Die britischen Streitkräfte scheinen ihre militärischen Übungen in der Senne intensivieren zu wollen (Symbolbild). - © Marc Köppelmann
Die britischen Streitkräfte scheinen ihre militärischen Übungen in der Senne intensivieren zu wollen (Symbolbild). | © Marc Köppelmann

Kreis Paderborn Was ein geschlossener Truppenübungsplatz Senne für die Natur bedeutet

1.000 Tiere, Pilze und Pflanzen von der Roten Liste gefährdeter Arten haben in der Senne ihr Zuhause

Kreis Paderborn. 50 Wochen im Jahr - diese Zahl steht im Raum. So lange könnte die Senne zukünftig für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Das geht laut der Bürgerinitiative Schlangen 4.0 aus internen Papieren des britischen Militärs hervor. Die Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt in der Senne sind "schwer abschätzbar", sagt Dirk Tornede vom Naturschutzbund (Nabu): "Bislang hat die militärische Nutzung dafür gesorgt, dass andere Nutzung ausgeschlossen wurde." Die Briten seien pfleglich mit der Senne umgegangen. Es habe zwar kleinere Vorfälle gegeben, "zum Beispiel wurde beim Tanken nicht darauf geachtet, ob was daneben geht". Andererseits hätten die militärischen Übungen auch Strukturen geschaffen, "die für ganz spezielle Arten von Vorteil sind". Rund 1.000 Pflanzen, Tiere und Pilze von der Roten Liste gefährdeter Arten haben in der 117 Quadratkilometer großen Senne ein Zuhause. Darunter auch störempfindliche Tiere, wie Kraniche oder Schwarzstörche. Militärischer Lärm mache ihnen nichts aus, sagt Gerhard Lakmann von der Biologischen Station, die die Senne betreut. Menschen hingegen schon. "Für die Natur ist die Sperrung sogar gut", folgert Lakmann. Die Heidschnuckenherde nützt auch dem britischen Militär Dafür, dass die typische Heidelandschaft in der Senne erhalten bleibt, sorgt eine hungrige Heidschnuckenherde. Wenn auf dem Truppenübungsplatz geschossen wird, weidet die 1.000-köpfige Herde aus Hövelhof natürlich nur auf sicherem Grund. Um die 16 Hauptschießbahnen herum gibt es Sicherheitsbereiche, die während der Übungen nicht betreten werden dürfen. Für die Heidschnucken fänden sich aber immer noch "Flecken, wo sie hinkönnen", sagt Lakmann: "Die Heidschnucken sind für die Senne extrem wichtig - auch im Interesse des Militärs." Die Tiere sorgten für eine halb-offene Landschaft, die das Militär für seine Zwecke benötige. Aktuell planen die Briten, wie es mit der Senne nach dem vollständigen Abzug weitergehen soll. Bisher gilt die Senne als Schieß- und Infanterieplatz. "Nach unseren Informationen soll das so bleiben", sagt Lakmann, allerdings seien die Planungen wohl noch nicht abgeschlossen. "Briten haben ein besseres Naturverständnis als die Bundeswehr" Klar ist jedoch, dass das Gebiet nicht mehr nur von Briten, sondern auch von verbündeten NATO-Streitkräften benutzt werden soll. Ein Umstand, der beunruhigt. "Die Briten sind sehr verantwortlich mit der Senne umgegangen, sie haben ein besseres Naturverständnis als die Bundeswehr oder andere NATO-Partner", sagt Fritz Buhr, Sprecher der Paderborner Naturschutzverbände. Er habe gehört, dass in der Senne gebaggert und gebaut werden solle. "Es heißt, es werden Schießbahnen repariert und Straßen erneuert", so Buhr. Schon jetzt hat die Öffentlichkeit nur selten Zutritt zur Senne. "Auch wir sind dann ausgeschlossen", sagt Dirk Tornede vom Nabu. Sollten die Sperrzeiten noch ausgeweitet werden, "haben wir keine Möglichkeit, zu schauen, ob eine artgerechte Bewirtschaftung umgesetzt wird". Auch die Biologische Station befürchtet derartige Einschränkungen. Sie müsse ein regelmäßiges Monitoring durchführen und der EU Bericht erstatten. Auch müsse die Landschaft gepflegt werden. Je mehr geübt wird, desto weniger Zeit bleibt der Station. Die Briten seien immer kooperativ gewesen: "Wir hoffen, dass das alles so weitergeht." Christian Lüke vom Bundesforstbetrieb, der die Senne bewirtschaftet, wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.

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