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Umstritten: Die E-Zigarette. - © Judith Gladow
Umstritten: Die E-Zigarette. | © Judith Gladow

Pro und Contra E-Zigarette: Gefahr für die Gesundheit oder Weg zum Nichtrauchen?

Befürworter und Gegner der E-Zigarette stehen sich unversöhnlich gegenüber - vor allem bei der Debatte um die Regulierung. Nun gibt es eine EU-Bürgerinitiative. Das sind die Argumente beider Seiten.

Judith Gladow
06.08.2019 | Stand 06.08.2019, 08:25 Uhr

Bielefeld/Berlin. Einen besonders guten Ruf hat die E-Zigarette nicht. Gerade in letzter Zeit sind Forderungen nach strengen Gesetzen laut geworden, die den geforderten Regelungen für Tabakzigaretten entsprechen. Im Zusammenhang mit der Debatte um das Tabakwerbeverbot forderte das etwa SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und auch Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte sich ähnlich. Zuletzt hatte die Weltgesundheitsorganisation in einer Pressemitteilung für eine Regulierung plädiert. Die E-Zigaretten-Branche und die Nutzer reagieren mit einer eigenen Bürgerinitiative. Die Befürworter argumentieren, sie helfe beim Ausstieg aus dem Rauchen. Die Gegner sehen nicht nur die Gesundheit gefährdet, sondern auch die Jugend: Junge Leute könnten dadurch zum Rauchen verführt werden. Wie schädlich sind E-Zigaretten eigentlich? Auch Volker Mellies von der AG Gesundheit der SPD OWL nennt diese Punkte. "Die E-Zigarette soll das Rauchen wieder salonfähig machen", so Mellies auf Anfrage von nw.de. Er habe als Krankenpfleger auf einer kardiologischen Intensivstation im Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen die gesundheitlichen Folgen von Tabakkonsum täglich erleben können. "Alles, was man inhaliert, kann natürlich auch gesundheitsschädigend wirken", betont er. Auf der anderen Seite kommen die Autoren des aktuellen Alternative Drogen- und Suchtberichts der Deutschen Aids-Hilfe zu der Einschätzung, dass E-Zigaretten deutlich weniger schädlich als Tabakzigaretten sind. Dort wird auch beklagt, dass mehr als zwei Drittel der Deutschen darüber nicht (13 Prozent) oder falsch (56 Prozent) informiert seien. Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) geht davon aus, dass E-Zigaretten weniger schaden als herkömmliche.  Darauf weist auch Dustin Dahlmann vom Bündnis für Tabakfreien Genuss (BfTG) hin: "Das wird von keinem seriösen Experten mehr angezweifelt." Der Grund sei, dass im Gegensatz zum Rauchen kein Tabak verbrannt wird. Händler und Konsumenten rufen Bürgerinitiative ins Leben Das BfTG ist ein Zusammenschluss kleiner und mittelständischer Unternehmen aus der E-Zigarettenbranche außerhalb der Tabakindustrie, die nach dem zunehmenden Erfolg der Dampfgeräte selbst mehr und mehr in diesen Markt einsteigt. Das Bündnis setzt sich unter anderem für eine getrennte Regulierung von E-Zigaretten und Tabakprodukten ein. Von einer Gleichsetzung beim Werbeverbot ist der Verband natürlich nicht begeistert. Gemeinsam mit anderen Handelsverbänden und Dampfer-Vereinigungen hat das BfTG die EU-Bürgerinitiative "Vaping Is Not Tobacco" ins Leben gerufen. Als Beispiel für einen anderen Umgang mit dem Thema führt Dahlmann etwa Großbritannien an. Hier schätzte die britische Behörde Public Health England 2015 das Gesundheitsrisiko etwa um 95 Prozent geringer ein als das von Tabakzigaretten. Warum Großbritannien ganz anders mit E-Zigaretten umgeht Seit längerem wird im Vereinigten Königreich das Dampfen als Alternative zum Rauchen sogar aktiv beworben, seit kurzem verfolgt auch Neuseeland eine ähnliche Strategie. "Wesentlicher Teil dieser Politik ist das Thema Schadensminimierung", erklärt Dahlmann. Schaden verhindern wollen allerdings auch Gegner wie die Ärztekammer. "Wir sehen die Gefahr, dass E-Zigaretten eine Art Einstiegsdroge ins Rauchen sind", sagt Volker Heiliger, Pressesprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe auf Anfrage. Er verweist auf ein offizielles Statement der Bundesärztekammer zum Weltnichtrauchertag 2015, die unter anderem warnt, die Langzeitwirkung des Konsums  sei nicht absehbar. Dahlmann kontert, die Wirkung des Aerosols mit oder ohne Nikotin auf den Körper sei im Gegenteil gut untersucht. Das Aerosol - der Dampf - entsteht durch das Erhitzen einer Flüssigkeit aus Veganem Glycerin, Propylenglykol und Lebensmittelaromen. Mehr als 3.500 internationale Studien und medizinische Artikel finden sich unter dem Stichwort "e-cigarettes" in der medizinischen Datenbank PubMed. So alt sind die Durchschnittsdampfer Im offiziellen Drogenbericht der Bundesregierung 2018 wird auf die Entwicklung hingewiesen, dass mehr und mehr Menschen unter 30 Jahren das Dampfen ausprobieren. Regelmäßiger Konsum sei bei den jungen Leuten aber seltener. Dass durch E-Zigaretten wieder mehr Jugendliche zum Rauchen verführt werden könnten, zweifelt Branchenvertreter Dahlmann an. "Die Nutzungszahlen unter Jugendlichen in Deutschland sind sehr gering", sagt er. Regelmäßig würden 0,9 Prozent dampfen. Die meisten der jugendlichen Dampfer seien vorher Raucher gewesen. Das durchschnittliche Einstiegsalter liege bei 31 Jahren. Ohnehin belegen aktuelle Studien, dass die 1,5 Millionen Dampfer in Deutschland eher zu den älteren Semestern gehören. Das Durchschnittsalter liegt für Frauen bei 43,3 für Männern bei 40,1 Jahren. 91,5 Prozent der Dampfer sind danach ehemalige Raucher, 7,5 Prozent rauchen und dampfen gleichzeitig und nur 1 Prozent war vorher Nichtraucher.

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