Die Grünen haben die Hoffnung, dass die militärische Nutzung der Senne ein Ende haben könnte. - © Marc Köppelmann (Archivbild)
Die Grünen haben die Hoffnung, dass die militärische Nutzung der Senne ein Ende haben könnte. | © Marc Köppelmann (Archivbild)

Kreis Paderborn Neue Hoffnung auf einen Nationalpark Senne

Die Grünen sind selbstbewusst und optimistisch, dass dieser Wunsch doch noch Realität werden könnte

Svenja Ludwig
25.06.2019 | Stand 25.06.2019, 09:13 Uhr

Kreis Paderborn. Ein Nationalpark Senne war die Zielvorgabe im alten NRW-Landesentwicklungsplan (LEP), aufgestellt noch von der rot-grünen Landesregierung. Schwarz-Gelb sah Änderungsbedarf. Unter anderem in Sachen Senne. Noch vor wenigen Wochen standen die Zeichen deshalb klar auf Streichen dieses Passus'. Jetzt aber, mit den Klimaschutz-Demos "Fridays for Future", dem bayrischen Volksbegehren zum Bienensterben und der Europawahl im Rücken, glauben die NRW-Grünen, dass für einen Nationalpark Senne noch Hoffnung besteht. Gerade noch rechtzeitig, denn schon im Juli entscheiden die Mitglieder des Landtages über den LEP und damit über die Zukunft der Senne. Die Grünen werden beantragen, den Landesentwicklungsplan nicht zu ändern. Ein Nationalpark Senne soll das Ziel bleiben. Und sie wollen noch mehr. Nämlich, "dass dieses Naturkleinod erlebbar ist", sagt Sigrid Beer, Mitglied des Landtages. Die Grünen setzen auf sanften Tourismus statt Militär.  "Umgeben von Klimaaktivisten" "Politik ist in der Lage, das aktuelle Regierungshandeln anzupassen", gibt sich Mona Neubaur, Grünen-Landesverbandsvorsitzende, bei einem Pressegespräch in Paderborn im Vorfeld zur Landesvorstandssitzung optimistisch. Natur- und Klimaschutz oder das Bewahren der Artenvielfalt sind keine grünen Exklusivthemen mehr, sondern längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen - und haben so auch den Weg in andere Parteiprogramme gefunden. "Vor den Europawahlen war ich auf den Podien plötzlich umgeben von Klimaaktivisten", sagt Landesverbandsvorsitzender Felix Banaszak. Und jetzt hätten die politischen Gegner die Gelegenheit, ihren Worten Taten folgen zu lassen. Es sei der richtige Zeitpunkt, "wo sie symbolisch zeigen können, dass sie etwas verstanden haben". Deshalb wollen die Grünen eine namentliche Abstimmung. Würde der Landtag die Änderung des LEP kippen, wäre das gleichwohl nur ein Signal. "Materiell wird sich nichts ändern, aber es ist eine Weichenstellung", so Beer. Denn das Land entscheidet nicht alleine. Bund, EU und Briten müssten über neue Verträge verhandeln. Ein NRW-Beschluss hätte trotzdem Wirkung, denken die Grünen. "Armin Laschet bringt ausreichendes politisches Gewicht mit, um in die Verhandlungen einzusteigen", setzt Mona Neubaur auf den Ministerpräsidenten und Mitglied des Bundesvorstands der CDU. "Kooperation mit der Bundeswehr weiterhin möglich" Denn Ziel müsse es sein, so Beer, die militärische Nutzung aufzugeben: "Was da angedacht ist, hat für uns keine Zukunft." Kenntnisstand ist, dass die britischen Streitkräfte, die dort jahrzehntelang übten, abziehen. Ihren Platz sollen NATO-Verbündete einnehmen. Während die Briten für ihren Umgang mit der Senne hochgeschätzt werden, befürchten viele, dass sich Truppen, die nur zur Stippvisite sind, weniger naturverbunden zeigen könnten. Unter anderem, so der Stand, will auch die Bundeswehr in der Senne üben. "Eine Kooperation mit der Bundeswehr ist auch aus unserer Sicht weiterhin möglich", sagt sie. Allerdings nur im Bereich Stapel. Die Grünen verlangen selbstbewusst Nägel mit Köpfen. In OWL haben sie jüngst die 2.000-Mitglieder-Marke geknackt. Innerhalb eines Jahres sind rund 400 Menschen eingetreten. Dazu die famosen Wahlergebnisse. Das verführt zu Kampfansagen für die Kommunalwahlen im kommenden Jahr und die Landtagswahlen 2022. "Wer mit uns regieren will, muss es ernst meinen mit dem Naturschutz", sagt Felix Banaszak.

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