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Darf wieder den Jedermann geben: Alexander Wilß ist einer der Darsteller aus dem Ensemble, die bereits bei der Freiluft-Inszenierung im Sommer 2016 mit dabei waren. - © Christoph Meinschäfer
Darf wieder den Jedermann geben: Alexander Wilß ist einer der Darsteller aus dem Ensemble, die bereits bei der Freiluft-Inszenierung im Sommer 2016 mit dabei waren. | © Christoph Meinschäfer

Paderborn Theater Paderborn lockt in neuer Spielzeit mit 15 Premieren

Das Programm bietet Bekanntes und zeitgenössische Dramatik. Intendantin Katharina Kreuzhage setzt das Erfolgsstück „Jedermann“ erneut auf den Spielplan.

Holger Kosbab
12.04.2019 | Stand 12.04.2019, 09:09 Uhr

Paderborn. Manchmal bekommt das Publikum im Theater ganz genau das, was es will. Auch wenn es das schon mal gab. So wird die kommende Saison 2019/20 genauso enden wie die Paderborner Spielzeit vor vier Jahren – mit dem „Jedermann". Ab dem 17. Juni 2020 wird der Platz vor der Stadtbibliothek erneut zur Arena für das Spektakel. Die Mitarbeiterinnen an der Kasse hätten so oft den Wunsch gehört, das Stück nochmals aufzuführen, sagte Intendantin Katharina Kreuzhage bei der Vorstellung des Spielplans für die nächste Theatersaison. Paderborn sei damit „Klein Salzburg". Im Gegensatz zu Salzburg, wo der Klassiker jedes Jahr neu inszeniert wird, wird es hier jedoch die bekannte Fassung geben. Allerdings muss die Hälfte der Rollen umbesetzt werden. Im Angebot hat die Bühne insgesamt 15 Premieren. Wobei neben dem „Jedermann" auch das Weihnachtspuppenspiel „Die besten Plätzchen der Welt" (ab 17. November) bereits zu sehen war (2016). Der Start hat dabei das Potenzial, ebenso fulminant zu sein wie das Finale: „The Black Rider – The Casting of the Magic Bullets" nach einem Buch von William S. Burroughs, mit Musik und Gesangstexten von Tom Waits und nach einer Regie der Originalproduktion von Regiestar Robert Wilson. Inszenieren wird wie beim „Jedermann" Ingmar Otto. Das Stück basiert auf der Volkssage des „Freischütz", die bereits Carl Maria von Weber zu seiner gleichnamigen Oper inspirierte. Mit diesem krachigen Auftakt hofft Kreuzhage, das Publikum nach der Sommerpause etwas früher wieder ins Theater zu holen. Mit der Premiere am 31. August ist es ein recht frühzeitiger Spielzeitstart. Der Mond hat ein Comeback Weiter geht’s mit Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", das am 14. September Premiere hat. Darin wird ein junges Pärchen in die Macht- und Ehekriegsspielchen eines Paares hinein gezogen, das seit vielen Jahren zusammen ist und eine lange gemeinsame Geschichte mit Tiefen und Höhen hat. Danach folgt am 15. September eine doppelte Premiere: „Mondsüchtig" ist nicht nur eine Uraufführung, es ist zudem der erste Liederabend, der nicht im Theatertreff aufgeführt wird, sondern im Studio, das zur Mondlandschaft wird. Denn der Mond hat ein Comeback. Um ein Leben, das am Beispiel einer Eintagsfliege auf 24 Stunden verknappt ist, geht es im Kinderstück „Nur ein Tag" (ab 19. September). „Die Bremer Stadtmusikanten" nach den Gebrüdern Grimm ist das Weihnachtsmärchen der kommenden Spielzeit (Premiere: 30. Oktober). In einer Bearbeitung von Philipp Löhle ist das Stück um Außenseiter, die sich zusammentun und groß heraus kommen, gar eine Uraufführung. Aktuelle Themen greifen die zwei folgenden Premieren auf: „Zu dir kommt alles Fleisch" (ab 8. November) nimmt den Missbrauchs-Skandal der katholischen Kirche als Aufhänger, um von da aus die omnipräsente sexualisierte Gewalt zu thematisieren und weiter gehende Fragen nach gesellschaftlichen Mustern zu stellen. Durch die Missbrauchsfälle in Lügde liege OWL im Auge des Taifuns, sagt Kreuzhage. Ödön von Horvaths „Jugend ohne Gott" (ab 16. November) handelt vom Mut zu einer aufrechten Gesinnung in einer Vergangenheit, in der Rassismus und Denunziantentum alltäglich sind. Das hat Bezüge zur Gegenwart. Das Büro wird zum Schlachtfeld In „Die Farbe des Morgens an der Front" (ab 18. Januar) schildert Mustafa Can den Alltag von vier jungen Frauen, deren Gute-Nacht-Geschichten von Gewehren und Granaten handelten und deren Leben auch später von Zerstörung und Gewalt geprägt ist. „Der Parasit oder Die Kunst sein Glück zu machen" (ab 25. Januar) ist eine von Friedrich Schiller stammende Bearbeitung des Stücks von Louis-Benoit Picard. Von Schiller aus damaligem Mangel an Komödien übersetzt, geht es um das Schlachtfeld der Bürokratie mit Intrigen und Schleimen. Passend zum NRW-Kommunalwahljahr 2020 geht es in „Furor" von Lutz Hübner und Sarah Nemitz ab 20. März um den Politiker Heiko Braubach, der in der heißen Wahlkampfphase einen jungen Mann so schwer anfährt, dass dieser in den Rollstuhl muss. Auch wenn er juristisch schuldlos ist, schlagen ihm Enttäuschung, Wut und Hass entgegen. Shakespeares „Was ihr wollt" folgt ab 28. März. Ein Mann und eine Frau mit ihrem One-Night-Stand, der Reue danach und einem späteren Wiedersehen bilden den Rahmen für „Sommernacht" (ab 15. Mai), eine Geschichte der Ü30-Generation. Den Kreislauf der Gewalt beschreibt Roland Schimmelpfennig in „Odyssee" – mit der Hauptfigur als Zerstörer und Zerstörtem. Es ist am 23. Mai die letzte Premiere im Theater – bevor der Freiluft-„Jedermann" vor die Stadtbibliothek lockt.

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