Paderborn Heißes Hochbeet in Paderborn: Bund der Steuerzahler schaltet sich ein

Nach Satire: Stadt muss 178.000-Euro-Investition in Hochbeet mit Messingrand begründen

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Das offiziell so benannte "Hochbeetsitzelement" auf dem kleinen Königsplatz, das wegen der Hitzeentwicklung seiner Messingumrandung und Kosten in Höhe von 178.000 Euro schon zum Gegenstand öffentlicher Kritik und eines Spiegeleier-Bratversuchs der NW-Redaktion am heißesten Tag des Jahres wurde, droht nun auch zum überregionalen Politikum zu werden. Einen TV-Beitrag des NDR-Satiremagazins Extra 3 am Mittwochabend hat am Donnerstag der Bund der Steuerzahler zum Anlass genommen, sich an die Stadt Paderborn zu wenden. Wie Bärbel Hildebrandt, Pressesprecherin des Landesverbandes, gegenüber der NW sagte, sei die Stadt verpflichtet, die Fragen zu beantworten. Eine Frist habe man nicht gesetzt; man rechne mit höchstens vier Wochen. Von der Antwort hänge ab, ob man daraus einen Beitrag für die monatliche Mitgliederzeitschrift mache. Bei der Stadt Paderborn feilt man unterdessen schon an der Stellungnahme. Dazu habe man auch noch einmal Kontakt zu den Planern aufgenommen, sagte gestern Claudia Warnecke, Technische Dezernentin der Stadt Paderborn. Ein ähnliches Hochbeet der Planer stehe in Hamburg, offenbar bislang ohne Ärger. Holz gegen Hitze Die Hitzegefahr im rückwärtigen Bereich der Sitzbänke, die ja ohne weiteres nutzbar seien, wolle man zunächst mit einem etwa 30 Zentimeter breiten Streifen aus Holz lösen, sagte die Dezernentin. Ansonsten sollen die drei Gold-Gleditschien, mit denen die zwei Hochbeete bepflanzt wurden, in den nächsten Jahren für Schatten sorgen. Im übrigen habe man sich für den Königsplatz bewusst gegen simple Pflanzkübel entschieden, um dort etwas Besonderes zu schaffen. Die Idee zu den Elementen sei in einem Wettbewerb entstanden. Die Kosten in Höhe von 178.000 erklärten sich durch die besonders aufwendige Konstruktion auf dem Flachdach. Immerhin 4,3 Tonnen Stahl und 1,75 Tonne Messing seien verbaut, um insgesamt 35 Kubikmeter Substrat mit einem Gewicht von 33 Tonnen standzuhalten. Darin wurzeln die Gehölze. Der Mehrpreis für das Messing gegenüber der Verwendung von einfachen Stahlplatten liege nach Angaben der Planer nur bei 5.000 Euro. Es sei schade, dass der anspruchsvolle Ansatz, unter dem die Neugestaltung der Königsplätze stehe, nun insgesamt in der öffentlichen Wahrnehmung zu leiden drohe.

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