Positioniert sich gegen Windkraft: Der Paderborner Erzbischof Josef Becker lehnt den Bau von Megawindkraftanlagen in Warstein ab und hat dies mit einer Unterschrift bekundet. - © picture alliance/dpa
Positioniert sich gegen Windkraft: Der Paderborner Erzbischof Josef Becker lehnt den Bau von Megawindkraftanlagen in Warstein ab und hat dies mit einer Unterschrift bekundet. | © picture alliance/dpa

Paderborn Paderborner Erzbischof kämpft gegen Windräder

Das Oberhaupt der katholischen Kirche im Erzbistum Paderborn hat eine Erklärung unterzeichnet

Lothar Schmalen

Paderborn/Arnsberg.  Mit einem kirchlichen Segen dürfen die Investoren eines geplanten Windparks im Arnsberger Wald wohl nicht mehr rechnen. Denn niemand geringeres als der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker persönlich engagiert sich nun gegen die 15 Mega-Windräder in Warstein (Kreis Soest). Jedenfalls hat der 70-jährige Kirchenmann seine Unterschrift unter einen flammenden Appell gegen die Windkraftanlagen gesetzt. Mit seinem Namen unterstützt der Erzbischof die Aufforderung an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), dem Windpark seine Genehmigung zu versagen. "Erzbischof Becker wird sich nicht weiter äußern" Warum hat sich Becker, der sich sonst mit Äußerungen zu aktuellen politischen Themen stark zurückhält, in der Frage des Windparks im Arnsberger Wald so spektakulär positioniert? "Erzbischof Becker hat seine Haltung durch seine Unterschrift kundgetan und wird sich weiter nicht zu der Thematik äußern", ließ die Pressestelle des Erzbistums wissen. Vielleicht hilft ein Blick auf die Biografie des Erzbischofs. Becker stammt aus Belecke. Das Örtchen an der Möhne liegt nicht einmal fünf Kilometer von dem geplanten Windpark entfernt. Seit Jahren kämpft eine Bürgerinitiative in Beckers Heimat gegen die 230 Meter hohen Riesen-Windmühlen im Arnsberger Wald. Das Waldgebiet im nördlichen Sauerland gilt als eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Deutschland. Becker firmiert auch bereits als Pate des Arnsberger Waldes - sicher aus Verbundenheit mit seiner sauerländischen Heimat. Mit dem Appell an die Landesregierung ist der Warsteiner Anti-Windkraft-Initiative ein echter PR-Coup gelungen. Nicht nur der Erzbischof hat unterschrieben, sondern auch der aus dem sauerländischen Brilon stammende frühere Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz, und die Inhaberin der Warsteiner Brauerei, Catharina Cramer. "Das Landschaftsbild würde verunstaltet" "Losgelöst von Größe und Anzahl der Anlagen würde die Jahrhunderte alte, historische Kulturlandschaft umgeformt zu einer Industrielandschaft", heißt es in dem Appell. Und: "Das Landschaftsbild würde verunstaltet." In NRW gibt es seit geraumer Zeit eine Debatte über die Akzeptanz der von immer mehr und immer höheren Windkraftanlagen. Die Düsseldorfer CDU/FDP-Landesregierung bringt an diesem Freitag im Bundesrat eine Gesetzesinitiative ein, wonach Windräder künftig nicht näher als 1.500 Meter an Wohnsiedlungen heranrücken dürfen. Außerdem sollen die Kommunen mehr Zeit bei der Prüfung von Bauanträgen für Windräder bekommen - alles Maßnahmen, um die Akzeptanz der Windkraft zu erhöhen, wie die Landesregierung nicht müde wird zu versichern. Schon im Mai hatte Düsseldorf in einem geänderten Windkraft-Erlass die Möglichkeiten, Windanlagen auf Waldflächen zu errichten, eingeschränkt, aber nicht ganz verboten. So seien Windräder im Wald nach wie vor möglich, wenn es sich um strukturarme Nadelwaldbestände handele. "Eine windanfällige Fichten-Monokultur" Und genau darauf berufen sich die Investoren des geplanten Windparks im Arnsberger Wald. Dort werde nicht unberührte Natur beschädigt. Bei der Fläche handele es sich um "eine windanfällige Fichten-Monokultur", sagt Heinrich-Wilhelm Tölle, Geschäftsführer der Projekt Windpark Rennweg GmbH mit Sitz in Warstein. Ob allerdings die NRW-Landesregierung der Aufforderung von Erzbischof Becker und den anderen Unterzeichnern des Appells, den geplanten Windpark in Warstein nicht zu genehmigen, wirklich nachkommen kann, scheint zweifelhaft. "Ich kann leider keine positive Einschätzung abgeben" Jedenfalls schätzt die NRW-Staatskanzlei die Chancen dafür gering ein. Die Bürgermeister von Warstein, Rüthen und Möhnesee hatten Anfang August an Ministerpräsident Laschet geschrieben und die Landesregierung aufgefordert, den Arnsberger Wald unter Schutz zu stellen, um den Windpark zu verhindern. In seiner Antwort macht Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski (CDU) deutlich, dass auch der neue Landesentwicklungsplan, von dem sich die Gegner der Windräder im Wald viel erhofft hatten, weiterhin die Windenergienutzung im Wald unter bestimmten Umständen ermöglichen werde. "Ich kann leider auf die Schnelle keine positive Einschätzung abgeben", so Liminski.

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