Im Hauptzollamt Bielefeld gibt es jetzt Schuhkontrollen, besonders Birkenstock-Sandalen sind in der Behörde unerwünscht. - © picture alliance / Wolfram Steinberg
Im Hauptzollamt Bielefeld gibt es jetzt Schuhkontrollen, besonders Birkenstock-Sandalen sind in der Behörde unerwünscht. | © picture alliance / Wolfram Steinberg

Bielefeld Birkenstock-Verbot: Jetzt gibt es Schuhkontrollen beim Zoll in Bielefeld

Gruppenleiter überprüfen in den Büros, ob sich Mitarbeiter an die Kleiderordnung halten. Die Betroffenen fühlen sich von ihren Vorgesetzten erniedrigt und von der Behördenleitung im Stich gelassen.

Bielefeld. Der Streit um das Tragen von Birkenstock-Sandalen im Hauptzollamt Bielefeld hat in der Behörde einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach Informationen der NW gibt es regelmäßige Schuhkontrollen. In der Belegschaft sorgt dieses Vorgehen für großen Ärger, vor allem Mitarbeiterinnen fühlen sich gedemütigt und von der Leitung und der Gleichstellungsbeauftragten der Behörde im Stich gelassen. „Es kommt regelmäßig vor, dass Gruppenleiter morgens durch die Büros gehen und unter die Schreibtische blicken, um zu prüfen, ob sich die Mitarbeiter an die Kleiderordnung halten", erklärt eine Mitarbeiterin des Hauptzollamtes Bielefeld, die anonym bleiben möchte. Offene Schuhe sind in der Behörde erlaubt, allerdings nur mit Fersenriemen. „An einem Morgen kommt die Kontrolleurin auf mich zu, bückt sich, blickt unter meinen Schreibtisch, ermahnt mich, dass ich Gesundheitslatschen trage und will die Fersenriemen sehen", erklärt die Mitarbeiterin. Weil sie eine lange Hose trägt, sind die Fersenriemen ihrer Birkenstock-Sandalen nicht zu sehen. „Die Kontrolleurin sagt mir in gebeugter Haltung, dass ich die Hose hochziehen soll, damit sie die Fersenriemen sehen kann und will mir tatsächlich an die Hose greifen." Die Mitarbeiterin weicht zurück und bittet darum, weiter arbeiten zu dürfen. Mitarbeiter wegen Schuhen nach Hause geschickt „Ich habe die Leitung und die Gleichstellungsbeauftragte des Hauptzollamtes über den Vorfall informiert und erklärt, dass ich in meiner Arbeit eingeschränkt werde und mich erniedrigt fühle, aber keine Rückmeldung erhalten." Die Mitarbeiterin und ihre Kollegen fühlen sich von ihren Vorgesetzten zunehmend drangsaliert, obwohl sie sich an die Kleiderordnung halten. Bereits seit August gibt es im Hauptzollamt Bielefeld Streit um das Tragen von Birkenstock-Sandalen. Anfang August wird bekannt, dass Mitarbeiter des Hauptzollamts ermahnt oder nach Hause geschickt werden, wenn sie entgegen der Kleiderordnung offene Schuhe tragen. In einem Schreiben, das der Neuen Westfälischen vorliegt, werden namentlich auch Birkenstock-Sandalen als nicht akzeptabel benannt. Das Hauptzollamt begründet diese Vorschrift mit Verweisen auf die Außenwirkung und den Arbeitsschutz. Einer betroffenen Mitarbeiterin wird das Verbot damit begründet, dass sie ihre Birkenstock-Sandalen beim Treppensteigen verlieren könnte. Der "Maulwurf" wird gesucht Ende August beginnt die Behördenleitung dann mit der Suche nach den Mitarbeitern, die diese Zeitung über den Streit informiert haben. Mitarbeiter mehrerer Abteilungen werden aufgefordert, in schriftlichen Stellungnahmen zu erklären, wie es zu der Weitergabe der internen Informationen gekommen ist. Offenbar will man den „Maulwurf" zur Rechenschaft ziehen. Auf Anfrage beim Hauptzollamt heißt es dann mit dem Verweis auf begrenzte Ressourcen, dass eine Auskunft vonseiten der Behörde nur möglich sei, wenn diese Zeitung die Identität des Informanten sowie die Position in der Behörde offenlegt. Das ist im Hinblick auf den verfassungsrechtlich abgesicherten Informantenschutz ein höchst ungewöhnliches Verlangen. Auch der Hinweis auf begrenzte Ressourcen irritiert mit Blick auf regelmäßige Schuhkontrollen.

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