In zwei Farben: Angela Klassen (Café Röhren) hält die Rosa-Variante in Händen. Im Hintergrund steht ein Stapel brauner Becher. - © Holger Kosbab
In zwei Farben: Angela Klassen (Café Röhren) hält die Rosa-Variante in Händen. Im Hintergrund steht ein Stapel brauner Becher. | © Holger Kosbab

Paderborn Wie der neue Kaffee-Pfandbecher in Paderborn ankommt

Die Nachfrage nach dem Coffee-to-go im Mehrwegbecher ist bei den beteiligten Betrieben höchst unterschiedlich.

Holger Kosbab
14.05.2019 | Stand 14.05.2019, 18:19 Uhr |

Paderborn. Einen Kaffee zum Mitnehmen bestellen, ohne Müll zu produzieren: Das ist im Café Röhren kein Problem. Die meisten Coffee-to-go gehen hier im Mehrweg-Pfandbecher über die Theke. Das Café ist ein Partner beim Cupforcup-System. Was bedeutet, dass die Kunden ihren für einen Euro gekauften Becher hier und bei allen anderen beteiligten Gastro-Betrieben abgeben und das Pfandgeld kassieren oder sich einen neuen Kaffee kaufen können. Seit vergangenen Juli gibt es Cupforcup in Paderborn. Zeit für eine erste Bilanz. „Es läuft ganz gut", sagt Angela Klassen, Betreiberin des Mühlencafés, das mit dem Café Röhren kooperiert. Wie sie schätzt, gingen im Café Röhren 70 Prozent des Kaffees für den Weg im Mehrwegbecher über die Theke. Im Café in der Stümpelschen Mühle hat sie ausschließlich Mehrwegbecher. „Die Leute freuen sich, dass wir eine Alternative zum Pappbecher anbieten." Insgesamt wurden für die beiden Cafés 300 Becher zum Preis von je einem Euro angeschafft, sagt Klassen, die an den Bechern nur stört, dass es dafür keine Mehrwegdeckel gibt. „Es wäre schön, wenn das noch kommen würde", sagt sie. „Ansonsten sind die Becher super. Die nehmen wenig Platz weg, lassen sich gut reinigen und isolieren gut." Aktuell beteiligen sich in Paderborn 12 Bäckereien, Cafés und Geschäfte mit 27 Filialen an dem System. In Kürze kommen bei der Bäckerei-Kette Lange, dem größten Partner, zu den bestehenden elf Niederlassungen noch zwei weitere Standorte im Dörenpark und auf der Lieth hinzu. "Man muss einen längeren Atem haben" „Wir finden das System gut und wollen es unseren Kunden anbieten", sagt Ulrich Laufs, einer der Geschäftsführer bei Lange. Allerdings wolle der überwiegende Teil der Kunden den Kaffee weiter im Einwegbecher. „Das System steigt und fällt damit, dass viele mitmachen und es viele Abgabestellen gibt. Im besten Fall machen alle mit", sagt Laufs. In den Filialen werde immer wieder auf das Pfandsystem hingewiesen, was aber ein bisschen mühsam sei. Im Bewusstsein vieler sei es offenbar kein Thema. Beim Schenke-Kiosk im Paderborner Bahnhof ist die Nachfrage „einigermaßen", wie Christian Schenke sagt. „Etwa jeder 20. Mitnehm-Kaffee sei einer im Pfandbecher. Dennoch sei er so überzeugt, dass er an seinem Stammsitz in Gütersloh dafür geworben habe, Cupforcup einzuführen. Bei den vielen verkauften Einwegbechern müsse etwas getan werden. Vor Einführung des Cupforcup-Systems landeten in Paderborn jeden Tag 14.000 Pappbecher im Müll. Macht statistisch ein Becher auf etwa zehn Bürger. Hochgerechnet sind es knapp 100.000 in der Woche, 400.000 im Monat und fünf Millionen im Jahr. Etwas weniger dürften es durch Cupforcup sein, doch genau lässt sich das nicht sagen. Der Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetrieb Paderborn wird dazu in Kürze alle Betriebe befragen, sagt der stellvertretende Leiter Dietmar Regener auf NW-Anfrage. „Ich bin von dem System nach wie vor überzeugt. Man muss nur vielleicht einen etwas längeren Atem haben." 5.000 Pfandbecher sind im Umlauf Franziskus von Boeselager von Cupforcup bestätigt, dass es in Paderborn weniger und besser laufende Ausgabestellen gibt. Im Vergleich mit anderen Städten liege Paderborn im oberen Mittelfeld. Insgesamt 5.000 Pfandbecher sind hier im Umlauf und es werde permanent weiter akquiriert. Möglicherweise sei demnächst auch ein Krankenhaus dabei. Reagiert habe Cupforcup auf die häufige Nachfrage nach einem Deckel für den Becher. Demnächst werde es einen 1,50 Euro teuren Mehrwegdeckel aus dem gleichen Material geben – allerdings nicht als Teil des Pfandsystems. Bei Tests hätte sich gezeigt, dass beim Spülen des Deckels aufgrund der Rillen die Hygiene nicht gewährleistet sei, sagt von Boeselager. Die Kunden müssten ihn deshalb immer dabei haben. Dies wird künftig Viktoria Kiritschenko aus der Ükern-Filiale der Bäckerei Mertens ihren Kunden sagen können. Aus ihrer Sicht sei der Becher auch deshalb nicht interessant, weil der Mehrwegdeckel fehle. „Das läuft überhaupt nicht", sagt Kiritschenko. Bis Ostern standen die Becher noch gut sichtbar auf der Theke. Wegen der geringen Nachfrage haben sie mittlerweile ein Plätzchen im Regal.

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