Im Nordbereich entsteht die Stadtverwaltung mit Pkw-Zufahrten von Erzberger (Pfeil ganz oben l.) und Giefersstraße (oben r.). Die genaue Lage der Zufahrten für das Wohngebiet über Theodor-Heuss-Straße (unten r.) und Erzberger Straße (l.) steht noch nicht fest.
Im Nordbereich entsteht die Stadtverwaltung mit Pkw-Zufahrten von Erzberger (Pfeil ganz oben l.) und Giefersstraße (oben r.). Die genaue Lage der Zufahrten für das Wohngebiet über Theodor-Heuss-Straße (unten r.) und Erzberger Straße (l.) steht noch nicht fest.

Paderborn 600 Wohnungen auf Kasernenfläche

Strukturkonzept für Alanbrooke-Nachnutzung: Wohnen und Arbeiten im Innenstadt-Quartier

Paderborn. Auf dem 18 Hektar großen Gelände der Alanbrooke-Kaserne Straße sollen außer der neuen Stadtverwaltung 500 bis 600 Wohneinheiten für 1.000 bis 1.500 Menschen entstehen. "Wohnen und Arbeiten mit historischer Kulisse", das sieht ein Strukturkonzept der Stadtverwaltung vor, das als Grundlage für weitere Planungen dienen soll. Für Mai ist der Auftakt eines städtebaulichen Wettbewerbs geplant. "Sehr attraktiv" (Grüne), "zukunftsweisendes Bauen" (DIP), "schönes Wunschkonzert" (SPD). Bei der "Steuerungsgruppe Konversion" stieß das Strukturkonzept in allen Fraktionen grundsätzlich auf Zustimmung. Das innerstädtische Gebiet in zentraler Lage im Riemeke wird 2016 als erstes Kasernengelände von den Briten freigezogen. Für die Planung der zivilen Nachnutzung hatte die Stadt auch Bürgerinnen und Bürger um Ideen und Wünsche gebeten. Im südlichen Bereich der Fläche sollen 6 bis 8 Hektar auf den Bereich Wohnen entfallen, wie der städtische Konversionsbeauftragte Thomas Jürgenschellert erläuterte. Im nördlichen Teil sind 7 bis 9 Hektar für die Stadtverwaltung vorgesehen. 2 bis 3 Hektar bleiben als Freiraum - so kann beispielsweise der Exerzierplatz zum öffentlichen Begegnungsraum des neuen Wohnquartiers werden. Sowohl in Nord-Süd-Richtung (bis zu den Paderwiesen) als auch in Ost-West-Richtung (über den Riemekepark bis zum Westfriedhof) sollen Grün-Achsen verlaufen, innerhalb des Quartiers entstehen neue Wegeverbindungen. "Mit Öffnung der Kaserne wird den Bürgern ein Stück Stadt wieder zugänglich gemacht", so Thomas Jürgenschellert. Dabei sei der alte Baumbestand, soweit möglich, zu erhalten. Entstehen sollen vor allem Mehrfamilienhäuser, auch als Baugruppenprojekte, sowie Wohnraum für ältere und behinderte Menschen. Unter dem Motto "Arbeiten und Wohnen" ist die Ansiedlung von Dienstleistern in Büros, Kanzleien oder Praxen in den eigenen vier Wänden denkbar. Während sich ansässige Unternehmen wie dSpace oder Lödige bei Bedarf räumlich weiterentwickeln können, sind keine größeren oder "störenden" gewerblichen Nutzungen in dem Gebiet vorgesehen. Lebensmittelgeschäfte befinden sich ebenso in der Nähe wie Schulen und Bushaltestellen, die 1.400 Meter entfernte Stadtmitte ist gut zu erreichen. Verkehrlich neu erschlossen werden muss allerdings das entstehende Quartier. Für das Wohngebiet sollen mehrere Zufahrten an der Erzberger sowie an der Theodor-Heuss-Straße entstehen. Wo genau diese sein werden, ist noch nicht zu sagen. Die künftige Stadtverwaltung sollen Mitarbeiter und Bürger jedenfalls mit dem Auto sowohl über die Erzberger- als auch über die Giefersstraße erreichen können, die bislang Sackgasse und Tempo-30-Straße ist. "Es mindert unsere Wohn- und Lebensqualität, wenn 800 Beschäftigte der Stadt vor unserer Tür hin und her fahren", kritisiert Anwohner Holger Bargen gegenüber dieser Zeitung. Zudem befürchtet er dadurch sinkende Immobilienwerte an der Giefersstraße: "Ein neues Quartier entsteht, und eine gute, bestehende Wohnlage wird entwertet", sagt Bargen. Andreas Franzke, ebenfalls Anrainer, sorgt sich außerdem, dass die jetzige Tempo-30-Straße als Abkürzung missbraucht werde. "Dieses Problem ergibt sich aber doch für alle Anwohner rund um die Alanbrooke-Kaserne, so auch auf anderen Seiten, an der Theodor-Heuss-Straße oder Goerdeler-/Erzbergerstraße", meint zu diesen Sorgen ein Bürger auf der Konversions-Homepage der Stadt: "Jeder muss sich auf mehr Verkehr einstellen." "Durchgangsverkehr wird es nicht geben", betont Konversionsbeauftragter Jürgenschellert, dass man dieser Anregung von Bürgern nachkomme. So sei keine direkte Verbindung von der Giefers- zur Erzberger Straße geplant. "Das kann man sehr unattraktiv gestalten". "Aber wir können nicht alle Wünsche von Bürgern 1:1 erfüllen", erläutert der Konversionsbeauftragte auf Nachfrage der NW. Auch Bürgerbeteiligung habe ihre Grenzen. Die Giefersstraße trage nicht die Hauptlast - gerade um die Verkehrsströme zur Verwaltung zu verteilen und nicht einseitig Gebiete bzw. Anwohner zu belasten, wolle man den Verkehr auf zwei Stellen verteilen. Um das Aufkommen an den beiden Knotenpunkten der Giefers- und Erzberger Straße gut abzuwickeln, rät das Konzept zu Ampelanlagen. Und die Erzberger Straße, aktuell ebenfalls zum Teil Tempo-30-Zone, könne verbreitert werden. Die Idee von Bürgern, das neue Quartier alternativ über ein Privatgrundstück an der Rathenaustraße - im Eigentum des expandierenden Unternehmens dSpace - zu erschließen, sei im Grundsatz gut, findet Thomas Jürgenschellert. Doch Gespräche mit dem Eigentümer hätten gezeigt, dass man dort andere Pläne hege, sagte die Technische Beigeordnete der Stadt, Claudia Warnecke. Für eine öffentliche Nutzung gebe es "eine große Zurückhaltung". Bürger, die übrigens nochmals in die Alanbrooke-Planung einbezogen werden sollen, finden das Strukturkonzept im Internet: www.paderborner-konversion.de

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