Imposantes Lebenswerk: Herbert Hanselmann hat vor 30 Jahren dSpace gegründet. Heute arbeiten 1.500 Menschen für ihn. - © Hans-Hermann Igges
Imposantes Lebenswerk: Herbert Hanselmann hat vor 30 Jahren dSpace gegründet. Heute arbeiten 1.500 Menschen für ihn. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn 30 Jahre dSpace: Aus einem Startup wird ein weltweites Unternehmen

Was als Ausgründung aus der Universität begann, ist heute ein weltweites Unternehmen - mit chronischem Platzmangel

Hans-Hermann Igges

Paderborn. Autobauer setzen weltweit auf eine Firma aus Paderborn: dSpace. Das Unternehmen mit dem eigenwilligen Namen, einer Abkürzung für „Digital Signal Processing And Control Engineering", hat sich in vielen Bereichen unersetzlich gemacht. Mit Hard- und Software für Steuergeräte versorgt dSpace die Entwicklungsabteilungen von Audi und VW, von Daimler, BMW, Toyota und vielen anderen. „Heute würde ich wohl einen anderen Namen wählen, irgendein Kunstwort", gesteht Firmenchef Herbert Hanselmann (69). Doch es gibt wenig, was er wirklich anders gemacht hätte in den letzten 30 Jahren. Der Erfolg gibt ihm Recht. Und das wird am Wochenende gefeiert: 1.400 Gäste werden Freitag zu einem Sommerfest erwartet, das „etwas größer" ausfällt als üblich, so Hanselmann. Am Samstag kommen noch einmal so viele zum Familienfest für Mitarbeiter. Aus dem Startup, das am 2. Januar 1988 mit der Arbeit begann, ist ein weltweites Unternehmen geworden. Inzwischen 1.500 Mitarbeiter sorgen für 218 Millionen Euro Jahresumsatz. Herbert Hanselmann, der als Mechatroniker schon eine Universitätskarriere gemacht hatte und später wegen seiner jungen Firma sogar eine sichere Professur in Paderborn ausschlug, versammelte drei weitere Pioniere um sich: Die Diplom-Ingenieure Albert Schwarte und Andreas Hostmann sowie den wie Hanselmann promovierten Hermann Henrichfreise. „Wir hatten eine Idee, von der wir annahmen, dass sie von vielen Ingenieuren in der Arbeitswelt dankbar aufgenommen würde. Dafür wollten wir Soft- und Hardware entwickeln", erinnert sich der Gründer. Erste Kunden waren Hersteller von Chip-Maschinen Doch erst mal brauchten die Vier Startkapital, um ausgiebig weiter zu forschen: „Wesentlich war eine sechsstellige Summe aus einem Förderprogramm des Landes", erinnert sich der gebürtige Karlsruher, den vor fast 40 Jahren der inzwischen verstorbene Rail-Cab-Erfinder Joachim Lückel nach Paderborn geholt hatte. Dazu kam ein Bankkredit in gleicher Höhe, für den alle persönlich bürgten. Hanselmann: „Das Risiko war kalkuliert. Aber wir hätten nach einem Flop jeder auch einen Job in der Industrie gefunden, um die Schulden zu tilgen." Doch es dauerte nur knapp drei Jahre, dann zündete die dSpace-Rakete. Erste Kunden waren Hersteller von Chip-Maschinen, der Schweizer Bohrmaschinen-Bauer Hilti und sogar Walt Disney in den USA, die elektronische Regelungen für Fahrgeschäfte brauchten. Inzwischen hat man bei dSpace zwar auch Exoten wie einen Geburtssimulator oder eine Schädelaufbohrmaschine in den Auftragsbüchern gehabt. Doch mehr als 80 Prozent des Umsatzes werden mit der Autoindustrie erzielt. Im Moment brummt das Geschäft dermaßen, dass jedes Jahr rund 100 neue Entwickler eingestellt werden, vor allem am Standort Paderborn. Herbert Hanselmann: „Das große Thema ist autonomes Fahren. Da ist richtig Druck. Aber auch der Rest wird deswegen nicht weniger." Für eine Firma wie dSpace, die für die Kunden Werkzeuge für eigene Entwicklungen bereitstellt, ist es egal, ob Antriebe elektrisch oder als Verbrenner funktionieren. Die Hauptsache ist: Vorsprung durch Innovation. Firmenchef Hanselmann: „Genau deshalb stecken wir jedes Jahr so viel Geld wie möglich in die Entwicklung. Ideen haben wir mehr als genug; die Frage ist, was Priorität erhält." Vor acht Jahren zog dSpace aus dem Technologiepark in eigene Gebäude an der Rathenaustraße. Dort wurde seitdem ständig weiter gebaut: Büros, Parkhäuser, Mensa, Kindertagesstätte. „Trotzdem platzen wir aus allen Nähten", sagt der Chef. Zur Zeit sind mehrere Abteilungen ausgelagert, auch wieder in den Technologiepark. In der Schublade liegen Pläne für einen Zwilling des Hauptgebäudes mit Platz für weitere 600 Mitarbeiter. Hanselmann: „Wenn wir das fertig haben, wird es schon voll sein." Logisch, dass er auch auf das Nachbargelände schaut, das der früheren Kaserne. Doch dass Paderborn für alle Zeiten wichtigster Standort für Entwicklung bleibt, ist deshalb für Hanselmann nicht in Stein gemeißelt. Zweite Generation an das Unternehmen heranführen Was für Herbert Hanselmann allerdings klar ist: Aus dem operativen Geschäft zieht er sich in diesen Monaten zurück. Seit 1. März übernimmt Martin Goetzeler (55) nach und nach die ganze Geschäftsführung. Hanselmann: „Klar, ich werde weiter mein Büro haben. Ich will aber nicht der alte Patriarch werden, der noch überall hinein fummelt." Er selbst will als Gesellschafter Vorsitzender eines wohl fünfköpfigen Beirates werden, den er beruft und der zum Beispiel strategisch und bei Großinvestitionen das Sagen hat. Martin Goetzeler hat neben der Geschäftsführung aber noch eine wesentliche Zusatzfunktion: Er soll die zweite Generation Hanselmann an das Unternehmen heranführen. Herbert Hanselmann: „Meine Tochter ist bereits bei dSpace, und die beiden Söhne arbeiten momentan noch bei anderen Firmen zum Thema Künstliche Intelligenz. Einer sogar zum autonomen Fahren."

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