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Sportliche Familie: Taekwondo-Meister Pil-Jong Seo (6. Dan), seine Frau Ji Sun Seo (3. Dan) und ihre Töchter Dusol und Hansol (v. l.) unterrichten in der Sportakademie Seo am Bünder Südring Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die südkoreanische Kampfkunst vermitteln sie mit Freude.   - © André Blickensdorf
Sportliche Familie: Taekwondo-Meister Pil-Jong Seo (6. Dan), seine Frau Ji Sun Seo (3. Dan) und ihre Töchter Dusol und Hansol (v. l.) unterrichten in der Sportakademie Seo am Bünder Südring Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die südkoreanische Kampfkunst vermitteln sie mit Freude.   | © André Blickensdorf

Kampfsport Mit Füßen, Fäusten und Respekt

Der Weg als Ziel. Taekwondo ist eine traditionsreiche Kampfkunst aus Südkorea, bei der es um Fuß- und Faust-Techniken zur Selbstverteidigung geht. Aber auch um Geduld, Respekt und das Erkennen von eigenen Stärken und Schwächen.

André Blickensdorf
28.10.2020 | Stand 27.10.2020, 16:13 Uhr

Höflichkeit, Durchhaltevermögen, Integrität, Selbstdisziplin und Unbezwingbarkeit zeichnen als Grundsätze das Taekwondo aus. Im Jahr 2000 feierte die südkoreanische Kampfkunst im australischen Sydney bei den Olympischen Spielen, einem der weltweit bedeutendsten Sportereignisse, ihre Premiere. Doch der vielfältige Wettkampfsport, der ins Deutsche übersetzt „Fuß – Faust – Weg" bedeutet, ist nicht nur schnell sowie technisch und taktisch anspruchsvoll, sondern gleichzeitig eine Lebensphilosophie, die Wohlbefinden, Fitness und Gesundheit fördert. Es geht um Selbstverteidigung und Selbstbewusstsein, aber auch um ein respektvolles miteinander.

Nach dem Lockdown wegen der Corona-Pandemie war es in der Sport Akademie Seo am Südring in Bünde von Mitte März bis Mitte Mai sehr ruhig. Training – sonst montags, mittwochs und freitags – war wie überall in Deutschland und anderswo auf der Welt nicht erlaubt. Ein Vorteil: Viele Übungen, die Meister Pil-Jong Seo, seine Frau Ji-Sun Seo als Trainerin und ihre Töchter Hansol und Dusol in den 45- bis 60-minütigen Einheiten zeigen, erklären und korrigieren, ließen sich alleine zu Hause trainieren. Pil-Jong Seo war es zwischenzeitlich möglich, auf den roten und blauen Bodenmatten 
Kampftechniken und Bewegungsformen mit Fauststößen und Kicks zu performen, sie aufzuzeichnen und seinen Schülern als Videomaterial online zur Verfügung zu stellen. „Das war keine einfache Zeit, aber wir sind zum Glück miteinander in Kontakt geblieben", sagt der 45-Jährige. Die für das Taekwondo so wichtige Gruppendynamik und der Gemeinschaftssinn seien in dieser Zeit zu kurz gekommen. Die Gürtelprüfungen mussten selbstverständlich auch verschoben werden. „Wir feiern sonst nach Prüfungen gerne gemeinsam und treffen uns auch mal privat", sagt Seo. „Aber leider ist in diesem Jahr vieles nicht möglich. Wir sind aber froh, dass wir Mitte Mai wieder langsam mit dem Training beginnen konnten. Die Abstands- und Hygieneregeln werden genauestens eingehalten und wir sind in einem guten und vertrauensvollen Austausch mit der Stadt Bünde." Während die Gürtelprüfungen für Kinder und Jugendliche im Juni wegen der mehrwöchigen Trainingspause zunächst auf Anfang November verschoben worden sind, konnte eine Erwachsenen-Prüfung, die Anfang April ausfallen musste, bereits Ende September nachgeholt werden. Diese war möglich, weil die Wettkampfmatten seit dem Neustart in gut sichtbaren Kennzeichnungen in Felder eingeteilt worden sind und es dementsprechend einen sicheren Abstand der Sportler zueinander gibt. Eine Maskenpflicht gilt bis zum Betreten des Trainings- und Wettkampfbereichs.

Pil-Jong Seo: Er wurde 1974 in Südkoreas Hauptstadt Seoul geboren.  - © André Blickensdorf
Pil-Jong Seo: Er wurde 1974 in Südkoreas Hauptstadt Seoul geboren.  | © André Blickensdorf

„Wir freuen uns, dass in den vergangenen Wochen das Interesse an Taekwondo wieder mehr geworden ist. Bei uns haben sich nach der Corona-Pause Kinder, aber auch Erwachsene neu angemeldet. Wir passen gut auf, dass alle gesund bleiben. Mit Sicherheit und Abstand bleibt es möglich, Spaß zu haben, sich zu konzentrieren und die Fitness zu verbessern", erklärt Seo. „Wer auf die Gesundheit achtet, sich gut und bewusst bewegt und mit seinem Körper auseinandersetzt, kann 100 Jahre alt werden." Das sei ein gutes Gefühl. Pil-Jong Seo: „Wir konzentrieren uns, wärmen uns gezielt auf, laufen und die Atemübungen danach sind für unsere Lungen gut. Auch die Ausdauer verbessern wir mit Übungen."

Die Töchter von Ji-Sun und Pil-Jong Seo, Hansol (15 Jahre) und Dusol (13) sind Schülerinnen an einem Bünder Gymnasium. Die Taekwondo-Kindergruppen betreuen die jungen Trainerinnen, die jeweils Trägerinnen des Schwarzgürtels sind. Im Alter von jeweils fünf Jahren haben die Seo-Schwestern erste Taekwondo-Erfahrungen gemacht. „Sechs bis sieben Jahre ist ein gutes Alter, um mit dem Training zu beginnen", erklärt Pil-Jong Seo. „Athleten, die Wettkämpfe bestreiten, sind vom 17. bis 30. Lebensjahr im besten Alter, danach wird es schwieriger gut mitzuhalten." Anfänger sind aber in jedem Alter willkommen. Für Erwachsene, die die Kampfkunst erlernen möchten, geht es vor allem darum, Stress abzubauen und die Gesundheit zu erhalten und die eigene Fitness zu verbessern. Gerade in der aktuellen Zeit ist es hilfreich und sinnvoll, sich als Ausgleich zum Alltagsstress gezielt einen Sport auszusuchen, der das Wohlbefinden fördert, aber auch etwas fordert.

Pil-Jong Seo und sein Team achten sehr darauf, dass die Freizeitsportler Spaß haben, sich wohlfühlen und Schritt für Schritt gefördert und gefordert werden.

Haidong Gumdo: Die koreanische Schwertkampfkunst gibt es seit mehr als 1.700 Jahren. Ji-Sun und Pil-Jong Seo beherrschen sie. Gleichgewichtssinn und Reaktionsschnelligkeit sind dabei wichtig. - © André Blickensdorf
Haidong Gumdo: Die koreanische Schwertkampfkunst gibt es seit mehr als 1.700 Jahren. Ji-Sun und Pil-Jong Seo beherrschen sie. Gleichgewichtssinn und Reaktionsschnelligkeit sind dabei wichtig. | © André Blickensdorf

Im Sommer 2008 absolvierte der zweifache Europameister im Taekwondo-Zweikampf in seiner Heimatstadt Seoul in Südkorea seine Meisterprüfung zum 6. Dan (Schwarzer Gürtel) erfolgreich. Ende 2007 eröffnete er seine Räume am Bünder Südring. Bereits 1995 hatte Großmeister Jae-Young Seo, Vater von Pil-Jong Seo, in Kirchlengern eine Sportschule gegründet.

Haidong Gumdo, koreanische Form des Schwertkampfes, die mehr als 1.700 Jahre alt ist, gehört seit 2015 zum Repertoire der Sport Akademie Seo. Pil-Jong Seo: „Wir sind eine kleine Gruppe von neun Leuten. Beim Taekwondo sind es etwa 80 Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Aufgeteilt in mehrere Gruppen." Beim Taekwondo werden durch den Formenlauf, Poom-Sae genannt, vor allem Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit trainiert. Beim Haidong Gumdo gibt es wie beim Taekwondo Atemübungen aber auch Meditation. Körperliche Ausdauer, der Gleichgewichtssinn und die Reaktionsschnelligkeit werden beim Schwertkampf intensiv trainiert und verbessert. Die Hilfsbereitschaft ist groß und der Weg bleibt das Ziel.

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