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Die Tafeln verteilen viele noch haltbare Lebensmittel an Bedürftige aus der Region. - © Noah Matzat
Die Tafeln verteilen viele noch haltbare Lebensmittel an Bedürftige aus der Region. | © Noah Matzat

"Sind am Limit" Tafeln aus OWL fordern finanzielle Unterstützung vom Staat

Der Hilfsorganisation fehlt es an Mitarbeitern und Infrastruktur, um Lebensmittel effizient zu verteilen. Das sollen Gelder von Bund und Ländern ändern.

Andrea Sahlmen
07.11.2019 | Stand 07.11.2019, 17:53 Uhr
Anneke Quasdorf

Bielefeld/Berlin. Der Dachverband der deutschen Tafeln fordert staatliche Unterstützung für die Verteilung von gespendeten Lebensmitteln. Dies sei nötig, weil es an allen Standorten an hauptamtlichen Mitarbeitern und Infrastruktur fehle. Eine Notlage, die Tafeln in Ostwestfalen-Lippe nur bestätigen können. „Wir sind hier personell absolut am Limit", sagt Wolfgang Hildesheim, Geschäftsführer der Paderborner Tafel. „Ich weiß manchmal morgens nicht, wen ich im Auto rausschicken soll, um die Lebensmittel abzuholen." 80 Prozent der Ehrenamtlichen, die vor Ort arbeiten, seien Rentner. „Die fallen oft krankheitsbedingt aus, eine vernünftige Planung ist da gar nicht mehr möglich." Langfristig werde man zunehmend mit hauptamtlichen Kräften arbeiten müssen. „Deren Bezahlung mit staatlicher Unterstützung sicherzustellen, halte ich für überaus sinnvoll." Arbeitskräfte zu installieren mit hohem Aufwand verbunden Das sieht sein Kollege Winfried Möllers, Vorstand der Bielefelder Tafel, genauso. „Wir leben hier ausschließlich von Spenden, also von der Hand in den Mund, die Finanzierung ist immer behelfsmäßig." Problematisch ist in seinen Augen vor allem der Aufwand, den es braucht, um Arbeitskräfte zu installieren. „Da müssen ohne Ende Anträge ausgefüllt werden, das macht bei uns auch jemand, der nebenbei noch einen vollen Job hat. Und dann sind die Leute nach 14 Tagen wieder weg, das rechnet sich nicht." 11.000 bis 13.000 Euro Kosten fallen monatlich an für Posten wie Personalkosten oder Müllentsorgung. „Da auf einen verlässlichen Etat zurückgreifen zu können, wäre enorm hilfreich." Bei der Herforder Tafel gibt es 12 feste Stellen, die öffentlich gefördert werden. „Damit stehen wir ja schon sehr gut da", sagt die Vorsitzende Barbara Beckmann. „Aber die Stellen sind nicht zu 100 Prozent gefördert, sondern absteigend nach Dauer. Hier wäre eine staatliche Unterstützung dringend angebracht, das schafft ja einfach auch Arbeitsplätze." Große Lebensmittelmengen müssen sogar abgelehnt werden Der Vorsitzende des Dachverbandes, Jochen Brühl, fordert außerdem die Finanzierung von Logistiklagern und Fahrzeugen auf Landesebene, um Spenden annehmen, koordinieren und verteilen zu können. Denn mitunter müssten sogar große Mengen von Produzenten abgelehnt werden, weil die Infrastruktur dem nicht gewachsen ist. Die Bundesregierung nenne die Tafeln zu Recht einen wichtigen Akteur bei der Strategie der Halbierung der Lebensmittelverschwendung, sagte Brühl. Man könne eine Ehrenamtsorganisation mit dieser Aufgabe aber nicht alleinlassen.

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