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Das Opfer hatte gehofft, über die Datingseite ihren Traummann zu finden. - © Besim Mazhiqi
Das Opfer hatte gehofft, über die Datingseite ihren Traummann zu finden. | © Besim Mazhiqi

Lichtenau Dating-Partner soll Frau vergewaltigt haben

Eine Lichtenauerin soll von ihrem Freund zunächst kräftig belogen und dann vergewaltigt worden seien. Gegen den Mann gibt es zudem eine weitere Anklage

Jutta Steinmetz
11.10.2019 | Stand 11.10.2019, 12:56 Uhr

Lichtenau. Als Bianca I. (alle Namen geändert) vor drei Jahren auf der Datingseite "Christ sucht Christ" unterwegs war, hatte sie die Hoffnung, nach ihrer gescheiterten Ehe dort ihr großes Glück zu finden. Doch statt an einen liebevollen Partner geriet sie an einen Mann, der ihr mehrere qualvolle Monate bescherte, angefüllt mit seelischem Druck. Staatsanwältin Melke Topkaya wirft dem 32-Jährigen sogar vor, die Lichtenauerin vergewaltigt zu haben. Dazu will Tobias C. vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Paderborn gar nichts sagen. Schweigend sitzt der Herdecker zwischen seinem beiden Verteidigern. "Ich weiß gar nichts mehr", winkt Tobias C. ab, als Nebenklagevertreter Thorsten Fust direkt nach Verhandlungsbeginn wissen möchte, was dieser denn so genau beruflich mache, und dann aufzählt, dass sich der 32-Jährige als erfahrener Bauleiter ausgegeben habe. In einer bekannten Fernsehshow sei der Angeklagte aber als Restaurantfachmann aufgetreten, sagt Fust, und habe dort sogar behauptet, ein Studium abgeschlossen zu haben. Das alles hört Tobias C. augenscheinlich gar nicht gern, denn nun will er sich nicht einmal mehr zu seiner Person äußern. Beziehung wurde "zum Horror" Dass es der Angeklagte mit der Wahrheit womöglich nicht sehr genau nimmt, berichtet auch Bianca I. "Er hat sich so gut verkauft, wie ich mir einen Partner gewünscht hätte", beschreibt die 32-Jährige die ersten Tage und Wochen mit dem Dortmunder. Doch "es wurde zum Horror". Nicht nur weil Tobias C. höchstwahrscheinlich schamlos übertrieb, als er von seiner reichen Herkunft, seinen zahlreichen Immobilien, seinen vielen Pferden und seinem Reichtum erzählte, während er damals in einer kleinen unordentlichen Einzimmerwohnung lebte. Der 32-Jährige vereinnahmte Bianca C. immer mehr. "Ich habe alles gemacht, was er wollte, ich war seine Marionette." Sie überredete sogar ihren Vater, einen Kredit aufzunehmen, um in ein Geschäft einzusteigen, das Tobias C. vorgeschlagen hatte. Irgendwann begann der Dortmunder, seine Freundin zu erpressen. Bianca I. schwieg - aus Scham, wie sie den Richtern erzählt. Weitere Anklage wegen drei Vergewaltigungen Dass Tobias C. sie an einem Sommertag in ihrem eigenen Zuhause in Lichtenau gegen ihren Willen zum Geschlechtsverkehr zwang, behielt sie gleichfalls für sich - selbst dann noch, als sie sich mit Unterstützung ihres Bruders ihrem Freund getrennt hatte. Erst in einer Therapie, mit der sie gegen ihre durch die unglückselige Partnerschaft entstandenen Ängste anging, fand sie den Dreh, ihren Ex-Freund anzuzeigen. Augenscheinlich war Bianac I. nicht die einzige Frau, die erst Tobias C.s charmanter Art erlag, aber dann ein bitterböses Erwachen erlebte. Am Landgericht in Ellwangen ist gleichfalls Anklage gegen ihn erhoben worden. In dieser soll sogar von drei Vergewaltigungen die Rede sein. Während dort in Baden-Württemberg eine Verhandlung noch nicht terminiert ist, wird der Prozess vor dem Paderborner Landgericht am Dienstag, 29. Oktober, fortgesetzt.

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