Bleiben vor der Kirche: Magdalena Schlüter (v.l.), Ulrike Fromme, Hanna Dabbert und Anja Lüke-Roth. - © Kristina Grube
Bleiben vor der Kirche: Magdalena Schlüter (v.l.), Ulrike Fromme, Hanna Dabbert und Anja Lüke-Roth. | © Kristina Grube

Paderborn Paderborner Frauen treten in den Kirchenstreik

Die Ehrenamtlichen der Pfarrei St. Julian schließen sich der Aktion "Maria 2.0" an

Birger Berbüsse
10.05.2019 | Stand 12.05.2019, 14:41 Uhr

Paderborn. Maria 2.0 ist auch in Paderborn angekommen: Die in Münster gestartete Bewegung für mehr Frauenrechte in der katholischen Kirche ruft ab Samstag, 11. Mai, bundesweit zu einem einen einwöchigen Kirchenstreik auf. Dem schließen sich auch Katholikinnen der Paderborner Südstadt-Pfarrei St. Julian an. Sie wollen ihrer Ankündigung zufolge bis zum 18. Mai "keinen Kirche betreten und keinen Dienst tun." Und das wird spürbare Folgen haben. Denn die streikenden Frauen sind Küsterinnen, Lektorinnen und Kommunionhelferinnen. Weitere von Frauen übernommene Dienste in der Pfarrei St. Julian, die die Gemeinden Meinolf, Kilian und Elisabeth umfasst, sind beispielsweise der Blumenschmuck, das Einsammeln der Kollekte, die Teilnahme an Gremien und einiges mehr. Gottesdienste ohne Gemeinde? Diese Aufgaben müssen in der kommender Woche nun ausschließlich von Männern übernommen werden. So muss in einer der drei Gemeinden beispielsweise ein Küster einspringen, der eigentlich in dieser Zeit kein Dienst hätte. Besonders in den Werktagsmessen wird sich das mögliche Fehlen der weiblichen Gottesdienstbesucher deutlich bemerkbar machen. Denn dort seien nur wenige Männer zu finden, ist aus der Pfarrei zu hören. "Wir wollen mit unserem Streik deutlich machen, wie viele Aufgaben Frauen rund um die Kirche übernehmen", sagt Magdalena Schlüter, die eine der sieben Initiatoren ist. Sie stört, dass die Dienste der Frauen in der Kirche zwar gerne gesehen und genutzt werden, sagt die 35-Jährige zur Begründung. "Aber wir haben keine Möglichkeit, in verantwortungsvollen Führungspositionen zu kommen." Gewisse Ämter seien in der katholischen Kirche ganz einfach Männern vorbehalten. "Wir sind durch unser Geschlecht ausgeschlossen", beklagt sie. Doch die geschlechtsspezifische Diskriminierung betreffe jedoch nicht nur das Priestertum. Auch in Laien-Berufen innerhalb der Kirche seien hauptsächlich Männer in den Spitzenämtern vertreten. Kirche soll von innen verändert werden "Wir sind gläubig und ein Teil der Kirche. Das wollen wir auch bleiben", betont Magdalena Schlüter, die Vorsitzende des Gesamt-Pfarrgemeinderats im Pastoralverbund Paderborn-Mitte-Süd ist. Es gehe den Frauen darum, die Kirche von innen zu verändern. Denn die Dinge hätten sich in den vergangenen 2.000 Jahren verändert und das müsse sich auch in der Kirche widerspiegeln. Deswegen gehen die Forderungen auch über die Rolle der Frau hinaus. "Wir wollen auch, dass die Ehelosigkeit der Priester abgeschafft wird", sagt die 35-Jährige. "Es geht dabei um die Zukunft der Kirche", macht sie deutlich und verweist auf die jüngst veröffentlichte Studie, nach der die Bistümer in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Mitgliederrückgang rechnen müssen. "Wir wollen, dass auch unsere Kinder noch in die Kirche gehen können", sagt die dreifache Mutter, zu deren ehrenamtlichen Tätigkeiten die Kinderkirche und die Taufbegleitung gehören. Doch die gläubigen Frauen wollen nicht einfach nur wegbleiben, sondern auch zeigen, dass sie draußen bleiben. Daher laden sie am Sonntag, 12. Mai, um 10 Uhr zu einem Wortgottesdienst unter freiem Himmel auf der Pfarrwiese an der Kirche St. Meinolf ein (bei schlechtem Wetter im Pfarrheim). Eingeladen sind ausdrücklich nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Das sagt der Pfarrer zum Streik Pfarrer Benedikt Fischer äußerte sich auf Anfrage von nw.de zu dem Streik: "Die Frauen in St. Julian wollen damit deutlich machen, wie sehr ihnen an einer Entwicklung der katholischen Kirche liegt." Ihm zufolge spürten die Frauen, dass es ein Ungleichgewicht gebe zwischen Einsatzfreude und Engagement auf der einen sowie Entscheidungs- und Richtlinienkompetenz auf der anderen Seite. Es beteiligten sich die Frauen, die in besonderer Weise ehrenamtlich in der Pfarrei tätig seien. "Es sind Frauen, die das vielgestaltige Leben an vielen Orten der großen Gemeinde ermöglichen", betont Fischer, der auch Dechant des Dekanats Paderborn ist. "Und in der Tat: ohne diese Frauen sähe es trostlos in unseren Gemeinden aus." Von seiner Seite werde es deshalb auch keine Behinderung der "Aktion Maria 2.0" geben.

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