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Der Liborischrein samt Pfauenwedel bei den Feierlichkeiten im Paderborner Dom. - © Reinhard Rohlf (Archivbild)
Der Liborischrein samt Pfauenwedel bei den Feierlichkeiten im Paderborner Dom. | © Reinhard Rohlf (Archivbild)

Paderborn Libori-Wunder: Was es mit dem Paderpfau auf sich hat

Um die beschwerliche Reise von Le Mans nach Paderborn ranken sich zahlreiche Legenden

Jochem Schulze
29.07.2019 | Stand 29.07.2019, 18:19 Uhr

Paderborn. Die Geschichte der Translatio des Jahres 836 wird in den Tagen vor dem Liborifest immer wieder gern erzählt. Denn in der Überführung der Reliquien des Heiligen Liborius aus Le Mans nach Paderborn liegt der Ursprung für das größte Volksfest der Region. Um die lange und sicher auch beschwerliche Reise von der Pader an die Sarthe ranken sich inzwischen vielerlei Legenden. Die bekannteste Erzählung ist die von dem Pfau, der die Paderborner Delegation im Mai 836 auf dem Rückweg begleitet haben soll. Das Tier sei vorausgeflogen und habe den Weg gewiesen. An der Pader angekommen, fiel der Vogel tot von der Spitze des Domturms zu Boden. Pfauenwedel mitgebracht Mit hoher Wahrscheinlichkeit aber haben die Paderborner aus ihrer späteren französischen Partnerstadt lediglich einen Pfauenwedel mitgebracht. Dieser stellte im neunten Jahrhundert, als der ursprünglich auf dem indischen Subkontinent beheimatete Pfau in Mitteleuropa nur ganz vereinzelt als Ziervogel gehalten wurde, jedoch eine echte Seltenheit dar und dürfte in Paderborn für großes Aufsehen gesorgt haben. Die Erinnerung ist noch allgegenwärtig. Wenn beim Liborifest der Libori-Schrein erhoben wird, ist der Pfauenwedel nicht weit. Auf der Liborikapelle auf dem Liboriberg thront der zwischenzeitlich vom Sturm Friederike abgeknickte Vogel. Legende der Flussüberquerung Weit verbreitet ist auch die Legende von einer besonderen Flussüberquerung. Der kürzeste Weg führte durch eine Furt. Die Schreinträger aber mahnten zur Vorsicht. So wurde der Umweg zu einer Brücke angetreten. Die brach jedoch bei der Überquerung in sich zusammen. Während die Träger abstürzten, schwebte der Schrein in der Luft. Anschließend wurde stets der direkte Weg gewählt. Kurz vor der Ankunft am Dom soll sich ein weiteres Wunder ereignet haben: Ein taubstummer Knabe, der den kompletten Weg mitgemacht hatte, fand in Paderborn die Sprache und soll dem Zug rufend und Gott lobend vorausgeeilt sein. Wer sich ein Stück abseits des Liboritrubels ein eigenes Bild von der Translatio machen möchte, dem sei ein Besuch im Erzbischöflichen Diözesanmuseum empfohlen. Dort zeigt ein großer Wandbehang der Detmolder Künstlerin Grete Spuida die Übertragung der Liborius-Gebeine in sieben Bildfolgen.

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