Die Berliner Hiphop-Formation K.I.Z. ist bekannt für ihre provokanten Texte. - © picture alliance / Geisler-Fotopress
Die Berliner Hiphop-Formation K.I.Z. ist bekannt für ihre provokanten Texte. | © picture alliance / Geisler-Fotopress

Meinung Kritik an K.I.Z. - sind die Lieder der Band gewaltverherrlichend?

Vor allem von der Bild-Zeitung kommt der Vorwurf, K.I.Z. sängen von Hass und Gewalt

Lena Henning

Auch Tage nach dem #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz mit mehr als 65.000 Zuschauern, gibt es weiter Diskussionen um die Aktion. Nachdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wegen seiner Unterstützung für das Konzert in die Kritik geraten war und viel über die Band Feine Sahne Fischfilet diskutiert wurde, geht es jetzt um die Band K.I.Z.. Allen voran die Bild-Zeitung kritisiert die Texte der Berliner Hiphop-Gruppe: „27 Minuten Hass auf Veranstaltung gegen Hass" titelt die Bild und nimmt damit die nächste Band des #wirsindmehr-Konzerts ins Visier. 27 Minuten lang sänge die Band – nach dem Auftritt „der linksradikalen Skandal-Band Feine Sahne Fischfilet" – von Hass und Gewalt. Die Band selbst kommentiert die Vorwürfe gewohnt ironisch: Mama ist Stolz pic.twitter.com/dcUR2YgfjL — K.I.Z. (@K_I_Z_) 5. September 2018 Aber was ist dran an der Kritik? K.I.Z., bestehend aus den Rappern Tarek, Maxim und Nico, machen seit 2000 zusammen Musik. Sie sind bekannt für ihre provokanten Texte, die voll sind von Ironie und Sarkasmus, schwarzem Humor, Parodien und Übertreibungen. Dieser Stil zeigt sich auch in den Liedern, die sie am Montagabend in Chemnitz gespielt haben. Bild-Autor Peter Tiede wirft der Band beispielsweise vor, in Bezug auf Thilo Sarrazin von einem „Selbstmord-Attentat" zu rappen. Die zugehörige Textzeile geht so: „Ich schleich mich ein bei den Sarrazins, 6 Uhr, alles pennt noch, Selbstmord-Attentat". Aber das ist noch nicht alles, denn die Zeile aus dem Song „Urlaub fürs Gehirn" geht weiter: „...ich trink drei Liter Cola mit Mentos". Ein Attentat mit einem explosiven Cola-Mentos-Gemisch? – Die Ironie sollte auffallen. Natürlich sind Zeilen wie „...trete deiner Frau in den Bauch, fresse die Fehlgeburt" krass und für die meisten schwer zu ertragen. Niemand muss sich das anhören. Trotzdem sollte ein Song als Gesamtwerk betrachtet und nicht einzelne Zeilen aus dem Zusammenhang gerissen werden. Direkt nach der zitierten Zeile geht es weiter: „Für meine Taten werde ich wiedergeboren als Regenwurm." Dazu die Pipi-Langstrumpf-Melodie, die den Refrain von „Ein Affe und ein Pferd" unterlegt – das sind künstlerische Stilmittel. Übertreiben, provozieren, mit Klischees jonglieren Ein Stil, der sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft. Ein Stil aber auch, den man nicht zu ernst nehmen sollte. Denn genau das tun die K.I.Z.-Rapper ja auch, wenn sie übertreiben, provozieren, mit Klischees und Vorurteilen jonglieren: sich selbst nicht ernst nehmen. Kunst ist Geschmackssache. Es gibt gute Gründe, die Musik von K.I.Z. nicht zu mögen. Auffällig ist allerdings, wie sich vor allem die Bild-Zeitung seit Tagen an dem #wirsindmehr-Konzert abarbeitet und versucht, die teilnehmenden Künstler zu diskreditieren (treffend analysiert etwa vom Bildblog). Das ist von einer Zeitung, die selbst schon wegen Hetz-Vorwürfen in der Kritik stand, mindestens heuchlerisch.

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