0
Für’s diskrete Geschäftsessen: MChef liefert die Speisen bereits auf Porzellantellern an, auf denen sie auch zubereitet werden. ⋌ - © Sebastian Ruthe
Für’s diskrete Geschäftsessen: MChef liefert die Speisen bereits auf Porzellantellern an, auf denen sie auch zubereitet werden. ⋌ | © Sebastian Ruthe

Gourmet-Lieferservice Sicheres Restauranterlebnis

Online durch die Speisekarte geklickt – schon liefert MChef Gerichte der Spitzengastronomie ins Unternehmen oder in die private Küche. Allerdings ist der Dialoggarer von Miele für die Zubereitung ein Muss.

Julia Fahl
28.10.2020 | Stand 27.10.2020, 16:08 Uhr

Was für eine Vorspeise: Rote-Bete-Carpaccio mit Kürbiskernvinaigrette, rosa Meerrettich und Ziegenkäsecreme, dazu eine Apfel-Quinoa-Praline. Auf einem weißen Porzellanteller angerichtet, auf eben jenem Teller in nur 25 Minuten gegart. Alle Komponenten gleichzeitig. Ein normaler Ofen schafft das nicht. Aber der smarte Dialoggarer von Miele, Kostenpunkt pro Gerät: knapp 8.000 Euro. Er ist die Grundlage für die Geschäftsidee des Menülieferservices MChef aus Bielefeld.

MChef entwickelt anspruchsvolle Gerichte und Drei-Gänge-Menüs der Gourmet-Küche, die auf Onlinebestellung bereits auf Tellern angerichtet und tiefgekühlt ausgeliefert werden. Zu Hause, in der Unternehmens- oder in der Hotelküche müssen die Kunden die Teller nur noch in den Dialoggarer stellen, diesen über die MChef-App steuern – und können sich dann auf das Essen freuen. Wer bis 12 Uhr online ordert, wird am übernächsten Vormittag beliefert. Und das an 365 Tagen im Jahr.

Vor zwei Jahren hat Martin Eilerts das Start-up zusammen mit Miele gegründet. Seitdem ist das Unternehmen gewachsen. „Unsere Kunden sind Unternehmen und Privathaushalte, die frisch zubereitete Gerichte der Spitzengastronomie in den eigenen vier Wänden genießen möchten, ohne selbst kochen zu müssen", fasst Eilerts zusammen. MChef liefert an Unternehmen wie die Deutsche Bank oder Bayer, die ihre Kunden und Partner intern bewirten möchten. „Wir helfen, einen intimen Rahmen für Geschäftsgespräche zu schaffen, die nicht in einem öffentlichen Restaurant stattfinden sollen", erklärt Eilerts. Aber auch die Lindner-Hotels, die Lufthansa-Lounges, Lounges in Fußballstadien (zum Beispiel die BayArena in Leverkusen) oder an Motorsport-Rennstrecken (zum Beispiel Nürburgring) sowie Privatkliniken stehen auf der Kundenliste des Unternehmens mit Sitz an der Ravensberger Straße. Potenziell kann jeder Kunde werden, der einen Dialoggarer besitzt.

„Alle unsere Geschäftsfelder haben sich seit unserem Start erfolgreich entwickelt", bilanziert CEO Martin Eilerts, der zu Beginn seines Berufslebens eine Ausbildung zum Koch absolviert und unter anderem in der Sterne-Gastronomie gearbeitet hat. Später arbeitete er als Diplom-Kaufmann in der Unternehmensberatung und in der Geschäftsführung eines mittelständischen Unternehmens.

„Wir sind sehr optimistisch ins Jahr 2020 gestartet", sagt auch MChef-Sprecherin Stefanie Möller. Dann aber kam Corona. „Der Lockdown im Frühjahr hat unser Logen-Geschäftsmodell zum Erliegen gebracht", so Eilerts. Keine Fans mehr in den Fußballstadien, keine Zuschauer mehr an den Rennstrecken, kaum noch Fluggäste an den Flughäfen – kurzum: erst einmal kein Bedarf mehr an Spitzengastronomie. Auch das Geschäft mit der Belieferung von Unternehmen „ist nicht mehr so wie vorher". Viele Mitarbeiter arbeiten im Homeoffice, Termine werden telefonisch oder per Videokonferenz abgehalten, auf interne und externe Geschäftsessen wird sicherheitshalber verzichtet.

Doch nach den ersten Wochen der Ungewissheit taten sich neue Geschäftsfelder auf. Nicht nur dass MChef laut Stefanie Möller zu Ostern nennenswert mehr Privatkunden verzeichnen konnte („für ein sicheres Restauranterlebnis zu Hause"), plötzlich stieg auch die Nachfrage seitens der Gastronomie und Hotellerie. „Sie befanden sich in einer denkbar schlechten Situation", sagt Eilerts. Viele große Veranstaltungen seien dort ausgefallen, nur noch kleinere Veranstaltungen konnten aufgrund der Abstandsregeln und Personenbeschränkungen stattfinden. Gleichzeitig seien viele Köche in Kurzarbeit geschickt und der Fachkräftemangel somit verschärft worden. „Corona hat den Boden dafür bereitet, dass sich unsere Kunden nach neuen Optionen umschauen – und MChef ist für sie eine neue Option", sagt Eilerts. „Die mit uns zusammen- arbeitenden Hotels konnten nach dem Lockdown ihr Angebot trotz einer absoluten Küchen-Notbesetzung ganz schnell wieder hochfahren."

Möglich gemacht haben es der Dialoggarer in der Küche und das kulinarische Angebot von MChef, das à la carte bestellt werden kann. Teller für Teller werden die Gerichte schnell im Dialoggarer mittels elektromagnetischer Wellen zubereitet. Dabei misst der Dialoggarer ständig den Garprozess und reguliert bei Bedarf nach. So werden unterschiedliche Zutaten eines kompletten Menüs auf den Punkt gleichzeitig fertig.

Technik, die nicht nur für Privatkunden, sondern auch für von allen Corona-Auswirkungen geplagten Hotels ideal ist. So können sie flexibel, kurzfristig und schnell auf schwankende Gästezahlen reagieren und das Halbpensionsgeschäft besser stemmen. Ohne dass sie teures Küchenpersonal vorhalten müssen, gelangen trotzdem aufwendige Kreationen wie Lammrücken im gebackenen Tramezzini-Mantel an Thymianjus, dazu Kartoffel-Ratatouille-Schnitte, gefüllter Patisson-Kürbis und Zuckerschotenbündchen auf den Tisch.

„Wir bieten Wirtschaftlichkeit und Flexibilität", fasst Eilerts zusammen. Und das kommt an. „Dank der Nachfrage der Hotels hatten wir bei unseren Absatzzahlen in den vergangenen Monaten eine erfreuliche Entwicklung. Mit dem erneuten Aufflammen der Infektionszahlen kommt diese allerdings ins Wanken."

Corona habe bei vielen den Umdenkprozess beschleunigt, sagt Eilerts. „Vielleicht hat es den Einschnitt auch gebraucht, um Verhaltensmuster aufzubrechen, um den Mut zu finden, sich umzustrukturieren."

Aber auch die eigenen Hygienemaßnahmen spielen MChef noch mehr in die Karten. Schon vor Corona wurde jeder Teller vor der Auslieferung mit einer voll kompostierbaren Bio-Folie abgedeckt – damit nichts verrutscht und alles hygienisch sicher verpackt ist. „Im Laufe der Corona-Pandemie haben Hygienemaßnahmen und die Lebensmittelsicherheit eine immense Bedeutung bekommen", sagt Stefanie Möller. „Beides ist viel mehr in den Vordergrund gerückt. Die Verbraucher und Kunden wünschen sich das vermehrt."

Genau wie vegetarische und vegane Gerichte, die nach den Vorfällen bei Tönnies und in anderen Schlachtbetrieben plötzlich verstärkt nachgefragt werden. „Die Kunden wünschen mehr Abwechslung und sind gleichzeitig auch bereit, für sichere Lebensmittel mehr zu bezahlen." MChef hat das Speisenangebot deshalb gezielt weiterentwickelt.

Und nicht nur das. Um abseits von Dialoggarer-Besitzern weitere Kunden ansprechen zu können, arbeitet MChef mittlerweile auch an einer separaten Produktlinie für Gastrogeräte, die mit Heißluft oder Dampf garen. „Dann können unsere Kunden mit MChef auch größere Veranstaltungen umsetzen", sagt Eilerts. Denn während in einem Dialoggarer maximal sechs Teller gleichzeitig zubereitet werden können, schaffen Gastrogeräte gleichzeitig 50 bis 60 Gerichte. Interessant könnte das Angebot zum Beispiel für Betriebscaterer sein. „Wenn sie aufgrund von Homeoffice-Lösungen nur noch 10 bis 20 Prozent der Mitarbeiter versorgen müssen, wäre eine Zusammenarbeit mit uns deutlich wirtschaftlicher, als wenn sie den normalen Vollbetrieb aufrechterhalten", rechnet Eilerts vor.

All diese Entwicklungen lassen ihn nach vorne schauen. „Wir entwickeln uns wirklich gut. Klar, ich würde mich auch freuen, wenn in den Fußballstadien und an den Rennstrecken wieder der normale Vollbetrieb möglich wäre. Aber derzeit ist es richtig und wichtig, dass wir alle vorsichtig sind."

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken

Newsletter abonnieren

NW Newsletter - die wichtigsten News

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

© Zeitungsverlag Neue Westfälische GmbH & Co. KG