Der Aktionstag will alle Aspekte rund um die Themen Sterben und Tod beleuchten. - © Voss Bestattungen
Der Aktionstag will alle Aspekte rund um die Themen Sterben und Tod beleuchten. | © Voss Bestattungen

Paderborn Tod und Sterben vor dem Paderborner Dom

Der Aktionstag „Wer früher starb, war schöner tot?“ gibt am Samstag Einblicke in den Wandel der Bestattungskultur

Birger Berbüsse
05.09.2018 | Stand 04.09.2018, 16:59 Uhr

Paderborn. Sterben und Tod werden in der heutigen Gesellschaft zu sehr verdrängt. Ganz anders als früher, wo Hausaufbahrungen noch die Regel waren. Das findet jedenfalls eine Gruppe von gut 20 Paderborner Vereinen und Institutionen, die das Thema deshalb in die Öffentlichkeit holen wollen. Oder genauer gesagt: Mitten in die Stadt, genau vor den Dom. Dort widmet sich am Samstag, 8. September, ab 9.30 Uhr ein Aktionstag dem Thema Tod und Trauer. Augenzwinkender Titel: „Wer früher starb, war schöner tot?" Nicht völlig todernst, aber auch nicht zum Totlachen: So wollen die Veranstalter ihren Besuchern die Beschäftigung mit dem Sterben näher bringen, sagt Gärtnerin Beate Rodenbröker. Wie Bestatter Peter Voss oder Vertreter des Hospizvereins weiß sie aus ihrem beruflichen Alltag, dass die Menschen sich sehr oft überhaupt nicht mit dem Sterben beschäftigen – und dann beim Tode eines Familienmitgliedes häufig überfordert sind. Deshalb will Bestatter Voss den Aktionstag unter anderem dafür nutzen, für die Bestattungsvorsorge zu werben. So sei das Wichtigste schon geregelt und die Hinterbliebenen könnten sich auf die Trauer hinterlassen. Auch Informationen zu Bestattungsmöglichkeiten in Paderborn, Beratungen zur Dauergrabpflege wird es am Samstag geben, außerdem stellen sich Hospizdienste vor. Bei Kaffee und Kuchen soll es Raum für Gespräche rund um das Thema geben. Eine Gewerbeschau soll der Aktionstag allerdings keinesfalls sein, betont Initiator Michael Diwo. Stattdessen soll der Wandel der Bestattungskultur veranschaulicht werden: „Von strengen Trauerritualen hin zu einer lebensbejahenden, individuellen, bunten und fröhlichen Rückschau auf das Leben des Verstorbenen." Der neue Trend gehe nun zur möglichst pflegeleichten Grabpflege, sagt Bildhauer Diwo. Hausaufbahrung und Postmortem-Fotografie Um diese Entwicklung greifbar zu machen, wird neben dem Paradiesportal am Samstag unter anderem eine moderne Hausaufbahrung gezeigt. „Einmal im Jahr", schätzt Bestatter Voss, werde diese ganz besondere, aber früher eben auch ganz normale Art des Abschiednehmens noch gewünscht. Die Gärtnerei Rodenbröker wird Grabschmuck vorstellen. Auch hier hat es einen Wandel gegeben. Weil die Grabstätten kleiner würden, gebe es auch weniger große Gestecke. Bildhaft nähert sich eine Ausstellung von Postmortem-Fotografien dem Tod: Bilder von Verstorbenen, die der Trauerbegleiter Martin Kreuels gemacht hat, und die immer häufiger gewünscht würden. Auch Mädchen und Jungen der Michaelsschulen haben sich in einem jahrgangsstufenübergreifenden Projekt dem Thema Tod gewidmet und ganz individuelle Urnen gestaltet – von der Kaffeetasse bis zur Comicfigur. Außerdem werden die Schüler eigene Texte vortragen, auch der Paderborner Rapper Idref tritt auf. Den Veranstaltungsort neben dem Haupteingang des Doms haben die Veranstalter natürlich nicht zufällig gewählt. Dort liegt der älteste Friedhof der Stadt, der im Zuge der Neugestaltung archäologisch untersucht wurde. Einer der damals gefundenen Grabsteine, der aus dem 17. Jahrhundert stammt, wird am Samstag aufgestellt.

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