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Quirliger Intelligenzler: Mark Benecke. - © Ulla Meyer
Quirliger Intelligenzler: Mark Benecke. | © Ulla Meyer

Paderborn Forensik-Popstar Mark Benecke begeistert Fans in Paderborn für Leichen

Der Wissenschaftler spricht in der Schützenhalle über Verwesung

Ulla Meyer
05.05.2019 | Stand 06.05.2019, 11:39 Uhr

Paderborn. Vortrag  Mark Benecke! Seriöse Schilder weisen den Weg in den komplett ausverkauften Hansesaal im Schützenhof, dem gut 900 Leute folgen. Die meisten sehr jung, viele mit Metall im Gesicht, die vermuteten Tattoos sind an diesem herbstlichen Frühlingsabend nicht so gut zu sehen. Ganz anders als bei Mark Benecke, der schon seit einer guten Stunde seine Fans persönlich empfängt, bereit zu Gespräch und Autogrammen, die er nur auf Haut und Bücher schreibt. Ein Popstar der modernen Forensik, wache Augen, ganzkörpertätowiert, Freiberufler, dafür organisiert in echt sympathischen Vereinen wie den Kölner Donaldisten und der Partei Die PARTEI, deren Europakandidat er ist. Außerdem ist Benecke Vampirexperte und Ultrafan von Rammstein. Punkt 19.30 Uhr erklärt der Wissenschaftler den Ablauf der Veranstaltung: Vortrag bis 20.45 Uhr, dann exakt eine halbe Stunde Pause, wo es wieder Selfies und Autogramme gibt, wenn der virtuelle Wolf heult, geht es weiter, spätestens um 22.45 Uhr ist Ende. Ehefrau Ines, im grungigen schwarzen Spitzenkleid, ist Logistikverantwortliche in diesem akribisch durchgetakteten Event, das am Samstag unter dem Arbeitstitel „Body Farm" steht und als Fortbildung in Pflegeberufen anerkannt wird. Doch zunächst kommt der „freie" Teil, der sich mit der Region beschäftigt, also mit Paderborn, nach Benecke einer Region der Ordnung. Auch Schnitzel sind Teile von Leichen Während sich andere Zeitungen auf ihrem Titel mit Bandenkriegen oder Donald Trump beschäftigen, titelt man in Paderborn von Landfrauen beim Waldbaden oder Spargelessen. Für Benecke ein Indiz für regional unterschiedliche Wahrnehmungen, die unsere Vorstellungskraft bestimmen und unseren Blick auf die Dinge eingrenzen. Denn alles enthält Information, ein Mantra, das sich durch den kompletten Abend zieht. Und dann geht’s los mit der Body Farm in Tennessee, in dessen ein Hektar großem Park immer ungefähr 40 Leichen in unterschiedlichen Stadien vor sich hin rotten. Leichen seien für ihn absolut kein Problem, man kenne die Konsistenz von Schnitzeln, was ja auch Teile von Leichen seien. Werden sie länger der Sonne ausgesetzt, nehmen sie nach und nach die rotbraune Farbe von Schinken an, was in anderen Zusammenhängen durchaus als appetitlich gilt. In unglaublichem Tempo erzählt Benecke nun von Tennessee, das, wie angeblich viele vermuten, gar nicht im amerikanischen Mittelwesten liegt, sondern eher im Osten. Dass er permanent bei der Einreise in die USA kontrolliert wird, dass an den Forschungsorten niemand auf ihn wartet und ihn abholt, dass er einmal fast von Apple gesponsert wurde, dann aber doch nicht, dass überhaupt kein Geld fließt, weil alle Leute Leichen eklig finden. Der Tod ist nicht das Ende Es ist nicht ganz einfach, sich auf diesen quirligen Intelligenzler zu fokussieren, der mit so vielen Infos aufwartet, dass das gedankliche Einsortieren schwer macht. Manche Fakten leuchten aber sofort ein, zum Beispiel zeigt ein einfacher Blick auf die DNA, dass jeder Deutsche einen Migrationshintergrund hat, den er besser kennen sollte. Und fest steht auch: Frauen sind im Bereich Fäulnis und Verwesung komplett überrepräsentiert, im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen arbeiten sie gern mit Blut und Sperma, greifen aber nach der Babypause zu sicheren und besser bezahlten Jobs, werden also meistens Lehrerinnen. Noch sicherer ist: Der Tod ist nicht das Ende, danach passiert noch ganz viel mit uns. Wir werden sicher nicht allein sein, auf Maden, Würmer und Fliegen ist immer Verlass.

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