Tönnies wollte Geflüchteten eine Arbeit in dem Werk anbieten. - © Andreas Frücht
Tönnies wollte Geflüchteten eine Arbeit in dem Werk anbieten. | © Andreas Frücht

NW Plus Logo Kritik an Anwerbung Tönnies-Mitarbeiter wollen Geflüchtete anwerben - und werden "vertrieben"

Der Fleischkonzern bietet Geflüchteten in Polen eine Arbeitsstelle und Unterbringung an. Initiativen üben Kritik und brüsten sich damit, die Mitarbeiter vertrieben zu haben. Tönnies zeigt sich davon schockiert.

Lukas Brekenkamp

Rheda-Wiedenbrück/Przemysl. Der Fleischkonzern Tönnies hat versucht, Geflüchtete an der polnisch-ukrainischen Grenze anzuwerben und ihnen damit eine Unterbringung angeboten. Von Flüchtlingsaktivisten gibt es Kritik - bei Tönnies zeigt man sich deswegen schockiert, ein Sprecher bestätigt die Angebote an Geflüchtete aber.

In sozialen Medien kursiert ein Foto eines Handzettels, nur ein paar Absätze lang: was der Fleischkonzern eigentlich macht - und was er bietet. Elf Euro die Stunde, Weihnachts- und Urlaubsgeld. Eine Unterkunft, deren Miete vom Gehalt einbehalten wird. Für welchen Bereich das Angebot gilt, steht nicht auf dem Schreiben. Drei Mitarbeiter des Konzerns waren mit Zetteln wie diesen in der Stadt Przemysl an der polnisch-ukrainischen Grenze unterwegs, um alleinreisende Frauen anzuwerben. Flüchtlingsaktivisten ist das Vorgehen ein Dorn im Auge, auch andere Helfer äußerten laut Medienberichten Kritik an dem Vorgehen des Fleischriesen.

Eine Initiative, die aktuell in Polen vor Ort ist, machte auf die Tönnies-Aktion Aufmerksam, verbreitete ein Foto des Handzettels in sozialen Medien. In dem Post ist die Rede von Bussen, die bereits bereitstehen. Und von "Ausbeutung". Ein Vorwurf, den die Fleischbranche häufig zu hören bekommt. Denn die Arbeitssituation und die Unterbringungen stehen immer wieder in der Kritik, gelten teils als schlecht. Eine andere Initiative, die sich gegen die "Tierindustrie" richtet, berichtet zudem stolz davon, die Tönnies-Mitarbeiter seien "vertrieben" worden.

Bei dem Fleisch-Riesen in Rheda-Wiedenbrück lösen die Kritik und die Vorwürfe derweil Verwunderung aus. Ein Sprecher nennt die geäußerten Vorwürfe in sozialen Medien gar "beschämend". "Wir bieten den Menschen eine Perspektive an, sie können bei uns arbeiten und kriegen auch eine Unterkunft. Viele wollen Geld verdienen", sagt er weiter. Er betont: "Wir suchen aktuell eigentlich keine neuen Mitarbeiter." Zudem habe man nicht festgeschrieben, in welchem Bereich man den Geflüchteten ein Angebot unterbreitet. Das, so der Sprecher, habe nicht nur in der Produktion sondern auch bis hin zur IT sein können.

Nur alleinreisende Frauen angesprochen

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