mori AG, die Böllhoff-Gruppe, die JAB Anstoetz und die Möller Group. Maurice Eschweiler, Vorstandsmitglied von DMG Mori, und Christoph Buse werden künftig die Geschäftsführung der „Bündnis Alm GmbH" bilde, teilt der Klub mit. Arminia Bielefeld wird einen Generalmietvertrag mit der Bündnis Alm GmbH unterzeichnen. Das heißt: Der DSC behält alle Rechte am Stadion, wie das Namensrecht, Einnahmen aus Bürovermietungen und Drittveranstaltungen sowie alle weiteren stadiongeborenen Rechte. Im Gegenzug trägt Arminia weiterhin alle Pflichten und somit sämtliche Kosten für die Instandhaltung. Mietvertrag über 15 Jahre Der Mietvertrag ist zunächst für eine Dauer von 15 Jahren geschlossen und beinhaltet eine einseitige Verlängerungsklausel für Arminia von zweimal fünf Jahren, berichteten die Partien. Ebenso verfügt die Arminia-Gruppe über ein Rückkaufsrecht nach fünf Jahren sowie über ein dauerhaftes, exklusives Vorkaufsrecht. Über den Verkaufspreis sowie die Mietkonditionen haben die Parteien Stillschweigen vereinbart, hieß es auf Nachfrage. Für den Verkauf des Stadions sei zudem unabdingbar gewesen, dass der DSC eine Einigung mit der Stadt Bielefeld erzielt. Die Stadt hatte Vorkaufsrechte für das Stadiongelände und darüber hinaus grundbuchliche Darlehensforderungen. Am 8. November hat der Rat der Stadt Bielefeld den Anträgen des DSC Arminia zugestimmt. Demnach beteiligt sich auch die Stadt Bielefeld am Schuldenschnitt unter Verzichtet auf 1,17 Millionen Euro, wovon ein Großteil Zinsen darstellen. Neues Darlehen in Höhe von 2 Millionen Euro Arminia Bielefeld verpflichtet sich die Restschuld in Höhe von 2,23 Millionen Euro bis Ende Januar 2019 zu tilgen. Zur Tilgung dieser Summe nimmt der DSC ein Darlehen in Höhe von 2 Millionen Euro bei der STBO GmbH auf. Nach Abschluss aller Transaktionen können im Rahmen des Sanierungsprojekts über 26,5 Millionen Schulden in der Arminia Gruppe abgebaut werden. Die Arminia-Gruppe ist somit netto-finanzschuldenfrei. Insgesamt verbleiben noch Verbindlichkeiten in der Gruppe in Höhe von 2,5 Millionen Euro (davon entfallen 2 Millionen auf das neue Darlehen). Das Eigenkapital der Spielbetriebs GmbH & Co. KGaA weist zum 30.06.2018 0,43 Millionen auf (Vorjahr minus 3,47 Mio.) und ist somit erstmals wieder positiv. Firmen betonen Standortbekenntnis Die Unternehmen aus dem Bündnis OWL nehmen auch zukünftig nach der Sanierung der Arminia Gruppe eine zentrale Rolle ein. Gemeinsam mit Arminia möchte man Fußballkultur und Unternehmertum verbinden, damit sich Arminia dauerhaft zu einem wirtschaftlich und sportlich erfolgreichen Fußballclub entwickeln kann, berichteten die Protagonisten. Dabei tritt das Bündnis OWL als Investorengruppe für den Erhalt der traditionellen Fußballkultur und Vereinsstruktur in Deutschland ein. Zusammen mit dem Bündnis OWL möchte Arminia Bielefeld für einen starken Standort und die Region OWL werben. Hans-Jürgen Laufer, DSC-Präsident: „Der heutige Montag ist ein historischer Tag für Arminia Bielefeld. Dass wir das Sanierungsprojekt innerhalb eines Jahres abschließen konnten, erfüllt mich mit großem Stolz. Wir betrachten diesen Erfolg aber auch als Auftrag weiterhin verantwortungsvoll mit den Finanzen des Vereins umzugehen. Die Konstellation mit der SchücoArena könnte nicht besser sein für uns. Für unsere Abteilungen, Mitglieder und Fans ändert sich nichts. Die SchücoArena ist weiterhin das Zuhause von Arminia Bielefeld." "Wollen Know-how einbringen" Markus Rejek, DSC-Geschäftsführer: „Wir sind sehr glücklich, mit dem Stadionverkauf die Sanierung zum Abschluss bringen zu können. Eine bessere Konstellation für den Verkauf hätten wir uns nicht wünschen können. Das Bündnis nimmt eine herausragende Rolle ein. Wir wollen den unternehmerischen Geist beim DSC etablieren." Maurice Eschweiler: "Uns eint das gemeinsame Ziel, den DSC nachhaltig zu einem sportlich und finanziell erfolgreichen Club zu entwickeln. Wir verstehen uns nicht als typische Investorengruppe, sondern betrachten Arminia Bielefeld als einen der größten Werbeträger für Ostwestfalen-Lippe und möchten gemeinsam mit dem Club einen eigenen, typisch ostwestfälischen Weg beschreiten. Unser langjähriges unternehmerisches Know-how werden wir auch in Zukunft gewinnbringend einbringen." Franz-Christoph Borchard: „Die Schüco-Arena ist eine der spannendsten und repräsentativsten Immobilien in Ostwestfalen-Lippe. Gemeinsam mit meinen Kollegen in der 3BO GmbH möchten wir unser Know-how einbringen, um das Vermarktungspotenzial des Stadions noch effizienter nutzen zu können. Sicherlich wird es auch in Zukunft keine Konzerte oder Groß-Events in der SchücoArena geben, aber an der einen oder anderen Stelle sind sinnvolle Erweiterungen möglich." Mehr Informationen und Details aus der Pressekonferenz finden Sie hier:

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