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Die Verbraucherzentrale warnt vor einer arglistigen Betrugsmasche. - © picture alliance / dpa
Die Verbraucherzentrale warnt vor einer arglistigen Betrugsmasche. | © picture alliance / dpa

Wirtschaft Ja gesagt, abgezockt: So gehen Sie mit der Betrugsmasche am Telefon um

Verbraucherzentrale warnt / Bielefelder Rechtsanwältin gibt Tipps

Björn Vahle
16.02.2017 | Stand 09.08.2021, 10:25 Uhr

Bielefeld. Die Verbraucherzentrale warnt vor einer perfiden Abzockemasche am Telefon. Dabei nutzen Betrüger ein einfaches "Ja" von Verbrauchern, um daraus einen fingierten Vertragsabschluss zusammenzuschneiden. Wir erklären, wie Sie sich schützen können - und wie Sie mit eventuellen Forderungen umgehen.

So gehen die Betrüger vor

Von unbekannten Nummern rufen die Abzocker an und stellen "allgemeine Fragen", wie sich die Bielefelder Rechtsanwältin Nicoline Schuleit an einen Fall erinnert. "Hören Sie mich?" oder - wie die Verbraucherzentrale angibt - "Sind Sie Hausbesitzer?" gehören zu den beliebtesten Sätzen. Ein Hinweis auf einen Vertrag erfolgt nicht.

Wenn Nichtsahnende darauf mit "Ja" antworten, reicht das den Betrügern bereits, um aus dem mitgeschnittenen Gespräch einen Vertragsabschluss zu konstruieren. Dabei werden laut Anwältin Schuleit eingesprochene Fragen wie "Möchten Sie dieses Auto zum Preis von X kaufen?" um die Antwort ergänzt.

In der Folge erhalten Verbraucher Schreiben, in denen sie mit Verweis auf das angebliche Vertragsgespräch aufgefordert werden, Geld zu bezahlen.

So sieht die Rechtslage aus

Die gute Nachricht: "Sie haben damit keinen Vertrag geschlossen", sagt Nicoline Schuleit. Die Zahlungsaufforderungen können also - um auf Nummer sicher zu gehen - einem Anwalt übergeben werden. "Sie müssen im Grunde aber nichts tun, denn Sie müssen diese Beträge nicht bezahlen", sagt Schuleit.

Die Beweispflicht für den rechtmäßig abgeschlossenen Vertrag liegt in den meisten Fällen bei den Anrufern. "Das kommt jeweils auch auf die Art des Vertrags an und was vermeintlich gekauft wurde", erklärt Schuleit. Sie bezweifle aber stark, dass Gerichte Tonmitschnitte als einzigen oder gültigen Beweis für den Vertragsschluss akzeptieren.

Das können Sie gegen die Abzocke am Telefon tun

Wer sich unsicher ist, kann auch die Polizei zurate ziehen. Insbesondere Opfer von Enkeltricks täten das auch und brächten die Fälle zur Anzeige, sagt die Bielefelder Polizeisprecherin Hella Christoph. Die Polizei sei aber auch bei Betrugsfällen mit der "Ja"-Masche Ansprechpartner für Betroffene.

5 Tipps wie Sie sich am besten bei Telefonbetrug verhalten

Die Verbraucherzentrale rät bei Anrufen von unbekannten Nummern zu folgenden Verhaltensregeln:

Tipp 1: Melden Sie sich mit Hallo

Ruft Sie eine unbekannte Person an, melden Sie sich nicht mit "Ja", sondern sagen Sie Ihren Namen oder "Hallo".

    Tipp 2: Fragen im ganzen Satz beantworten

    Beantworten Sie Fragen im ganzen Satz. Zum Beispiel: "Können Sie mich hören?" mit "Ich höre Sie".

    Tipp 3: Auflegen

    Sagen Sie dem Anrufer mit bestimmtem Ton, dass Sie kein Interesse haben. Im Zweifel legen Sie einfach auf.

    Tipp 4: Nummer aufschreiben und melden

    Firmen dürfen Sie nicht mit unterdrückter Rufnummer kontaktieren. Merken Sie sich also die Telefonnummer. Haben Sie den Eindruck, dass das Gespräch unseriös war, können Sie die Nummer bei der Verbraucherzentrale und der Bundesnetzagentur melden.

    Tipp 5: Gezielte Nachfrage

    Sollte der Anrufer seine Nummer doch unterdrücken, fragen Sie gezielt nach, für welche Firma er anruft. Allerdings gibt es natürlich keine Garantie dafür, dass er Ihnen die Wahrheit sagt.

    Das sind die bekanntesten Nummern von Telefonbetrügern

    +49 84149399139 (Verkauf)

    +49 6924749101 (Andere)

    +49 82212740707 (Andere)

    +49 4053798110 (Gewinnspiel)

    +49 41819474116 (Andere)

    +49 4131976500899 (Werbung)

    +49 41819474158 (Andere)

    +44 447862067600 (Gewinnspiel)

    +49 893732670 (Andere)

    +49 89125031511 (Gewinnspiel)

    Hier können Sie die Telefonnummern von Betrügern melden

    Im Falle eines Betrugs werden Sie sofort aktiv und melden die Nummer oder das Institut. So schützen Sie nicht nur andere Bürger vor dem Betrug, sondern erhalten eventuell auch eine Entschädigung. Die Bundesnetzagentur ist der richtige Ansprechpartner wenn es um missbräuchliche Werbung geht. Sie können die Nummern sperren und Bußgelder verhängen. In allen anderen Fällen melden Sie es der Polizei.

    Die Verbraucherzentrale stellt Antwortschreiben für unrechtmäßige Forderungen bereit:

    Abwehr einer unberechtigten Forderung (z.B. Abos)
    Abwehr einer unberechtigten Forderung aus Gewinnspielen
    Abwehr einer unberechtigten Forderung von Inkassounternehmen

    Welche Arten von Telefonbetrug gibt es noch?

    Die Abzocke mit fingierten Vertragsabschluss ist längst nicht die einzige Masche, die Telefonbetrüger nutzen. Um Geld zu erbeuten, geben Sie sich als Bank-Mitarbeiter, Lotto-Anbieter oder auch als Polizisten aus.

    Letztere Masche ist besonders perfide: Die Opfer werden mit angeblichen schweren Unfällen in Panik versetzt. Am Telefon erzählen die Betrüger, dass ein nahe stehender Verwandter sei in einen tödlichen Unfall verwickelt sei. Nun müsse dieser eine hohe Kaution bezahlen, für das jedoch das Geld fehle. Genau das Geld wollten sie von den angerufenen Opfern, oftmals Senioren, haben.

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