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Weiße Schrift auf blauem Grund: Ein Logo der LEG Immobilien AG an einem Wohnungsgebäude. - © picture alliance/dpa
Weiße Schrift auf blauem Grund: Ein Logo der LEG Immobilien AG an einem Wohnungsgebäude. | © picture alliance/dpa

Wirtschaft Mieter kritisieren Wohnungsgesellschaft LEG Immobilien

Zwei Tage vor der Hauptversammlung beklagen Mieter die einseitige Ausrichtung der größten NRW-Wohnungsgesellschaft 
auf die Rendite für die Aktionäre. Diese tagen unterdessen hinter verschlossenen Türen.

Lothar Schmalen
28.05.2019 | Stand 28.05.2019, 17:17 Uhr

Düsseldorf. Die Botschaft lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Enteignet die LEG" ist auf einem Protestschild zu lesen. Zwei Tage vor der Hauptversammlung der LEG Immobilien AG machen Mieter Front gegen die größte NRW-Wohnungsgesellschaft (134.000 Wohnungen). Sie werfen dem Konzern vor, die Mieten nach oben zu treiben, nur um den Aktionären eine „überzogene Dividende" zahlen zu können".

Außerdem werde die Wohnungsverwaltung zunehmend automatisiert und sei mit der Behebung von Schäden und der Lösung lokaler Probleme überfordert, sagt Knut Unger, Sprecher des Mietervereins Witten der Neuen Westfälischen.

Rita Zachraj, LEG-Mieterbeirätin aus Dorsten, berichtete, dass die LEG beabsichtige, 1.200 Wohnungen im Stadtteil Barkenberg an einen bislang geheim gehaltenen Investor zu verkaufen. „Wir haben Angst vor einer neuen Heuschrecke", so Zachraj. „Auf den strukturell schwachen Stadtteil kommen harten Zeiten zu", so Zachraj weiter.

Gemeinsam mit SPD, Grünen und der örtlichen Linken fordert der Mieterbeirat eine Rückübereignung an die öffentliche Hand.

Benachteiligte Standorte werden abgestoßen, attraktivere Gebiete bevorzugt

Während der Konzern benachteiligte Standorte abstoße, baue er anderswo teure neue Wohnungen, zum Beispiel in Münster, berichtet Werner Szybalski von der LG-Mieter-Initiative Münster. „Hier sollen in den nächsten Jahren 1.000 Wohnungen im gehobenen Segment entstehen mit Mieten von bis zu 12,50 Euro pro Quadratmeter."

Die LEG weist die Kritik der Mieter in einer Stellungnahme an die Neue Westfälische zurück. Einen Käufer der Wohnungen in Barkenberg könne man noch nicht nennen, versichere aber, jemanden auszuwählen, „der sich langfristig am Standort engagiert".

Bei den Mieterhöhungen halte man sich an alle gesetzlichen Regelungen und biete „stets ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis".

„Die LEG-Mieter sind keine Rendite-Legehennen und auch keine Spekulationsmasse"

Die LEG ist seit Februar 2013 börsennotiert. Der Aktienkurs stieg seitdem von 44 auf aktuell 111,85 Euro. Der am Mittwoch in einem Hotel am Düsseldorfer Flughafen tagenden Hauptversammlung will die Geschäftsleitung vorschlagen, 227 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn an die Aktionäre auszuschütten. Das würde eine Dividende von 3,53 Euro pro Aktie bedeuten.

Die LEG-Aktien befinden sich zu 72,5 Prozent in Streubesitz. Größte Einzelaktionäre sind die Vermögensgesellschaften Blackrock (Aufsichtsratschef: Friedrich Merz) und MFS.

Die „kritischen LEG-Aktionäre" wollen in der Hauptversammlung dem Vorstand die Entlastung verweigern und außerdem beantragen, dass die Dividendenausschüttung auf ein Zehntel reduziert wird.

„Die LEG-Mieter sind keine Rendite-Legehennen und auch keine Spekulationsmasse", sagt Unger, selbst „kritischer Aktionär". Von der Politik fordern die Mieter nun ein Wohnungswirtschaftsgesetz, das auch eine Enteignung oder Vergesellschaftung ermögliche.

Zur Hauptversammlung sind Journalisten nicht zugelassen. Sie tagt – und das ist für ein Aktienunternehmen dieser Größenordnung ungewöhnlich, aber zulässig – hinter verschlossenen Türen.

Kommentar der Redaktion

Warum so geheim?

Die LEG Immobilien AG ist die größte Wohnungsgesellschaft in NRW. Sie besitzt 134.000 Wohnungen, fast alle in NRW. Auch in Ostwestfalen-Lippe zählen rund 10.000 Mietwohnungen zum LEG-Bestand. Elf Jahre ist es jetzt her, seit dem die damalige schwarz-gelbe Landesregierung unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) die landeseigene Gesellschaft privatisiert hat.

Seitdem steht die Wohnungsgesellschaft immer wieder in der Kritik. Der Hinweis der LEG-Oberen, dass die Gesellschaft als Marktrführer und ehemalige Landestochter von Mietern und Medien besonders kritisch beäugt wird, mag berechtigt sein.

Hier wäre seriöse Information und Kommunikation mit den Mietern sicher ein adäquates Mittel, um Misstrauen zu zerstreuen. Aber warum verschweigt die LEGdann ihren Mietern dann so lange, wie es geht, dass sie 1.200 Wohnungen verkaufen will? Und warum tagen Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionäre hinter verschlossenen Türen? Transparenz geht anders.


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